UrheberrechtDJs müssen künftig für jede Musik-Kopie zahlen

Auflegen wird teuer: Ab dem 1. April kostet jeder Song, den ein DJ auf seiner Festplatte hat, 13 Cent. Wie die Gema kontrollieren will, wer was abspielt, ist noch unklar. von Nico Ernst

DJs speichern regelmäßig Musik-Kopien auf ihren Festplatten. In Zukunft sollen sie für jede Kopie zahlen.

DJs speichern regelmäßig Musik-Kopien auf ihren Festplatten. In Zukunft sollen sie für jede Kopie zahlen.  |  © Jerod Harris / Getty Images for NCLR

Nach der vorübergehenden Einigung im Tarifstreit zwischen Gema und Musikveranstaltern ändert sich für Musikveranstaltungen und insbesondere Diskotheken am 1. April ein entscheidender Punkt: DJs sind künftig selbst für die Lizenzierung ihrer Musik zuständig. Welche Konsequenzen das mit sich bringt, hat das Magazin De:Bug in seiner Onlineausgabe unter anderem anhand eines Interviews mit der Gema zusammengetragen.

Bisher war für die Gema-Gebühren, die für das öffentliche Aufführen von Musikkonserven anfallen, in erster Linie der Veranstalter zuständig. Der Einfachheit halber zahlte dabei meist der Besitzer eines Clubs pauschal. Wenn er seinen DJs erlaubte, auch kopierte CDs oder Musikdateien von einem Notebook abzuspielen, war ein um 30 Prozent erhöhter Gema-Tarif fällig.

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Daher nennt man in der Musikbranche diese Abgabe auch "Laptopzuschlag", manche Veranstalter wollten ihn nicht bezahlen und schrieben den DJs daher vor, nur mit Original-CDs oder Vinyl zu arbeiten. Dass dieses Modell angesichts immer mehr legaler Angebote für Musikdateien nicht mehr haltbar ist, hat nun auch die Gema eingesehen.

DJs zahlen künftig jährlich selbst

Was es aber als Alternative gibt, ist ein sehr kompliziertes System, bei dem für jede einzelne Datei, die zur Aufführung vorgesehen ist, eine Lizenzabgabe von 13 Cent zu entrichten ist. Dafür ist der DJ zuständig, nicht der Veranstalter oder Clubbetreiber. Wie die Gema auf Facebook angibt, ist diese Pauschale jährlich zu bezahlen. Die Gemaabgaben eines Clubs bleiben dabei erhalten.

13 Cent pro Stück klingen nicht nach viel, schon bei einem für DJs recht kleinen Repertoire wird das dennoch teuer. Eine Musiksammlung mit MP3s bei variabler Bitrate von 192 bis 320 KBit/s von 100 GByte - und mit so wenig Material begnügen sich die wenigsten DJs - umfasst rund 15.000 Dateien. Dafür sind jährlich 1.950 Euro zu bezahlen. Ausgehend von einem festen Abend in der Woche und 50 Auftritten im Jahr, muss ein DJ also für jeden Abend 39 Euro Lizenzgebühren einplanen.

Jede einzelne Kopie muss lizenziert werden

Dabei ist es unerheblich, woher die genutzten Dateien stammen. Auch selbst von Original-CDs erstellte Audiofiles sind lizenzpflichtig, ebenso legal erworbene MP3s. Die Gema macht dabei einen Unterschied, ob eine Musikdatei nur privat genutzt wird oder für eine Aufführung vorgesehen ist. Jede Kopie einer Musikdatei ist einzeln zu bezahlen.

Ein DJ kann beispielsweise eine MP3-Datei bei Amazon kaufen und sie auf seinen privat genutzten Geräten anhören. Sobald er sie aber für eine Aufführung vorrätig hält, ist sie zu bezahlen. Wenn das Amazon-MP3 also von der Festplatte des heimischen Desktop-PCs auf eine externe Festplatte kopiert wird, welche im Club genutzt wird, so ist diese Kopie zu bezahlen. Das gilt auch für eine weitere Kopie von dieser Festplatte auf die Festplatte des bei der Veranstaltung genutzten Notebooks.

