Offene DatenDeutsches Datenportal bisher weder offen noch erreichbar

Transparentes Regieren ist das Ziel, offene Daten ein Weg dorthin. Doch das nun gestartete Regierungsportal Govdata erfüllt die Hoffnung nicht, schreiben zwei Aktivisten. von Christian Heise und Michael Hörz

Die Datenplattform der Bundesregierung ist derzeit nur schwer zu erreichen.

Die Datenplattform der Bundesregierung ist derzeit nur schwer zu erreichen.  |  © Screenshot ZEIT ONLINE

Vor zwei Jahren schien ein deutsches Open-Data-Portal noch in ferner Zukunft zu liegen. Gestern ist govdata.de gestartet. Die Bundesregierung folgt damit einer Empfehlung der im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie Open Government Daten Deutschland.

Doch wer sich dadurch etwas mehr offenes Regieren erhofft hatte, muss weiterhin warten. Denn erstens ist das Portal auch einen Tag nach dem Launch nicht erreichbar, und zweitens wird es dem grundsätzlichen Ziel, Bürgern und Unternehmen Verwaltungsdaten offen zugänglich zu machen, nicht gerecht. Längst nicht alle Datensätze sind verfügbar oder, wenn sie denn vorhanden sind, uneingeschränkt nutzbar.

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Der Hintergrund: Bei den Vorbereitungen für das Portal diskutierten Vertreter des Bundesinnenministeriums, des Fraunhofer-Instituts für Offene Kommunikationssysteme und von zivilgesellschaftlichen Organisationen ("Community") darüber, wie ein solches Portal entwickelt werden soll und welche Nutzungsbedingungen am besten geeignet seien. International hat sich eine Creative-Commons-Lizenz bewährt, die wenige Fragen offen lässt, und die auch von der Enquete-Kommission für Internet und digitale Gesellschaft im Bundestag (PDF ab Zeile 390) empfohlen wurde.

Keine kommerzielle Nutzung

Die Verwaltungen drängten aber auf eine eigene Lizenz, die "Datenlizenz Deutschland", die ursprünglich noch dazu in zwei verschiedenen Varianten vorgesehen war. Die zweite Variante eröffnete besonders viele Unsicherheiten, da sie eine kommerzielle Nutzung verbot. Was als kommerzielle Nutzung gilt und was nicht, ist in der Praxis umstritten: Die Daten weiterzuverkaufen ist sicher nicht möglich, aber gilt eine journalistische Nutzung bereits als kommerziell?

Im Januar 2013 dann wurde klar, dass sich diese Variante durchsetzen würde. Auf die Kritik der "Community", die Daten seien damit nicht wirklich offen, reagierten die Verantwortlichen pragmatisch: Sie änderten den Namen des Portals von "Open Government Data" in "Government Data".

Die Vertreter des Fraunhofer-Instituts hoffen darauf, dass möglichst viele Verwaltungen darauf verzichten werden, ihre Daten mit einer kommerziellen Einschränkung zu versehen. Allerdings zeigt die Erfahrung, dass Verwaltungen in solch neuen Situationen häufig den Vorgaben des Bundesinnenministeriums folgen und dass sie zur Absicherung die am meisten eingeschränkte Fassung wählen. Die Tradition des "Amtsgeheimnisses" wirkt hier noch nach. Die Vorkämpfer für offene Daten innerhalb der Verwaltungen stoßen oft noch auf Unverständnis.

Server überlastet

Doch gibt es nicht nur rechtliche Probleme, auch die Technik scheint mangelhaft. Das Portal ist seit seinem Start am Dienstagabend schlecht erreichbar. Auf der Startseite heißt es: "Aufgrund des hohen Interesses am Prototypen GovData müssen wir die Server-Infrastruktur verstärken und bitten daher um etwas Geduld." Das deutet darauf hin, dass das Thema mehr Menschen interessiert und nicht nur eine kleine Gruppe von Open-Data-Aktivisten.

Welche Daten können sich die Interessierten nun ansehen, sobald die Server mit der Nachfrage klarkommen? Im Moment versammelt das Portal nur bereits bestehende Daten. Sie reichen von Statistiken über Umweltdaten bis hin zu Karten von Fahrradwegen. Beteiligt sind derzeit mehrere Bundesportale, Bundesländer und einige Städte.

Leserkommentare
  1. Die Bundesregierung schafft kein Projekt mehr.

    Keinen Bahnhof, keinen Flughafen - und keine Website.

    2 Leserempfehlungen
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    kommt da im Artikel nicht eher sowas zum Ausdruck wie :
    -beleidigt sein- weil mittels Steuergelder erhobener Daten, die "APRP" (außerparlamentarische Regierungspostillen) diese nicht zu Geld machen dürfen ?

