EinzelhandelDas Hirngespinst vom Google Store

Ein Insider behauptet, Google wolle bald eigene Geschäfte eröffnen. Vorbild seien die Apple Stores. Dafür fehlen Google aber die passenden Produkte, kommentiert P. Beuth. von 

Google verkauft seine Chromebooks in den Läden der Kette BestBuy.

Google verkauft seine Chromebooks in den Läden der Kette BestBuy.  |  © KIMIHIRO HOSHINO/AFP/GettyImages

"Eine extrem verlässliche Quelle" hat dem Blog 9to5Google.com gesagt, das Unternehmen Google wolle eigene Geschäfte eröffnen. Bereits in der kommenden Weihnachtszeit soll es demnach mehrere Flagship-Stores in den großen US-Metropolen geben, in denen Google seine Hardware verkaufen wolle. Weder der Zeitpunkt noch die Begründung erscheint wirklich sinnvoll.

Der Anlass sei Google Glass, heißt es in dem Bericht. Die kommende Google-Brille sei ein neuartiges Gadget, das kein Mensch kaufe, ohne es vorher ausprobiert zu haben. Außerdem habe Google ja noch weitere Produkte im Sortiment, die in einen solchen Laden passen würden: die Chromebooks sowie die Smartphones und Tablets der Nexus-Reihe.

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Ein weiteres Argument für die Eröffnung eigener Ladengeschäfte wäre das Vorbild von Apple. Dessen Stores haben zumindest nach Angaben von Apple-CEO Tim Cook maßgeblich zum Erfolg des iPads beigetragen. Microsoft hat das Prinzip bereits kopiert und mittlerweile mehrere eigene Läden in den USA und Kanada eröffnet.

Bei genauerem Hinsehen überzeugt allerdings keines der genannten Argumente. So ist es unwahrscheinlich, dass Google Glass noch in diesem Jahr in den Handel gelangt. Google-Mitgründer Sergey Brin selbst geht davon aus, dass die Brille nicht vor 2014 marktreif ist.

Patrick Beuth
Patrick Beuth

Patrick Beuth ist Redakteur im Ressort Digital bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Wenn sie es dann ist, wird sie zunächst ein Spielzeug für Early Adopters sein, teuer und noch weit davon entfernt, ein Massenprodukt zu werden. Wer sich dafür begeistert, wird es kaufen, wo immer es angeboten wird, ob nun im Google Play Store, bei Amazon oder bei Media Markt. Aber zur Weihnachtszeit ein paar Flagship Stores ohne Flaggschiff-Produkte zu eröffnen, wäre unsinnig.

Der Aufwand, repräsentative Geschäfte einzurichten und zu betreiben, um ein Nischenprodukt bekannter zu machen, dürfte selbst Google zu hoch sein. Mieten, Nebenkosten, Einrichtung und Personalkosten für mehrere Geschäfte dürften weit über dem liegen, was ein Produkt wie Google Glass in den ersten Jahren einbringt. Auch wenn Google im vergangenen Jahr Bargeld-Reserven von annähernd 50 Milliarden Euro angehäuft hat, werden die Aktionäre wenig begeistert sein, wenn der Konzern das Geld für Immobilien ausgibt.

Google wird für sein Scheitern mitunter gelobt, weil es erfolglose Produkte wie Google Wave ohne zu zögern wieder einstampft und aus seinen Fehlern lernt. Eine Ladenkette einzustampfen, wäre allerdings nicht so einfach.

Google-Hardware ist nicht für den Einzelhandel gemacht

Die anderen Google-Produkte eignen sich auch nicht, um die Läden profitabel zu machen. Sie sind zu billig. Wo die Preise für ein Google-Tablet enden, fängt Apple gerade erst an. Die Nexus-Geräte sind so günstig, damit Kunden sie spontan im Internet kaufen, auch ohne sie vorher angefasst zu haben. Geld verdient Google mit den Inhalten und den anfallenden Nutzerdaten.

Abgesehen davon ist Google bereits im Einzelhandel präsent. Die Chromebooks etwa werden in einigen Filialen von BestBuy und PC World in den USA und Großbritannien an speziellen Google-Ständen vorgeführt und verkauft. Es sind sogenannte Stores-Within-A-Store. Um auf ein neues Produkt wie Google Glass aufmerksam zu machen, sind solche hochfrequentierten Elektronikhändler sicher nicht der falsche Ort.

Es gibt noch ein letztes Argument dafür, dass Google in absehbarer Zeit nicht vorhat, zum Einzelhändler zu werden. Der zuständige Google-Vizepräsident Sameer Samat hat vor wenigen Wochen gesagt: "Wir haben nicht vor, zum Einzelhändler zu werden."

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Leserkommentare
    • gerd-h
    • 18. Februar 2013 15:42 Uhr

    meinetwegen kann ja Google auch Kochlöffel verkaufen, spielt alles keine Rolle, denn nicht wichtig ist, was man verkauft, sondern " Wie "...

