Social Media : Die meisten Nachrichten werden über Facebook geteilt

In Deutschland führt Facebook, wenn es darum geht, wo Nachrichten geteilt werden. Twitter aber wird wichtiger, Google+ hingegen spielt kaum eine Rolle.
Bei Facebook werden die meisten Nachrichten geteilt. Die Plattform gewinnt damit den Wettstreit gegen Twitter und Google+. © KIMIHIRO HOSHINO/AFP/GettyImages

Wer in Deutschland Nachrichten im Netz mit anderen teilt, tut dies vor allem über Facebook. Zu diesem Ergebnis kommen Oliver Hinz und Thorsten Strufe von der Technischen Universität Darmstadt. In ihrer Studie untersuchten sie die Aktivität auf den sozialen Plattformen Facebook, Twitter und Google+.

Dazu werteten sie aus, wie oft im vergangenen Jahr Artikel der 15 größten deutschen Nachrichtenseiten auf den Plattformen geteilt wurden. Das Ergebnis: In vier von fünf Fällen wird dazu Facebook genutzt, der Rest läuft über Twitter. Google+ spielt demnach kaum eine Rolle.

Die fünfzehn untersuchten Sites, zu denen auch ZEIT ONLINE gehört, haben laut der Studie im vergangenen Jahr zusammen 592.000 Artikel veröffentlicht. Diese wurden auf den drei sozialen Plattformen 26,7 Millionen Mal weiterverbreitet.

Die Unterschiede von Artikel zu Artikel sind dabei groß. Die erfolgreichsten zehn Prozent aller Artikel verbuchen 78 Prozent aller Empfehlungen. Jeder dritte Artikel wird hingegen überhaupt nicht erwähnt.

Das Netz ist nicht voller Autonarren und Computernerds

Die Wissenschaftler gingen in ihrer Datensammlung aber noch tiefer. Sie ermittelten nicht nur den Verweis auf ein Nachrichtenportal, sondern untersuchten auch, welche Ressorts am häufigsten erwähnt werden. Wer noch immer glaubt, das Netz sei voller Autonarren und Computernerds, wird mit dieser Studie widerlegt. Die Nutzer teilen vor allem Artikel aus dem Politikressort, gefolgt von Wirtschaft und Sport.

Spiegel Online ist dabei in fast allen Ressorts führend, muss sich jedoch im Sportressort von bild.de geschlagen geben. Im Technikressort führt Heise.de mit weitem Abstand die Liste der Verlinkungen an. Darauf folgen chip.de und Focus Online.

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Kommentare

9 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Wie werden die Medienverlage darauf reagieren?

"26,7 Millionen Mal weiterverbreitet ..."

Und kein FB-User zahlt dafür? Das müsste eigentlich einen Aufschrei bei den etablierten Medien auslösen und reflexhaft zu Forderungen führen, dieses Treiben entweder zu verbieten oder für die Nutzung eine Vergütung zu erwirken.

Bei Google ging es ja lediglich um Schlagzeilen, hier werden ganze Artikel geteilt! Schamlos.

Wahrscheinlich kommt demnächst eine Haushaltsabgabe für Online-Angebote von Verlagshäusern. Man kann ja davon ausgehen, dass, wer über einen Internetanschluss verfügt, auch Artikel liest & teilt. Und online ist heute ja jeder irgendwie ...

Aus diesem Gebührentopf wird dann gemäß eines Schlüssels ausgeschüttet, den die beiden Herren aus dem Artikel statistisch berechnen.

Puh, die Dinosauriermedien sind gerettet! Alles wird gut ...

Falsch.

Ich verstehe Ihre Polemik und kann dem nur zustimmen.

Dennoch ist Ihnen ein Fehler unterlaufen:
"Bei Google ging es ja lediglich um Schlagzeilen, hier werden ganze Artikel geteilt! Schamlos."

Bei Facebook geht es ja auch nur um Schlagzeilen. Man teilt den Link und es gibt eine kleine Vorschau, vergleichbar mit der von Google News. Man muss nur aufpassen, dass man nicht wegen des Vorschaubildes abgemahnt wird, weil wir so ein tolles Urheberrecht haben. ;)

E-Mails und Facebook

"200.000.000 Emails gehen jede Minute durch das Netz. die 600.000 Facebook-Shares pro Minute nehmen sich dagegen ziemlich winzig aus."

Seien wir dankbar dafür und hoffen wir, dass das so bleibt. Hoffen wir, dass ein freies Netz mit freien Protokollen und die Pluralität von Providern nicht über kurz oder lang einer Facebook-Monokultur weicht.
Das Internet ist eine der faszinierendsten zivilisatorischen Entwicklungen der letzten 100 Jahre. Es wäre tragisch, wenn sein offener und demokratischer Charakter verloren gingen, nur weil ein kostenloses -- aber eben nich freies -- Portal in ihm immer mehr Raum greift.
Öffentliche Einrichtungen -- Schulen, Verwaltungen, öffentlich-rechtliche Sender, Vereine, Parteien -- sollten alles tun, um den Lebensmittelpunkt des Internet nicht in den Rachen von Mark Zuckerberg zu verlagern.

zu Google+

Ich bezweifle, dass Google+ tatsächlich über so viele Mitglieder verfügt, wie im Text angegeben, oder anders gesagt, ich glaube, dass sich viele Internetuser unbewusst bei Google+ angemeldet haben. Wer einen Facebook Account wünscht, der kann sich ausschließlich über die Facebook Homepage registrieren; "zufällig" ist da nichts. Zu Google+ kommt man wesentlich leichter, da reicht schon eine Gmail-Adresse. Hat man eine solche, wird man fast täglich beim Mailcheck an Google+ erinnert und gefragt, ob man denn nicht mitmachen möchte. Wehe, man ist einmal unachtsam... Beim Einrichten einer Gmail-Adresse wird man sogar so subtil nach dem Wunsch einer Google+ Mitgliedschaft gefragt, dass man als unerfahrener Internetuser (z.B. ältere Personen) das kleine Häkchen leicht übersieht - und schon hat man, obwohl man eigentlich nur eine Emailadresse haben wollte, einen Google+ und einen Picasa Account gratis hinzubekommen! Diese werden aber dann nicht aktiv genutzt. Ich musste in meinem Familienkreis schon öfters "Schadensbegrenzung" betreiben; einer hatte sogar aus Versehen drei Google+ Accounts eingerichtet. Das kann bei Facebook nicht passieren. Insofern stimme ich dem Autor zu: Vielleicht hat Google+ 400 Mio. User, die Frage ist aber, wie viele davon auch wirklich aktiv sind und sich bewusst dort registriert haben.