    Bestimmt fehlt Ubuntu, immerhin lässt sich der Docmententyp auf ZEIT ONLINE nicht mal validieren. Dass nennen ich mal beispielhafte Offenheit in Sachen "Daten die für die Kommunikation von Bedeutung sind". Am besten erfindet jeder sein eigenes Alphabet in der Schule und der Allmächtige muß dann im Kanzleramt die Übersetzung hinbekommen, sonst sind wie einfach nicht Zukunftsfähig! jawoll.
    ;)

  2. Zunächst mal ist der eingeschlagene Weg richtig. Es ist gut, dass dem Bürger Daten zugänglich gemacht werden. Dass der Teufel im Details steckt, das weiß jeder, der schon mal ein Projekt von Anfang bis Ende gemacht hat.
    Ich jedenfalls bin gespannt, wo uns der Weg hinführt.

    Eine Leserempfehlung
  3. Heute Nacht um 3 Uhr gehörte ich zu den wenigen Glücklichen, die in das neue Portal reinsehen durften. Mir ist nicht ganz klar, warum das BMI nicht einen professionellen Hoster wie das eigene BVA mit dem Hosting beauftragt hat und statt dessen einen Forschungs-Verein (e.V.) wie Fraunhofer mit dem Rechnerbetrieb forschen lässt.

    Lizenzen: Zwar sind die Suchmechanismen schlecht (die §5 UrhG-Fundstellen waren nicht zu finden), aber einen fand ich mit NC-Lizenz (für kommerzielle Nutzung verboten): die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin hat mit Dritten seit 2004 Karten über Wanderwege erstellt und KMZ-Dateien, die nur dne Weg zeigen restriktiv auf den Server gelegt. Mir erschließt sich nicht, warum die Touristik-Industrie diese KMZ-Dateien nicht nutzen dürfen soll. Absurd.

    Zum §5 UrhG: Kern des §5 ist, dass Amtliche Werke urheberrechtsfrei sind. Offenbar waren wohl kein Juristen beteiligt. §5 UrhG wird auf dem Portal als Lizenzart geführt. Lizenzen kann man nur geben als Rechteinhaber. Wo aber keine Rechte (Gemeinfreiheit, Public Domain) kann man keine Lizenzen eben. Hier tut sich sogar der Verdacht auf, dass möglicherweise Amtliche Werke rechtswidrig mit Lizenzen versehen worden sind.

    Unterm Strich ist mit diesem Vorgehen der Bürger der Betrogene. Im wird verwehrt, dass wir zügig wie in in anderen Staaten Anwendungen bauen, wie ich sie hier beschrieben habe:

    http://wk-blog.wolfgang-k...

    So kann das nicht weitergehen.

  4. kommt da im Artikel nicht eher sowas zum Ausdruck wie :
    -beleidigt sein- weil mittels Steuergelder erhobener Daten, die "APRP" (außerparlamentarische Regierungspostillen) diese nicht zu Geld machen dürfen ?

    Bestimmt fehlt Ubuntu, immerhin lässt sich der Docmententyp auf ZEIT ONLINE nicht mal validieren. Dass nennen ich mal beispielhafte Offenheit in Sachen "Daten die für die Kommunikation von Bedeutung sind". Am besten erfindet jeder sein eigenes Alphabet in der Schule und der Allmächtige muß dann im Kanzleramt die Übersetzung hinbekommen, sonst sind wie einfach nicht Zukunftsfähig! jawoll.
    ;)

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    Ich bin mir nicht sicher, ob ich Sie richtig verstanden habe. Open Data verstehe ich als bereits mit Steuergeldern gesammelte Daten, die demnach von der Allgemeinheit bezahlt wurden und auch der Allgemeinheit (kostenfrei) zur Verfügung stehen sollten. Das schließt selbstverständlich die wirtschaftliche Nutzung ein - das ist der Spezialfall.

    Wäre es Ihnen umgekehrt lieber: Nur Unternehmen dürfen die Daten nutzen, aber Privatleute müssen dafür zahlen? Ich denke nicht.

    Den Autoren geht es nicht darum, dass eine Gruppe benachteiligt wird, sondern dass alle ungehinderten Zugang dazu haben sollten. Die Erfahrung dazu ist nämlich auch: Sowohl Bürger als auch Entwickler haben ganz andere Vorstellungen, was man mit den Daten machen kann. Wenn nun ein Beamter beschließt: Nein, diesen und jenen Nutzungsfall kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, und stelle deswegen keine Daten zu bereit, dann ist das eher ungeschickt. Lasst also die Bürger entscheiden.

  5. Es ist keinen Monat her, dass die Seite des OKFN-DE mehr als eine Woche tot war und deren Vorstand - Hr. Heise - hat nichts besseres zu tun, als hier und anderswo zu jammern, weil sehr wahrscheinlich alle "Aktivisten" den Server lahmgelegt haben - durch den Download von allem, was die Seite zu bieten hat. Mal ehrlich, hat irgendjemand vorher etwas anderes erwartet? Kurze Erinnerung - BETA-Phase, Start: gestern!

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    Ich stimme Ihnen zu, das Portal ist gerade eben gestartet.

    Allerdings finde ich, dass nach der umfassenden Vorbereitungszeit das Portal schon einigermaßen laufen könnte. Immerhin ist das ein Bundesprojekt, das ausreichend Mittel für Serverkapazitäten haben sollte.