Leserkommentare
  1. "Ich kann mir gut vorstellen, dass die Gema demnächst die Ankündigungen von Veranstaltungen im Internet durchforstet. Wenn sich dabei ein DJ findet, der noch nicht Kunde der Gema ist, wird der wohl ausfindig gemacht und angeschrieben"

    Tja und wenn er denn nun wirklich nur Vinyl oder Audio CD´s auflegt bringt sie das auch nicht weiter... Oder will die GEMA Kontrolleure durch die Gegend schicken, die das explizit kontrollieren?!? Naja, vielleicht gibt es jetzt kostengünstig freigestellte GEZ Kontrolleure...

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    in Zukunft ja alle zwangsweise GEZ-Gebühren zahlen müssen, werden ja dort die Kontrolleure überflüssig.
    Vielleicht übernimmt die GEMA die ja einfach...

    Mehr als lachen kann man über den Kasperverein ja ohnehin nicht, zumindest nicht mehr nach der Aussage:

    Die Rechteverwerter sagten De:Bug auch ausdrücklich, dass bei einem Crash einer Festplatte das Kopieren einer Musiksammlung aus einem Backup auf eine neue Festplatte wieder neue Lizenzzahlungen erforderlich macht.

    Ja, klar, wenn die Festplatte abschmiert ruf' ich bei der GEMA an und bitte darum, nochmal zahlen zu dürfen...

    • Mahoni2
    • 28. Februar 2013 13:13 Uhr

    Es würde mich nicht wundern wenn die Gema genau das macht und Kontrolleure losschickt.

    Ich bin der Meinung, dass der gesamte rechtliche Rahmen des Urheberrechts umfangreich überarbeitet gehört.

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  2. 3. ok....

    "Die Rechteverwerter sagten De:Bug auch ausdrücklich, dass bei einem Crash einer Festplatte das Kopieren einer Musiksammlung aus einem Backup auf eine neue Festplatte wieder neue Lizenzzahlungen erforderlich macht."

    Und da wundern sich die Herren und Damen bei der GEMA, dass sie keiner Ernst nimmt?

    Ich kann mir wirklich gut vorstellen, wie so eine e-mail an die GEMA aussieht.
    "Sehr geehrte Damen und Herren, ich musste gestern meine Lieder von der backup Festplatte wiederherstellen, bitte schicken sie mir eine neue Rechnung über 2000 Euro."

    Wenn es mit der Kanzlerschaft nicht klappt, sollte Herr Steinbrück Vorsitzender der GEMA werden. Ich stelle mir vor, das wäre eine fruchtbare Kooperation.

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    • Muhme
    • 28. Februar 2013 14:28 Uhr

    Vor allem zahlt man bereits für diverse Ton- und Datenträger eine Gebühr, die bereits im Kaufpreis enthalten ist. Dh man hat mit dem Kauf schon ein Recht auf die Kopie. Nun soll man fürs Kopieren auch nochmal zahlen, also für den Vorgang ansich. Das ist der reinste Größenwahn.

    Man muss endlich mal anfangen, diesen Laden auseinander zu nehmen. So wie aufgezeigt wurde, dass die klagende Film-Industrie selbst illegal Filme runterlädt, so sollte man auch mal GEMA, GEZ und wie sie alle heißen, auf illegale Aktivitäten überprüfen.

    von der backup Festplatte wiederherstellen, bitte schicken sie mir eine neue Rechnung über 2000 Euro."

    Alternativ könnte Spotify eine Mixer-Software für DJs rausbringen, dann müssten die DJs gar keine Kopie vorhalten. Das wäre dann günstiger. Scherz, natürlich würde die Gema sofort reagieren einen besonders teuren Online-Tarif einführen.

    Die Gema jedenfalls tut alles, um ihrem Ruf als politischer Trampel gerecht zu werden. Natürlich kommen die Einnahmen aus den Discos (24 Punkte) ganz besonders den Textern und Komponisten von ernster Musik (bis zu 480 Punkt) zu gute (Bevorteilungsfaktor bis zu 20).
    https://www.gema.de/filea...
    Tabelle S4.

    • mfk1016
    • 28. Februar 2013 13:15 Uhr

    ... das Recht des deutschen Bürgers auf Kultur.

    Wie lange wollen wir uns das noch gefallen lassen ?

