Im Jahr 2012 haben sich Internetunternehmen, Hardware- und Softwareproduzenten oder App-Entwickler große und kleine Sünden geleistet. Ich hoffe auf Besserung. Dies sind die zehn Überschriften, die ich in diesem Jahr gerne schreiben würde:

Apple beendet seine Zensur

Seit Monaten weigert sich Apple, die App Drone+ im App Store anzubieten. Die App zeigt, wo amerikanische Drohnen in Pakistan zuschlagen. Das Projekt hat einen wertvollen journalistischen Hintergrund. Apple aber sagt, es sei "anstößig". Warum, will der Konzern nicht erklären.

Auch Bücher und Songtexte zensiert das Unternehmen. Wer seine Musikbibliothek von iTunes Match durchsuchen und für alle eigenen Apple-Geräte synchronisieren lässt, darf sich nicht wundern, wenn das eine oder andere "Fuck" beim nächsten Abspielen eines Songs ausgeblendet wird: Apple ersetzt nämlich Versionen mit Kraftausdrücken durch weichgespülte Versionen eines Songs, sofern es diese gibt.

Ich wünsche mir, dass Apple im Jahr 2013 diesen Bulls*** unterlässt.

Facebook beendet seine Klarnamenpolitik

"Du wirst keine falschen persönlichen Informationen auf Facebook bereitstellen", heißt es in der Erklärung der Rechte und Pflichten von Facebook. Wie absurd der Wunsch ist, Nutzer nur mit ihren echten Namen ins Netzwerk zu lassen, zeigte spätestens der Fall Salman Rushdie. Facebook glaubte selbst nicht, dass sich der weltberühmte Autor ein Profil angelegt hatte und sperrte es vorsichtshalber erst einmal. Abgesehen von solchen Peinlichkeiten sagt das deutsche Telemediengesetz in Paragraf 13, Absatz 6, dass ein Anbieter wie Facebook eine anonyme oder pseudonyme Nutzung zulassen muss, sofern das technisch möglich und zumutbar ist. Und das ist es.

Dass Facebook sich nicht mehr ganz so bequem zum Aufbau eines Netzwerks nutzen lässt, wenn man sich nicht mit dem Klarnamen anmeldet, ist klar. Aber das sollten die Nutzer für sich selbst entscheiden dürfen.

Ich wünsche mir, dass Facebook im Jahr 2013 diesen fundamentalen Vorteil des Internets endlich versteht und Anonymität oder wenigstens Pseudonymität offiziell zulässt.

Google einigt sich mit der Gema

Seit Jahren streiten sich Google und die Gema darum, welche YouTube-Videos "in deinem Land" verfügbar sein dürfen und welche nicht. Die Vorstellungen der beiden Parteien, wie viel YouTube pro Song an die Gema zahlen soll, liegen weit auseinander. Das Ergebnis: Zum Musikhören ist YouTube längst ungeeignet. Zum Teil können sich Nutzer nicht einmal mehr Videos ansehen, die von den Musikern selbst hochgeladen wurden.

Immerhin: Eine vorsichtige Annäherung soll es im Rahmen der Berlin Music Week gegeben haben.

Ich wünsche mir, dass ich 2013 den Satz "Dieses Video ist in deinem Land nicht verfügbar" nicht mehr lesen muss.

TrekStor stellt die E-Reader-Produktion ein

Im vergangenen Jahr habe ich zwei E-Reader der Firma TrekStor zu Testzwecken zugeschickt bekommen. Den ersten habe ich noch genauer unter die Lupe genommen und für mies befunden. Den zweiten mochte ich nicht einmal mehr anfassen. Der Versuch des deutschen Buchhandels in Gestalt von Hugendubel und Weltbild, mit den Billiggeräten eine Alternative zu Amazon zu etablieren, musste angesichts der qualitativen Mängel kläglich scheitern.

Ich bin sicher, dass es ganz ausgezeichnete Designer und Ingenieure bei TrekStor gibt. Für 2013 wünsche ich mir, dass sie keine E-Reader mehr entwickeln müssen.

