OutsourcingEntwickler lagert eigenen Job heimlich nach China aus

Ein Softwareentwickler aus den USA ließ seinen Job monatelang heimlich von chinesischen Dienstleistern erledigen. Seine Arbeitszeit vertrieb er sich mit Katzenvideos.

"Bob" war ein hochgeschätzter Softwareentwickler in seiner Firma und erledigte alle Aufgaben stets pünktlich und zur vollsten Zufriedenheit seines Arbeitgebers. Bis dieser merkte, dass Bob seine Arbeit in Wirklichkeit an eine Firma in China ausgelagert hatte, während er selbst seine Tage mit Facebook und Katzenvideos verbrachte. Diesen ungewöhnlichen Fall von Outsourcing hat das US-Telekommunikationsunternehmen Verizon in seinem Blog öffentlich gemacht.

Nach eigenen Angaben wurde Verizon durch Sicherheitskontrollen bei einer US-Firma auf den Fall aufmerksam. Sie stellte regelmäßige Zugriffe aus China auf den internen Computerserver der Firma fest. Was zunächst nach Industriespionage aussah, erwies sich bei gründlicher Überprüfung als das Werk eines findigen Faulpelzes. Der Informatiker Bob tat in seinem Büro so, als wäre er schwer beschäftigt, ließ aber in Wirklichkeit seinen Job von einer chinesischen Firma erledigen, der er im Gegenzug einen kleinen Teil seines Gehalts überwies. Er übergab den Chinesen einfach die Zugangsdaten zum Virtual Private Network (VPN) der Firma und ließ sie arbeiten. Den ebenfalls nötigen, regelmäßig erneuerten Schlüsselanhänger zur Identifikation schickte er jedes Mal per FedEx nach China.

Anzeige

Bobs typischer Arbeitstag begann mit ein wenig Surfen im sozialen Netzwerk Reddit. Anschließend schaute er sich Videos von Katzen an, bevor er eine ausgiebige Mittagspause einlegte. Seinen Nachmittag verbrachte er bei eBay sowie bei Facebook und LinkedIn. Einzige Arbeitshandlung war eine tägliche E-Mail an seine Vorgesetzten, in der er sie über den Stand seiner Projekte informierte.

Irgendwann fiel der IT-Abteilung bei einem Blick in die Log-Dateien auf, dass jemand aus China immer wieder Zugang zum VPN bekam, und zwar mit der Benutzerkennung von Bob. Und da es sich um ein Unternehmen aus dem Bereich der "kritischen Infrastruktur" handelte, wie Verizon schreibt, sorgte dieser monatelang unentdeckte Vorgang für eine gewisse Unruhe. Erst die Spezialisten von Verizon seien nach einiger Zeit auf Beweise gestoßen, dass Bob selbst dafür verantwortlich war: In den gelöschten Dateien seines Computers fanden sie die Rechnungen der Chinesen für ihre Dienstleistungen.

"Einer der besten Entwickler im Hause"

Laut Andrew Valentine, der die Geschichte im Blog des Verizon RISK Teams veröffentlichte, verdiente Bob mit diesem Trick bei verschiedenen Firmen insgesamt mehrere Hunderttausend Dollar im Jahr, zahlte aber nur 50.000 Dollar an die chinesische Software-Consultingfirma, die seinen Job machte. "Aber das Beste ist, dass dieser Mitarbeiter all die Jahre über großes Lob für seine Arbeit bekam", sagte Valentine. Bob sei sogar als "bester Entwickler im Hause" gefeiert worden.

Im Verizon-Blog heißt es, Bob sei ein Familienvater um die 40 Jahre. Sein wirklicher Name wurde nicht veröffentlicht, ebenso wenig wie der Name seines Arbeitgebers. Die Moral von der Geschichte steht in der Überschrift des Blogeintrags: "Proaktives Durchsehen der Log-Dateien kann eine gute Idee sein." Und die Geschichte selbst ist verrückt genug, um wahr zu sein.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Nur, dass er über Monate hinweg stundenlang "Katzenvideos" angeschaut hat, mag ich nicht so richtig glauben.

    Hat der Übersetzer vielleicht vorschnell die "Pussy-Videos" so übersetzt:-)

    43 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ist schon korrekt. Das ist allerdings "Insider-Humor" der Reddit-User.

  2. Wenn es jemand BESSER und BILLIGER macht, warum sollte man die Arbeit nicht auslagern. Bob wurde halt für die Management-Tätigkeit bezahlt. Schließlich war er für die Qualität der Arbeit verantwortlich.

    Und wahrscheinlich hatte der Chinese die Arbeit an einen Inder ausgelagert ...

    24 Leserempfehlungen
  3. so wird es gemacht.

    unsre täglich ration chinesische zuarbeit gib uns heute.

    14 Leserempfehlungen
    • Infamia
    • 18. Januar 2013 17:34 Uhr

    Einerseits ja recht clever, aber andererseits muss ich sagen, bei der Gestaltung von Bobs Arbeitsalltag fiel bei mir immer wieder das Wort Langeweile. Ich weiß nicht, ob ich tagtäglich meine Zeit mit Katzenvideos, sozialen Netzwerken und ähnlichem verbringen wollte. Wahrscheinlich muss man Softwareentwickler sein, um so etwas spannend zu finden.