  1. Ernst gemeinte Frage! Wenn ich mir so'n iDingens kaufen will, dann mache ich das entweder online oder ich gehe zu einem Fachhändler/Fachmarkt meines Vertrauens, wo ich nicht schon beim Betreten des Ladens von der Penetranz geheuchelter Freundlichkeit der Anhänger eines vermeintlichen Kults genervt werde.

    2 Leserempfehlungen
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    • spalter
    • 18. Februar 2013 16:26 Uhr

    Wer sich schon für das Gerät entschieden hat, braucht natürlich keinen Apple Store. Aber viele Unentschlossene gehen dann halt doch mal rein, das Interesse ist groß, spielen mit den magischen Geräten rum und sind dann erst heiß drauf. Oder andere, die skeptisch sind, ob sie mit so einem Gerät zurechtkommen, können das dort unter Anleitung ausprobieren, was wahrscheinlich oft genug zum Kauf führt.

    Dazu kommt noch, dass die gewaltige Präsenz an den besten Einkaufs-Locations der Welt maßgeblich zur Präsenz der Marke Apple selbst beiträgt. Außerdem werden die Produkte dort ganz anders präsentiert als im Media Markt, auch wichtig für den Kultstatus der Marke.

    Ganz wichtig auch: es gibt keinen Produktvergleich. Als ich das letzte Mal im Media Markt war, sah das iPhone zwischen der ganzen Android-Konkurrenz etwas klein und blass und verloren aus, und Sony z.B. hat da auch hübsche Computer in der Nähe der Macs stehen. Ganz zu schweigen von Samsung-Tablets (sieht doch genauso aus?), da wird sich mancher verunsichert fühlen, während ihm die Wahl im Apple Store ziemlich leicht gemacht wird.

    Rein geschäftlich hat das für Apple weitere Vorteile, erstens weil man durch den Verzicht auf Zwischenhändler eine bessere Marge hat, zweitens weil Leute, die sich für ein iOS-Gerät interessieren, dann auch mit Macs in Berührung kommen und umgekehrt.

    Alles in Allem denke ich, dass die Bedeutung der Stores für Apple kaum zu überschätzen ist.

    • csuess
    • 18. Februar 2013 16:27 Uhr

    Als ordentlicher deutscher Konsument, erschrickt man wirklich über freundliche Mitarbeiter in einigen (nicht nur Apple) Läden. Ich ertrage das auch nicht und lasse mich lieber von unwissenden und vor allem unfreundlichen Mitarbeitern im Fachmarkt meines Vertrauens schlecht beraten. Für diese Erniedrigung warte ich da auch schon mal gerne ein halbe Stunde lang. Aber nur so fühle ich mich beim Einkaufen wirklich wohl!

    Viele Gruesse

    • spalter
    • 18. Februar 2013 16:12 Uhr

    Ich halte das für ein bloßes Gedankenexperiment, nach dem Motto "wäre es nicht cool, wenn wir Chrome- oder Android-Stores hätten wie Apple?"

    Aber es spricht eigentlich alles dagegen. Nicht zuletzt, weil Google eben ein Internetkonzern ist, und die Online-Bestellung einfach am besten dazu passt, zumal die unschlagbaren Nexus-Preise eigentlich nur so möglich sind. Selbst so zahlt Google ja schon drauf.

    Ein wirklich sinnvoller und wichtiger Schritt wäre, das Internet-Angebot zu verbessern, z.B. Zahlungen ohne Kreditkarte zu ermöglichen und endlich auch Play Store-Gutscheine in Supermärkten zu verkaufen, wie alle anderen das auch tun.

    • mgutt
    • 18. Februar 2013 16:25 Uhr

    Da gab es auch nur Desktops und Notebooks.

    Das mit den Margen halte ich dagegen für vollkommen korrekt. Wie soll man Immobilien und Mitarbeiter bezahlen, wenn man nur 5% Marge hat (wenn überhaupt). Die Leute kaufen wg. so einem Store auch nicht mehr Apps.

    Noch ein Argument gegen den Store ist, dass die Leute wg. anderen Fragen nerven. Sei es wg. er Suchmaschine oder schlicht wg. Android-Produkten von Drittherstellern. Da kann man vermutlich jeden Zweiten rausschmeißen ^^

    • spalter
    • 18. Februar 2013 16:26 Uhr

    Wer sich schon für das Gerät entschieden hat, braucht natürlich keinen Apple Store. Aber viele Unentschlossene gehen dann halt doch mal rein, das Interesse ist groß, spielen mit den magischen Geräten rum und sind dann erst heiß drauf. Oder andere, die skeptisch sind, ob sie mit so einem Gerät zurechtkommen, können das dort unter Anleitung ausprobieren, was wahrscheinlich oft genug zum Kauf führt.

    Dazu kommt noch, dass die gewaltige Präsenz an den besten Einkaufs-Locations der Welt maßgeblich zur Präsenz der Marke Apple selbst beiträgt. Außerdem werden die Produkte dort ganz anders präsentiert als im Media Markt, auch wichtig für den Kultstatus der Marke.

