"Eine extrem verlässliche Quelle" hat dem Blog 9to5Google.com gesagt, das Unternehmen Google wolle eigene Geschäfte eröffnen. Bereits in der kommenden Weihnachtszeit soll es demnach mehrere Flagship-Stores in den großen US-Metropolen geben, in denen Google seine Hardware verkaufen wolle. Weder der Zeitpunkt noch die Begründung erscheint wirklich sinnvoll.

Der Anlass sei Google Glass, heißt es in dem Bericht. Die kommende Google-Brille sei ein neuartiges Gadget, das kein Mensch kaufe, ohne es vorher ausprobiert zu haben. Außerdem habe Google ja noch weitere Produkte im Sortiment, die in einen solchen Laden passen würden: die Chromebooks sowie die Smartphones und Tablets der Nexus-Reihe.

Ein weiteres Argument für die Eröffnung eigener Ladengeschäfte wäre das Vorbild von Apple. Dessen Stores haben zumindest nach Angaben von Apple-CEO Tim Cook maßgeblich zum Erfolg des iPads beigetragen. Microsoft hat das Prinzip bereits kopiert und mittlerweile mehrere eigene Läden in den USA und Kanada eröffnet.

Bei genauerem Hinsehen überzeugt allerdings keines der genannten Argumente. So ist es unwahrscheinlich, dass Google Glass noch in diesem Jahr in den Handel gelangt. Google-Mitgründer Sergey Brin selbst geht davon aus, dass die Brille nicht vor 2014 marktreif ist.

Wenn sie es dann ist, wird sie zunächst ein Spielzeug für Early Adopters sein, teuer und noch weit davon entfernt, ein Massenprodukt zu werden. Wer sich dafür begeistert, wird es kaufen, wo immer es angeboten wird, ob nun im Google Play Store, bei Amazon oder bei Media Markt. Aber zur Weihnachtszeit ein paar Flagship Stores ohne Flaggschiff-Produkte zu eröffnen, wäre unsinnig.

Der Aufwand, repräsentative Geschäfte einzurichten und zu betreiben, um ein Nischenprodukt bekannter zu machen, dürfte selbst Google zu hoch sein. Mieten, Nebenkosten, Einrichtung und Personalkosten für mehrere Geschäfte dürften weit über dem liegen, was ein Produkt wie Google Glass in den ersten Jahren einbringt. Auch wenn Google im vergangenen Jahr Bargeld-Reserven von annähernd 50 Milliarden Euro angehäuft hat, werden die Aktionäre wenig begeistert sein, wenn der Konzern das Geld für Immobilien ausgibt.

Google wird für sein Scheitern mitunter gelobt, weil es erfolglose Produkte wie Google Wave ohne zu zögern wieder einstampft und aus seinen Fehlern lernt. Eine Ladenkette einzustampfen, wäre allerdings nicht so einfach.

Google-Hardware ist nicht für den Einzelhandel gemacht

Die anderen Google-Produkte eignen sich auch nicht, um die Läden profitabel zu machen. Sie sind zu billig. Wo die Preise für ein Google-Tablet enden, fängt Apple gerade erst an. Die Nexus-Geräte sind so günstig, damit Kunden sie spontan im Internet kaufen, auch ohne sie vorher angefasst zu haben. Geld verdient Google mit den Inhalten und den anfallenden Nutzerdaten.

Abgesehen davon ist Google bereits im Einzelhandel präsent. Die Chromebooks etwa werden in einigen Filialen von BestBuy und PC World in den USA und Großbritannien an speziellen Google-Ständen vorgeführt und verkauft. Es sind sogenannte Stores-Within-A-Store. Um auf ein neues Produkt wie Google Glass aufmerksam zu machen, sind solche hochfrequentierten Elektronikhändler sicher nicht der falsche Ort.

Es gibt noch ein letztes Argument dafür, dass Google in absehbarer Zeit nicht vorhat, zum Einzelhändler zu werden. Der zuständige Google-Vizepräsident Sameer Samat hat vor wenigen Wochen gesagt: "Wir haben nicht vor, zum Einzelhändler zu werden."