    13 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Pereos
    • 18. Januar 2013 18:08 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Anfeindungen und verfassen Sie sachliche Kommentare zum konkreten Artikelinhalt. Danke, die Redaktion/au

    Ich könnte es mir vorstellen, dass Bob durch soziale Netze die Kontakte für Outsourcing genutzt hat, wofür er offensichtlich Talent hat. Sonst wäre es wirklich öde.

    Ein bißchen Zeit und Mühe hat es bestimmt schon gekostet, den Chinesen zu verklickern, was sie machen sollen, Dateien, Passwoerter und Schlüsselanhänger zu übermitteln, Rechnungen zu bezahlen, den Fortschritt der Programmierer zu prüfen, Spuren auf dem eigenen Rechner zu verwischen... Nicht zu vergessen die tägliche Email an den Vorgesetzten... Management-Tätigkeiten einer "Führungskraft" eben.

    Dazwischen dann als Verschnaufpause erstmal gepflegt ins Internet - kann ich mir schon vorstellen.

    Klar, ich hätte an seiner Stelle wahrscheinlich noch mehr Kommentare bei ZEIT online geschrieben :-)

    Auch ich bin überzeugt, dass Bob das ganze sicher nicht aus reiner Faulheit gemacht hat. Sollte er wirklich Belobigungen für die Ergebnisse seiner Arbeit erhalten haben, so hat er einen außerordentlich guten Job gemacht.

    Wer jemals versucht hat Software Spezifikationen so zu verfassen UND zu kommunizieren, dass er das Ergebnis wirklich verwenden kann, weiß wieviel Arbeit das ist. Ebenso die Qualitätskontrolle! Und das ganze auch noch über einen längeren Zeitraum und über kulturelle Barrieren hinweg.

    Alle Achtung. So jemanden könnte wir auch gelegentlich brauchen!

    Abgesehen davon dass schon viele Firmen festgestellt haben, dass Outsourcing auch nach hinten losgehen kann und letztlich teuerer werden kann als es selber zu machen. Zumindest wenn man nicht nur die Buchhalter fragt.

    • dachsus
    • 18. Januar 2013 20:04 Uhr

    .., einen Arbeitsplatz nach China auszulagern, sollte einem Angestellten doch nur billig sein.
    Hinter der Reaktion des Artbeitgebers, steckt doch nur die falsche Annahme, das ein Angestellter bezahlt wird seine Zeit im Büro zu verbringen, und nicht dafür, das die Arbeit erledigt wird - und genau das ist doch geschehen. Wo ist also der Schaden ?

    13 Leserempfehlungen
  4. Bekommt Bob jetzt eine Belobigung? Eine Gehaltserhöhung? Oder irgendeinen Preis?

    Der hat doch alles richtig gemacht. OK, den Token hätte er nicht nach China schicken sollen, dafür könnte man ihn ja ermahnen. Aber sonst?

    Der Mann hat das alles super eingefädelt, Respekt! In einer Zeit, in der Unternehmen "in die Cloud" sichern, akzeptiere ich keine Datenschutzbedenken.

    10 Leserempfehlungen
  5. Bitte, was soll daran falsch sein? Unsere komplette Softwareindustrie, ach was, die gesamte Wirtschaft, arbeitet so. Bob war intelligenter als seine Arbeitgeber. Diese sollten sich möglichst schnell ein Beispiel an Bob nehmen, sonst hat ein Konkurrent in Kürze die Nase vorne.
    Übrigens funktioniert auch Handel nach Lehrbuch genau so: Woanders billiger produzieren, die Transportkosten sind zu vernachlässigen, vor allem wenn es um elektronische Fracht geht.
    Wenn Wirtschaftsbosse outsourcen werden sie mit Millionenboni belohnt. Bob sollte seine guten Kontakte nach China nutzen, und seine eigene Firma aufbauen. Wahrscheinlich würde er dann das zehnfache verdienen und könnte immer noch Kätzchen-Videos schauen.

    10 Leserempfehlungen
  6. Bob wird dafür bezahlt, dass er eine gute Erledigung der ihm übertragenen Arbeit organisiert. WIE er das macht, ist seine Sache.

    Das mit den Katzen- oder Pussy-Videos freilich erweckt den Verdacht, dass das Ganze weniger Ergebnis genialer Eingebung als purer Faulheit war (obwohl: Viele Geniestreiche hätte es ohne Bedürfnis nach Faul-Sein-Dürfen nie gegeben).

    ALS ARBEITGEBER würde ich mich EHRLICH bedanken, Bob belobigen und die Arbeit weiterhin in China erledigen lassen. Allerdngs ohne Umweg über Bob. Sein Lob hat er sich verdient für den Hinweis, wie man ihn billig ersetzen kann...

    ...je nach Verwendbarkeit bekäme er eine neue (übrigens besser dotierte) Stelle im Management oder den Rauswurf. Mit gutem Arbeitszeugnis.

    9 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, pb
  • Schlagworte China | Verizon | Arbeitgeber | Blog | Dienstleistung | Dollar
Service