Netzsperren : USA verwarnen Filesharer bald mit "Six Strikes"

Amerikanische Netzprovider werden potenzielle Urheberrechtsverletzer bald per Mail verwarnen und ihren Zugang drosseln. Wer widersprechen will, muss 35 Dollar zahlen.
Demo in den USA gegen SOPA, ein gescheitertes Gesetz, mit dem Urheberrechtsverletzungen bekämpft werden sollten. © STAN HONDA/AFP/Getty Images

In den USA wird in den kommenden Wochen ein Filesharing-Warnmodell eingeführt, ähnlich der umstrittenen französischen Three-Strikes-Regelung. Drei Jahre lang wurde das von den Entwicklern der Unterhaltungsindustrie sogenannte Copyright Alert System geplant, nun soll es starten, wie das Technikblog ReadWriteWeb schreibt.

Im Gegensatz zu dem in vielen Ländern, darunter auch Deutschland, diskutierten Drei-Stufen-Modell, sieht das amerikanische sechs Stufen vor. Am Ende der Verwarnungen steht auch keine komplette Sperrung des Internetzugangs, sondern lediglich eine Drosselung. Trotzdem hat das in den USA Six Strikes genannte Verfahren die gleichen Mängel und Probleme wie eben Three Strikes.

Beide Modelle funktionieren nach dem gleichen Prinzip: Wird ein Nutzer verdächtigt, illegale Inhalte zu verbreiten, schickt sein Netzzugangsanbieter ihm eine Warnung, das zu lassen. In Frankreich geschieht das bereits seit Oktober 2010. Hunderttausende solcher Warnungen wurden dort versendet, jedoch bislang nur ein entsprechender Fall letztlich auch von einem Gericht verurteilt.

In den USA sollen die Provider sechs Warnungen schicken. Ein auf der Seite Torrentfreak geleaktes Papier des Anbieters Verizon beschreibt, wie sie aussehen sollen.

Auf 256 Kilobit pro Sekunde gedrosselt

Die erste und zweite Warnmeldung kommt demnach in einer E-Mail und in einer automatischen Ansage auf dem eigenen Anrufbeantworter. Die dritte und vierte Warnung will Verizon aussprechen, indem der Browser des Nutzers beim Start automatisch auf eine Website umgeleitet wird, wo der Betroffene bestätigen muss, dass er die erneute Warnung gelesen hat. Vorher kann er nicht selbständig im Netz surfen.

Bei der fünften und sechsten Warnung dann wird nicht mehr nur gewarnt. Wieder soll es die Umleitung des Browsers geben. Dann aber hat man nur noch drei Möglichkeiten: erstens zustimmen, dass ab sofort der Netzzugang für mehrere Tage auf 256 Kilobit pro Sekunde gedrosselt wird; zweitens zustimmen, dass gedrosselt wird, aber um 14 Tage Aufschub bitten, bis das in Kraft tritt; drittens darum bitten, dass die American Arbitration Association überprüft, ob die Warnungen und damit der ganze Vorgang den Richtigen getroffen haben.

Dieser Prozess offenbart gleich mehrere Tücken. Die American Arbitration Association ist ein privates Unternehmen, das unter anderem als Schiedsstelle arbeitet. Wer die Überprüfung wünscht, muss dem Plan von Verizon zufolge erst einmal 35 Dollar dafür zahlen. Sollte er unschuldig sein, bekommt er das Geld zwar wieder, trotzdem dürfte diese finanzielle Hürde für manche Menschen wirklich eine Hürde sein. Außerdem ist unklar, wie der Überprüfungsvorgang genau aussieht und wie umfangreich er ist. Das ist umso ungerechter, als dieser Weg der einzig vorgesehene ist, um den Anschuldigungen zu widersprechen oder es überprüfen zu lassen.

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Kommentare

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Welcher?

Für eine Pressequelle wäre ich dankbar, um diesen Provider ggf. meiden zu können und anschlussuchende Bekannte entsprechend zu beraten. Gegen Links auf ergänzende Presseinformationen scheint die Zeit-Redaktion i.A. auch keine Einwände zu haben.

Zum Artikelthema:
Ein Urheberrecht, das mit solchen Maßnahmen (Pauschalüberwachung aller Kommunikation, Sanktionen ohne rechtsstaatliches Verfahren usw.) durchgesetzt werden muss, hat seine Berechtigung verloren.
Die Maßnahmen stehen schon in keinem zum ganzen Regelungsgegenstand (die ganze Rechte-Industrie ist nicht soviel Wert, dass man dafür flächendeckend Grundrechte aufgeben sollte), weswegen sie selbst dann unangemessen wären, wenn das Urheberrecht ansonsten einen fairen Ausgleich darstellte (was es aus meiner Sicht nicht tut).