Filesharing : Nachfolger von Megaupload geht an den Start

Exakt ein Jahr nach der Razzia gegen Megaupload hat Kim Dotcom sein Comeback gefeiert. Die neue Daten-Plattform Mega soll legal sein – dank einer "Armee von IT-Anwälten".
Kim Schmitz feiert in Auckland (Neuseeland) den Start seiner neuen Daten-Plattform Mega. ©Nigel Marple/Reuters

Der Gründer des Internet-Speicherdienstes Megaupload, Kim Schmitz, hat am Sonntag eine neue Plattform gestartet. Der in Neuseeland registrierte Dienst namens Mega ging um 6.48 Uhr Ortszeit online. Laut Schmitz, der sich inzwischen Kim Dotcom nennt, haben sich allein in der ersten Stunde nach der Freischaltung 100.000 Nutzer angemeldet. Der Vorgänger Megaupload zählte etwa 50 Millionen Nutzer.

Schmitz feierte den Launch von Mega exakt zum Jahrestag der Razzia gegen Megaupload mit einer Party in Auckland (Neuseeland), bei der er sich – als Karikatur der damaligen Festnahme – von als Polizisten verkleideten Schauspielern abführen ließ.

Mega soll über ein ausgeklügeltes Verschlüsselungssystem verfügen, so dass zwar die Nutzer, nicht aber die Betreiber der Seite wissen, welche Daten sie speichern und teilen. Theoretisch könnten somit die Betreiber nicht für illegale Kopien verantwortlich gemacht werden. Mega werde seinen Nutzern Verschlüsselung "auf militärischem Niveau" bieten, kündigte Schmitz an. Die neue Daten-Plattform sei legal und rechtlich abgesichert, wofür "eine Armee von IT-Anwälten" gesorgt habe.

Bei Mega sollen die Nutzer standardmäßig 50 Gigabyte Speicherplatz bekommen. Für Gebühren von bis zu 30 Dollar pro Monat soll es bis zu 4 Terabyte Speicher und einen schnelleren Datendurchsatz geben. Nach dem Aus von Megaupload konnte kein Nutzer mehr auf seine Daten zugreifen, auch wenn es sich dabei um legale eigene Dateien handelte.

Schmitz drohen in den USA 20 Jahre Haft

Megaupload hatte seinen Nutzern angeboten, Daten im Internet zu speichern und mit anderen zu teilen. Dies ist nicht illegal, doch der Dienst wurde auch dazu genutzt, Raubkopien etwa von Musik, Filmen und Software zu verbreiten. Die USA beschuldigen die Verantwortlichen, unrechtmäßig 140 Millionen Euro angesammelt zu haben. Sollte Schmitz vor ein US-Gericht gestellt werden, drohen ihm bis zu 20 Jahre Haft.

Der gebürtige Deutsche war am 20. Januar 2012 in seiner Wahlheimat Neuseeland festgenommen worden. US-Behörden hatten Megaupload massive Urheberrechtsverletzungen vorgeworfen und die Plattform vom Netz genommen. Schmitz kam nach einer Razzia für mehrere Wochen in Untersuchungshaft. Er ist gegen Kaution auf freiem Fuß; die USA verlangen seine Auslieferung. Eine Anhörung soll im August stattfinden.

Schmitz: "Wir haben nichts Illegales getan. Wir werden das vor Gericht beweisen. Es sollte keine Auslieferung geben." Für den Fall einer Auslieferung sei er dennoch gewappnet: "Wenn ich diesen Kampf in den USA weiterführen muss, werde ich es tun."
 

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Kommentare

21 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Registrierung unprofessionell

Jeder vernünftige Programmierer weiß, dass man das (nicht sichtbare) Passwort bei einer Reg. zweimal eingeben muss, damit man nicht Gefahr läuft, sich zu vertippen und sich anschließend nicht mehr einloggen zu können. Wenn der Rest der Website genauso unprofessionell programmiert wurde, wird das noch lustig.

Interessant

Die Preise sehen eigentlich sehr gut aus, verglichen mit anderen client-seitig verschlüsselnden cloudstorage-Anbietern wie Wuala. Was MEGA bislang jedoch fehlt, sind Desktop-Clients für Windows/MacOSX/Linux bzw. Android/iOs. Immerhin ist die API offen, so dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis es für alle relevanten Systeme entsprechende Programme gibt.
Bis dahin bleibe ich persönlich weiterhin bei Dropbox mit boxcryptor.

Aus Filesharing-Perspektive hat der Verschlüsselungsansatz für MEGA selbst natürlich den angenehmen Effekt, dass sie von Film- und Musikindustrie dadurch unmöglich zu Präventivmaßnahmen wie Fingerprinting der hochgeladenen Dateien gezwungen werden können und die Dateien allenfalls bei massenhafter Verbreitung per öffentlichem Link durch die bekannte "notice and takedown"-Methode entfernt werden müssten.
(siehe https://mega.co.nz/#help_...
"Alternatively, you can create a public link to any of your folders and export the folder-specific crypto key, making it accessible without a MEGA account.")

Server-Standort in den USA...

Der Standort der Server scheint Washington DC zu sein.
Kein Witz, sondern eine nur allzu offensichtliche "Tatsache" - nachzuprüfen z.B. mit der Browser-Erweiterung für Chrome "yet another flag".

Finde trotzdem nicht schlecht, dass es einen Internet-Dienst gibt der volle 50 GB an Speicherplatz zur Verfügung stellt.
Datenaustausch unter Freuden ist somit rasch möglich - zum Beispiel das neue Hochzeitsvideo einer guten Freundin.
Und wie ich sehen kann funktioniert der Account tadellos mitsamt dem hochgeladenem 1,9 GB großen Hochzeitsvideo - auch wenn IP, Browserkennung und Betriebssystem (und wie ich zusätzlich vermute auch MAC-Adresse der Netzwerkkarte u. Serial der Festplatte) "abgegriffen" werden durch diese neue Webseite.
Danke für 50 GB Speicherplatz, Mr. Dotcom. ;-)