Yandex muss kämpfen, um diesen Vorsprung zu halten. Massiv bewirbt Google in Russland seinen Browser Chrome, der standardmäßig mit der Google-Suche verknüpft ist. Auch Mozilla, mit denen Yandex lange kooperierte, hat kürzlich seine Voreinstellung auf Google umgestellt. Yandex hält mit Dutzenden kostenlosen Diensten dagegen, News, Shopping, E-Mail, Stauschau und so weiter. Neuerdings gibt es auch einen eigenen Yandex-Browser.

Auch die Suchfunktion wird laufend weiterentwickelt, "behutsame Personalisierung" heißt dabei die Strategie der Russen. Yandex konzentriert sich vor allem auf die semantische Auswertung einzelner Sitzungen. Sucht der Nutzer erst "Berlin" und Minuten später dann "günstige Flüge", geht die Suchmaschine davon aus, dass er "günstige Flüge nach Berlin" meint und passt die Ergebnisse entsprechend an. 

"Ein Land nach dem anderen"

Im Oktober 2012 zählten die Yandex-Dienste laut ComScore insgesamt 50,4 Millionen unique visitors, täglich gehen 185 Millionen Suchanfragen bei Yandex ein. Das dazugehörige Anzeigengeschäft boomt: 202.000 Unternehmen warben im dritten Quartal 2012 für ihre Produkte bei Yandex, das waren 28 Prozent mehr als im gleichen Quartal des Vorjahres. Der Umsatz stieg im dritten Quartal 2012 auf 235 Millionen Dollar, 41 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Quartalsgewinn lag bei 74 Millionen Dollar.

Doch trotz guter Bilanzen gestaltet sich die Eroberung neuer Märkte als schwierig. Seit Herbst 2011 gibt es Yandex auch in der Türkei, bislang sind die Marktanteile der Suchmaschine dort aber noch nicht über zwei Prozent hinausgekommen. Ob Yandex in Kürze den Vorstoß in weitere europäische oder asiatische Märkte wagen wird? Ilya Segalovich, einer der Gründer und heute CTO des Unternehmens, wollte sich zu diesen Gerüchten auf der Münchner TES Konferenz vor einigen Tagen nicht konkret äußern. "Unsere Strategie lautet: ein Land nach dem anderen", sagt er nur.