  6. Ich bin mir nicht sicher, ob ich Sie richtig verstanden habe. Open Data verstehe ich als bereits mit Steuergeldern gesammelte Daten, die demnach von der Allgemeinheit bezahlt wurden und auch der Allgemeinheit (kostenfrei) zur Verfügung stehen sollten. Das schließt selbstverständlich die wirtschaftliche Nutzung ein - das ist der Spezialfall.

    Wäre es Ihnen umgekehrt lieber: Nur Unternehmen dürfen die Daten nutzen, aber Privatleute müssen dafür zahlen? Ich denke nicht.

    Den Autoren geht es nicht darum, dass eine Gruppe benachteiligt wird, sondern dass alle ungehinderten Zugang dazu haben sollten. Die Erfahrung dazu ist nämlich auch: Sowohl Bürger als auch Entwickler haben ganz andere Vorstellungen, was man mit den Daten machen kann. Wenn nun ein Beamter beschließt: Nein, diesen und jenen Nutzungsfall kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, und stelle deswegen keine Daten zu bereit, dann ist das eher ungeschickt. Lasst also die Bürger entscheiden.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Ich weiß nicht,"
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    nämlich -speziell- ums genauer zu sagen.
    Ich hoffe so von vorn herein meine Bereitschaft für spezielle Logik unter Beweis zu stellen.

    Das ist ja schon eine Weile verbreitet, ohne das ich z.B. sagen könnte wo es genau her kommt, oder wer damit anfing.
    Also das Sachen für 0.-€ "verkauft" werden ist ebenso eine spezielle Logik wie ich's meine. Ich finde auch keine Definition auf englischen Seiten die mir erklären können wie das denn eigentlich definierbar ist.
    Ich bin sicher kein Bürokratie Fan oder ähnliches, und von vereinfachungen halte ich viel, aber wo es Sinn macht ist es nun mal nicht immer so das man alles vereinfachen kann.

    Meine Frage ist daher eher an die Vertreter der logischen Grundsätze gerichtet, denn wer bezahlt denn für etwas, das an anderer Stelle gar nichs kostet und jedem zugänglich ist ?

    Mir scheint die Logik von : "Für dumm verkauft ist besser als dumm gehalten." keine schlüßige zu sein.
    Allerdings sehe ich durchaus ein, das man in Zeitungen und Zeitschriften nichts verlinken kann, also dort verwendete Daten aus frei zugänglichen und kostenlosen Quellen, irgendwie zwangsweise vermarktet werden müssen wenn die Zeitung Geld koststet. Online kann eine "Pflicht zum Link" schon alles sein was fehlt um nicht kommerzielle Daten als solche zu kennzeichnen.
    Aber ich hoffe Sie verstehen die normale Logik auch, denn wer etwas nicht kommerziell nutzen kann und darf, kann andere auch nicht so leicht "für dumm verkaufen".

  7. Ich stimme Ihnen zu, das Portal ist gerade eben gestartet.

    Allerdings finde ich, dass nach der umfassenden Vorbereitungszeit das Portal schon einigermaßen laufen könnte. Immerhin ist das ein Bundesprojekt, das ausreichend Mittel für Serverkapazitäten haben sollte.

    2 Leserempfehlungen
  8. Heute und gestern dürfte die Seite wohl ihre Spitzenlast gesehen haben. Wozu Geld verplempern, erst recht weil bekannt ist, dass die üblichen Kritiker sehr gern ihr "x Euro? OMG das hätten wir billiger gemacht" wiederholen.

    Eure Kritik an diesen vorhersehbaren Startschwierigkeiten bewerte ich, wie so vieles bei dem ganzen Gebashe, als zumindest mittelbaren, vielleicht unbewussten Eigennutz. Die oben angesprochenen verpennte Downtime beim okfn-de lag ganz sicher nicht an zu viel Traffic, sondern eher an verlorener Übersicht. Andauernd Offenheit predigen und selbst für jeden Furz eine neue Domain anmelden, eine Seite anlegen und dann vergessen - das nenne ich mal ein "Portal". Es geht doch den meisten Beteiligten nur darum, möglichst viel der Aufmerksamkeit mitzunehmen um damit seine eigenen, oft genug kommerziellen Projekte zu pushen.

    Die beiden Autoren betrifft das natürlich nicht, der Disclaimer ist sicher vollständig und eine wirtschaftliche Betätigung im Umfeld findet nicht statt.

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    Vielen Dank für Ihren Kommentar zu unserem Text.

    Ich bin mir auch nicht sicher, ob ich Sie richtig verstehen wollen: Uns geht es hier grundsätzlich nicht um "gebashe", sondern ich teile die Berfürchtung, dass es sich bei den aktuellen Entwicklungen um grundsätzliche Schritte in die falsche Richtung handelt. Bitte lesen doch erstmal aufmerksam die Erklärung. Gern setze ich mich dann mit Ihnen inhaltlich auseinander.

    Wenn Sie unseren gemeinnützigen Verein und unsere Serverkapazitäten unterstützen möchten, können sie gern unter http://www.okfn.de/spenden spenden.

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