    Ganz wichtig auch: es gibt keinen Produktvergleich. Als ich das letzte Mal im Media Markt war, sah das iPhone zwischen der ganzen Android-Konkurrenz etwas klein und blass und verloren aus, und Sony z.B. hat da auch hübsche Computer in der Nähe der Macs stehen. Ganz zu schweigen von Samsung-Tablets (sieht doch genauso aus?), da wird sich mancher verunsichert fühlen, während ihm die Wahl im Apple Store ziemlich leicht gemacht wird.

    Rein geschäftlich hat das für Apple weitere Vorteile, erstens weil man durch den Verzicht auf Zwischenhändler eine bessere Marge hat, zweitens weil Leute, die sich für ein iOS-Gerät interessieren, dann auch mit Macs in Berührung kommen und umgekehrt.

    Alles in Allem denke ich, dass die Bedeutung der Stores für Apple kaum zu überschätzen ist.

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    geh auch lieber in einen Apple shop.. eine Wohltat für die Augen und man findet einfach Ansprechpartner.
    Gerade mußte ich im Karstadt in die Computer Abteilung. Häßlich was da so alles rumsteht und liegt. Zum Glück waren diese Kopien von Samsung & Co in dunkle Glasschränke verstaut, wo die wohl auch bleiben und verstauben. Die schwarzen schillernden Billig Plastik Laps oben auf irgendeinem Regal verwaist.
    Apple hatte einen aufgeräumten, hellen Extra Stand mit eigenen Produkten umlagert von Kids (iPad)

    • csuess
    • 18. Februar 2013 16:27 Uhr

    Als ordentlicher deutscher Konsument, erschrickt man wirklich über freundliche Mitarbeiter in einigen (nicht nur Apple) Läden. Ich ertrage das auch nicht und lasse mich lieber von unwissenden und vor allem unfreundlichen Mitarbeitern im Fachmarkt meines Vertrauens schlecht beraten. Für diese Erniedrigung warte ich da auch schon mal gerne ein halbe Stunde lang. Aber nur so fühle ich mich beim Einkaufen wirklich wohl!

    Viele Gruesse

    7 Leserempfehlungen
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    ...habe auch ich nichts einzuwenden. Ich hatte geschrieben, dass mir die GEHEUCHELTE Freundlichkeit zuwider ist, die einem insbesondere in Apple Stores entgegenschlägt. Das ist nicht echt, sondern eine geschickte Inszenierung. Sie mögen kein Problem damit haben, aber ich persönlich meide solche Läden.

    • 29C3
    • 18. Februar 2013 21:34 Uhr

    ... legt großen Wert auf Witzischkeit.
    <a>

  2. geh auch lieber in einen Apple shop.. eine Wohltat für die Augen und man findet einfach Ansprechpartner.
    Gerade mußte ich im Karstadt in die Computer Abteilung. Häßlich was da so alles rumsteht und liegt. Zum Glück waren diese Kopien von Samsung & Co in dunkle Glasschränke verstaut, wo die wohl auch bleiben und verstauben. Die schwarzen schillernden Billig Plastik Laps oben auf irgendeinem Regal verwaist.
    Apple hatte einen aufgeräumten, hellen Extra Stand mit eigenen Produkten umlagert von Kids (iPad)

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    • d-weber
    • 19. Februar 2013 22:40 Uhr

    Ja, das ist dann wohl wieder Geschmackssache - bei mir reicht alleine der Anblick der Preisschilder im Apple-Geschäft, damit das Würgen kommt und ich überlege, wie zum Teufel Leute eigentlich dazu gebracht werden, solche Unsummen für Geräte zu bezahlen, die nicht mehr und eher weniger können als die Alternativen...

    Der Vorteil im unfreundlichen Fachmarkt ihres Vertrauens ist zumindestens, dass man eine Vergleichsberatung bekommt - mag sie auch noch sie inkompetent sein - immerhin brauche ich mir dann nicht diese Lobhudeleien anzuhören.

    Ideal ist in dem Punkt übrigens nach wie vor Amazon - dank der Rezensionen der ideale Einkaufsplatz, nur die Arbeitsbedingungen lassen zu wünschen übrig.

    Tja, die Moral der Geschichte? Vielleicht etwas weniger überflüssigen Konsum und das gesparte Geld für echtes Rind ausgeben...schöne, neue Konsumwelt!

  3. Eigene Stores dienen doch nur der Imagepflege.
    Das kostet und kann auch nach hinten losgehen.
    Apple wird sich noch wundern, wie schnell sich das eigene Image ändern kann.
    Wenn in zwei Jahren auch jede Großmutter ein Apple hat, ist es aus mit der Coolnes.
    Und bis Google cool ist, braucht es noch etwas.
    Erst danach lohnen sich Stores.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Google | Einzelhandel | Microsoft | Amazon | Blog | Hardware
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