SuchmaschinenBaidu und Yandex zieht es westwärts

Google ist in vielen Teilen der Welt die vorherrschende Suchmaschine. In China aber ist es Baidu, in Russland ist es Yandex. Beide wollen in andere Länder vordringen. von Astrid Herbold

Baidu-Zentrale in Peking

Baidu-Zentrale in Peking  |  © SIMON LIM/AFP/Getty Images

Marktanteile schlagen sich manchmal auch in der Sprache nieder. Während die Europäer und Amerikaner "googeln", wird Internetsuche in China als "baidu-en" bezeichnet. In Russland spricht man von "Suchen durch Yandex". Rund 60 Prozent Marktanteil hat die 1997 gegründete russische Suchmaschine in ihrer Heimat. Baidu, seit 2000 online, brachte es Mitte 2012 nach eigenen Angaben sogar auf 87 Prozent auf dem heimischen Markt. Seit das chinesische Software-Unternehmen Qihoo ebenfalls eine Suchfunktion anbietet, sind die Anteile allerdings binnen weniger Monate um 10 Prozent gesunken.

Trotzdem ist die Position von Baidu komfortabel. Nachdem Google sich 2010 aus dem chinesischen Markt zurückgezogen hatte und von google.cn nur noch auf google.com.hk (für Hongkong) weiterleitet, blieb Baidu weitgehend konkurrenzlos zurück. Zwar kooperiert das Unternehmen, wie die Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen regelmäßig kritisiert, bei der Zensur von Inhalten eng mit der chinesischen Führung. Im Bereich Unterhaltung und Konsum ist sie dennoch die zentrale Anlaufstelle der mittlerweile rund 500 Millionen chinesischen Internetnutzer.

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Eine Milliarde Suchanfragen gehen nach Angaben des Unternehmens täglich bei Baidu ein. Das Unternehmen veröffentlicht jedes Jahr ein Ranking der beliebtesten Suchbegriffe, allerdings nur auf Chinesisch. Die Liste der beliebtesten "Sozialen Themen" zeigt immerhin, dass auch politische Affären Anlass für Internetrecherchen sind. Welche Informationen die Chinesen über Personen des öffentlichen Lebens bei Baidu finden, wird allerdings nicht dem Zufall überlassen.

Die Suchmaschine betreibt unter anderem ein eigenes Lexikon, die Baidu-Enzyklopädie Baike. Wie die Wikipedia wird auch das chinesische Nachschlagewerk von einem Nutzerkollektiv geschrieben und editiert. Die Inhalte der englischen Wikipedia sind zwar, genauso wie die der deutlich kleineren chinesischsprachigen Ausgabe, ebenfalls über Baidu auffindbar – allerdings nur, wenn das Suchwort nicht der staatlichen Zensur unterliegt. Und selbstverständlich verweist Baidu zuerst auf die eigenen Inhalte.

524 Millionen Dollar Gewinn im Quartal

Auch sonst muss man sich Baidu wie einen bestens vernetzten Kosmos aus Web-Diensten und -Inhalten vorstellen. Es gibt neben der Suchmaschine die Baidu-Frage-Antwort-Seite (ähnlich wie Wer-weiss-was), es gibt Baidu Maps, den Baidu Browser, die Baidu Cloud, die Baidu Bibliothek und den Baidu Group Buying Aggregator, der Angebote aller chinesischen Schnäppchen-Seiten durchforstet. Bei den chinesischen Internetnutzern besonders beliebt ist Baidu Tieba, eine Social-Media-Plattform, auf der die Nutzer themenbezogen Bilder, Texte und Videos posten können. Die vier Millionen Foren machen einen beträchtlichen Teil von Baidus gesamtem Traffic aus.

Das Geschäftsmodell basiert auf Anzeigen. Es ist ein Markt mit immensen Wachstumsraten. 390.000 Anzeigenkunden zählte Baidu im dritten Quartal 2012, das waren fast 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Umsätze des börsennotierten Unternehmens stiegen im gleichen Zeitraum um fast 50 Prozent auf 994 Millionen Dollar im dritten Quartal 2012. Das entsprach einem Quartalsgewinn von 524 Millionen Dollar.

Eine gute Voraussetzung, um weiter zu expandieren. 2008 ist Baidu in den japanischen Markt vorgedrungen; Thailand, Vietnam, Ägypten und Brasilien folgten 2011 und 2012. Allerdings bietet Baidu bislang nur für Japan eine klassische Internetsuchmaschine an, in den anderen Ländern beschränkt man sich auf Hao123, ein Navigationstool, das einen schnellen Zugang zu den beliebtesten Websites des jeweiligen Landes bietet.

Baidu-Suche für andere Länder geplant

Bislang ist auf der Hao123-Startseite die Suchfunktion des Konkurrenten Google integriert. Das wird sich vermutlich bald ändern. "Wir lernen diese Märkte gerade erst kennen", erklärt Baidu-Pressesprecher Kaiser Kuo, "und wir haben noch keinen konkreten Zeitpunkt, wann wir in diesen oder anderen Ländern eine Suchfunktion anbieten wollen. Aber wir planen es auf jeden Fall."

Auch die russische Suchmaschine Yandex ist in ihrer Heimat der Marktführer, auch ihr Geschäft basiert auf Anzeigen, auch sie schielt nach neuen Märkten. Damit aber hören die Gemeinsamkeiten mit Baidu schon wieder auf. Zwar schreibt auch Yandex, das 1997 gegründet wurde und heute mit rund 4.000 Angestellten das größte Internetunternehmen Russlands ist, seit Jahren schwarze Zahlen. Trotzdem ist die Struktur des russischen Marktes kaum mit der des chinesischen vergleichbar. 80 Millionen Menschen nutzen in Russland das Internet, 60 Prozent von ihnen suchen auf Yandex, 26 Prozent gehen zu Google, rund sechs Prozent nutzen die Suche des E-Mail-Providers Mail.ru.

Leserkommentare
    • sjdv
    • 05. Februar 2013 14:20 Uhr

    Wer will denn schon eine Suchmaschine aus einer Diktatur nutzen, dessen Ergebnisse geflitert und zenziert werden ?
    Das wird sich nie in unseren Breiten durchsetzen.

    Eine Leserempfehlung

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