    Erst hat man die Loveparade auf niederträchtige Weise beendet, dann nimmt man den Wirten durch die neuen Rauchergesetze die Chancen ihre Betriebe zu erhalten und jetzt will man auch noch die Lebensgrundlage der DJs zerstören... wo kommen wir da hin ?

    Ich finde, dass die DJs in Deutschland diese Richtlinie boykottieren sollten um diesem GEMA-Verein zu zeigen, dass hier in Deutschland der Bürger und nicht der Konzern regiert.

    Wir haben genauso ein Recht auf Kultur.

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    nicht-deutsche Bürger in Deutschland sollten Sie wirklich nicht so Verkürzen.

  3. ...noch grotesk!

    Mehr kann man dazu nicht sagen!

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  4. Ich habe den Eindruck, dass unsere "Rechteverwerter" jetzt völlig abgehoben und durchgedreht sind. Am besten gleich alle Musikveranstaltungen unter Generalverdacht stellen oder: Warum eigentlich nicht noch besser verbieten?

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    • Kalef
    • 01. März 2013 1:00 Uhr

    "Ich habe den Eindruck, dass unsere "Rechteverwerter" jetzt völlig abgehoben und durchgedreht sind. Am besten gleich alle Musikveranstaltungen unter Generalverdacht stellen"

    Diesen Generalverdacht gibt es doch längst. Sogar gesetzlich festgeschrieben.
    Er heißt "GEMA-Vermutung".

    Die gesetzlich garantierte Monopolstellung der GEMA gehört abgeschafft.

    • Lyaran
    • 28. Februar 2013 13:22 Uhr

    Die GEMA stellt also eine Rechnung auf für Titel die nicht gespielt wurden? Auf welcher Grundlage? Warum wird nicht wie bei Konzerten nach dem Abend eine Titelliste weitergegeben und auf deren Grundlage eine Rechnung gestellt? Der Aufwand einfach zu dokumentieren was man gespielt hat sollte doch vertretbar sein. Zumal immer mehr davon sowieso digital abgespielt wird.

    Ansosnten denke ich mal werden DJ's nur noch mit reduzierter Sammlung arbeiten ausser denen die es sich leisten können. Dies führt wiederum dazu das aufkommende Talente es schwerer haben als bereits etablierte DJ's und somit der Nachwuchs behindert wird. Aber dafür müsste man sich darüber ja Gedanken machen. Als Musiker habe ich sowieso keine gute Meinung von der GEMA.

    26 Leserempfehlungen
  5. denn grundsätzlich dagegen wenn Musik gespielt wird und die Macher dafür auch etwas bekommen? Die Kultur geht nicht unter wegen der GEMA sondern deshalb weil keiner mehr dafür irgendwie bezahlen möchte und die Künstler dann deshalb zumeist ihre Aktivitäten einstellen müssen.
    Wievile Gäste hätte denn ein DJ ohne Musik?

    2 Leserempfehlungen
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    "Die Kultur geht nicht unter wegen der GEMA sondern deshalb weil keiner mehr dafür irgendwie bezahlen möchte und die Künstler dann deshalb zumeist ihre Aktivitäten einstellen müssen."

    Sie meinen, wie in den letzten Jahrzehnten, als die Vergütung für die Künstler vom Veranstalter bezahlt wurde, wie es im Artikel auch erwähnt wird? Ja, es gibt so gut wie keine Künstler mehr.... -.-

    • NoG
    • 28. Februar 2013 14:06 Uhr

    mp3-shop und dem kuenstler der darueber musik verkauft.
    oder zwischen dem kuenstler und dem endkunden, sofern man direkt verkauft - was technisch nicht schwierig ist, allenfalls ein problem des marketings.

    der knackpunkt der gema-aktivitaeten ist in der regel die intransparente verteilung der gelder.

    der angesprochende verband der musikveranstalter (bei der dehoga) angesiedelt, vertritt noch mal wen genau?

    darstellung der grotesken situation:

    http://de-bug.de/medien/a...