Samsung entlässt Wim Wenders

Bei der Präsentation des Galaxy Note II in Berlin hat Samsung gezeigt, dass es vor nichts zurückschreckt, um selbst mit der absurdesten Apple-Produktvorstellung mithalten zu können. Etwa 1.000 Journalisten und Blogger waren eingeladen, um sich das Riesenhandy aus der Nähe anzusehen. Zuvor aber mussten sie einen Zauberer über sich ergehen lassen, der öde Kartentricks zeigte. Dann spielte ein Kammerorchester. Danach trat Star-Regisseur Wim Wenders auf die Bühne und erzählte, wie toll sich Samsung-Geräte ... ach, was weiß ich. Ich habe nicht zugehört. Ich habe nur registriert, dass Herr Wenders seinen Vortrag unter größten inneren Qualen vorgebracht hat.

Mein Wunsch für 2013 an Samsung: Lasst den armen Mann wieder Künstler sein. Gebt ihm kein Geld mehr und zwingt ihn nicht noch einmal zu einem derart peinlichen Auftritt.

Skype soll Quellcode offenlegen

Amazon lässt Nutzer aus Überwachung aussteigen

Wer einen E-Reader besitzt, liest nicht nur, sondern wird auch gelesen. Die Hersteller sehen, wie schnell und wie lange jemand ein E-Book liest, und welche Notizen er oder sie macht. Dann passen sie ihr Angebot den vermeintlichen Interessen der Leser an. Das gilt für Amazon, aber auch für Barnes & Noble. Im deutschen Buchhandel ist es – so wurde mir bestätigt – noch nicht so weit.

Ein Ausstieg aus der Schnüffelei ist nicht vollständig möglich, Amazon-Nutzer können ihr nur teilweise widersprechen.

Ich wünsche mir, dass Amazon diese Funktion 2013 zu einer Opt-in-Funktion macht. Der Nutzer soll aktiv einwilligen, die Standardeinstellung aber wäre, dass keine Daten erhoben werden.

WhatsApp nimmt das Thema Sicherheit endlich ernst

IT-Portale wie golem.de oder heise online raten von der Benutzung von WhatsApp ab. Die immer wieder auftauchenden Sicherheitslücken stopft das Unternehmen allenfalls sporadisch und intransparent. Die Konten der Nutzer sind jedenfalls nicht sicher vor einer Übernahme durch Dritte.

Zuletzt haben die Entwickler die App sogar kostenlos angeboten. Sie setzen offensichtlich darauf, dass die Menschen eher geizig sind als vernünftig.

Ich wünsche mir, dass WhatsApp 2013 endlich eine sichere App wird, wenn schon die Nutzer nicht so klug sind, darauf zu verzichten.

Skype legt Quellcode offen

Noch immer nutzen Aktivisten und Oppositionelle in aller Welt Skype, weil sie auf die Sicherheit der verschlüsselten Kommunikation vertrauen. Doch laut Insiderberichten und Hackern braucht es möglicherweise nicht einmal einen Staatstrojaner, um Skype-Gespräche abzuhören.

Skype und Mutterfirma Microsoft weigern sich aber, klipp und klar zu sagen, ob Regierungen und Behörden auch Hintertüren nutzen könnten, um Gesprächspartner zu belauschen.

Ich wünsche mir, dass Skype 2013 seinen Quellcode offenlegt oder wenigstens unmissverständlich sagt, ob es Hintertüren für staatliche Stellen in seinem Dienst gibt oder nicht.

HTC ändert seine Namensgebung

Die Smartphones von HTC hießen bisher Legend, Incredible, Titan oder Sensation. Eine Steigerung wäre möglich gewesen, aber albern. Dankenswerterweise hatte die taiwanische Firma ein Einsehen und nannte die nächste Produktreihe schlicht "One".

Ich wünsche mir, dass HTC 2013 bei dieser Art von Zurückhaltung bleibt, denn ein HTC Supreme würde nach einem Fastfood-Gericht klingen und ein HTC Godfather könnte ich nicht ernst nehmen.

Games-Anbieter weichen Always-Online-Zwang auf

Electronic Arts, Blizzard, Valve und Ubisoft sind in den letzten Jahren dazu übergegangen, von Gamern einen permanenten Onlinezugang zu verlangen. Andernfalls lassen sich Spiele wie Diablo 3 nicht spielen. Das Argument der Spieler, sie hätten das Spiel schließlich gekauft und möchten dann nicht mehr vom Anbieter gegängelt werden, lassen die Unternehmen bisher kaum gelten.

Ich wünsche mir, dass die Games-Firmen 2013 mehr Rücksicht auf diejenigen nehmen, die sie stinkereich gemacht haben: die Gamer.