    Sehen sie, es ist wie mit dem Kaffe.
    Der Kunde bezahlt bei einer überteuerten Bude wie Starbucks bis zu 7€ für einen Kaffe, der Kaffebauer hingegen bekommt nur einige Cents.
    Und so ist es mit der GEMA, der Künstler bekommt einen verschwindend geringen Bruchteil von den horenden Forderungen.
    Darum wurden sie wie etwa 2010 schon wegen Betrugs verurteilt.

    Leider belässt GEMA es nicht nur bei Clubs, auch Kindergärten wie etwa in Bayern müssen zahlen, und das nicht zu knapp.

    "Wievile Gäste hätte denn ein DJ ohne Musik?"

    Wieviele Künstler würde es noch geben, wenn die GEMA ein Abnehmer nach dem anderen verschreckt, vergrault, oder zur auflösung zwingt, wie etwa Nachtclubs.

    • Muhme
    • 28. Februar 2013 15:28 Uhr

    Das Problem ist aber die Art und Weise, wie man sich das Geld beschafft, wie es verteilt wird, etc.
    Wäre die GEMA ein fairer Laden, würde doch niemand etwas sagen. Es geht nicht um Kostenloskultur, wieso versteht das niemand?

    Eine Abschaffung der GEMA-Vermutung wäre zB ein erster sinnvoller Schritt. Aber gerade hier weigert sich die GEMA einzulenken. Daraus wird doch deutlich, dass gerade die GEMA-Vermutung eine Goldgrube für die GEMA sein muss. Die bekommen Geld für Künstler, die gar nicht Mitglieder sind. Zeitgleich weiß man gar nicht, wer alles durch die GEMA vertreten wird. Im Zweifel muss man den Künstler selbst kontaktieren, denn ohne Einsicht kann die GEMA alles mögliche erzählen, denn nachprüfen kann man es nicht.
    Somit wäre mehr Transparenz wünschenswert, vor allem, was die Geldverteilung angeht. Mich würde es nicht wundern, wenn dort ein "elitärer" Kreis den Reihbach macht, während andere GEMA-Mitglieder sich irgendwie ihre Kohle zusammenstottern müssen.

    Und als Gegenfrage: wie viel Geld nimmt ein Künstler noch ein, wenn die DJs auf Künstler zurückgreifen, die nicht durch die GEMA vertreten werden?

    Dieses System beruht auf Geben und Nehmen - für beide Seiten. Die GEMA will aber nur wenig geben und viel nehmen. Das ist weder gerecht noch produktiv.

    Aber sollen die ruhig mal machen. Die schneiden sich ins eigene Fleisch, nur wird es erst einmal primär jene Künstler treffen, die sowieso schon wenig abbekommen.

    Das ist so ziemlich die dümmste Bemerkung zu diesem Thema, die ich bis jetzt gerade gelesen habe, aber ich fürchte, es kommen noch mehr. Sie haben keine Ahnung vom Thema, so viel ist klar. "Wievile Gäste hätte denn ein DJ ohne Musik?" Wie viele Gäste hätte denn ein Kino ohne Film? Was für ein Blödsinn. Troll

    • 15thMD
    • 01. März 2013 3:29 Uhr

    Aber jetzt erklären Sie mir noch den Sinn von den neuen Regelungen? Befassen Sie sich doch erstmal mit de Materie, bevor Sie hier den schlausten aller Kommentare schreiben.

    http://de-bug.de/medien/a...

    Gucken Sie sich doch die Grafik an. Kaum kopiert man Musik auf ein anderes SPeichergerät oder wenn man eine Vinyl digitalisiert muss man doppelt zahlen, direkt von der Vinyl ist es gratis. Was sollen diese Regelungen, erklären Sie mir das mal?

    Es geht doch nicht darum, dass niemand bezahlen möchte. Nur dass man Musik jetzt nicht mehr kopieren darf ohne doppelt zu bezahlen, ist einfach ein Witz. Einfache und faire Tarife sind ja völlig okay. Aber doch nicht so!

    Was die GEMA da abzieht ist einfach nur noch lächerlich. Aber mit 7 Jahren Mitgliedzeit haben viele Musiker eben ein Problem, weil sie nicht mehr aus dem Verein rauskommen und die DJ und Hörer müssen sich der Monopolstellung dieser Gesellschaft eben ergeben.

    Wenn Sie das nächste mal kommentieren, dann bitte mit Bezug zum Thema.

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