Yandex-Mitbegründer"Wir sind nicht politisch, wir sind nur eine Suchmaschine"
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"Ich bin kein politischer Mensch, aber die Technologie interessiert mich"

ZEIT ONLINE: Sie müssen sich in Russland nicht nur mit der Konkurrenz auseinandersetzen, sondern auch mit der Politik. Letzten Sommer verabschiedete der Kreml ein Gesetz, nach dem "gefährliche Inhalte" ohne richterlichen Beschluss aus dem russischen Internet verbannt werden dürfen. War das der erste Schritt, um eine Infrastruktur für Zensur zu schaffen?

Segalowitsch: Yandex hat damals mit einem Banner auf der Startseite protestiert. Uns gefiel vor allem das Verfahren nicht. Wir waren schon lange im Gespräch mit der Regierung, es ging um sichere Internetzugänge an den Schulen. Und plötzlich, innerhalb weniger Wochen, wurden alle Pläne geändert und ein völlig neues Gesetz entworfen, in dem es um Netzwerke und Filter ging. Das Parlament hat das dann ganz schnell durchgewunken. Wenn man sich das Gesetz jetzt anschaut, dann ist es sicher nicht das bestgeschriebene Gesetz der Welt, auch nicht das schädlichste. Die Frage bleibt allerdings, wie es ausgelegt werden könnte. Bislang wird es nicht missbraucht. Es gibt zwar eine schwarze Liste, aber die beschränkt sich tatsächlich auf illegale Pornographie sowie Selbstmord- und Terrorismus- oder Extremismus-Propaganda.

ZEIT ONLINE: Was würde Yandex tun, wenn es zu einer politisch motivierten schwarzen Liste käme?

Segalowitsch: Yandex sollte so neutral wie möglich sein. Wir sind nicht politisch, wir sind nur eine Suchmaschine. Aber wenn das Gesetz uns inhaltlich einschränken würde, und wenn beispielweise Google Ergebnisse zeigen dürfte, die Yandex nicht zeigen darf, dann wäre das für uns auch geschäftlich ein Nachteil. Das würden wir dann auch deutlich machen.

ZEIT ONLINE: Sie haben sich – nicht als CTO von Yandex, sondern als Privatperson – im letzten Jahr auch politisch engagiert. Sie haben eine App mitentwickelt, mit der jeder Smartphone-Besitzer Wahlfälschungen melden kann. Und Sie haben eine symbolische Internetwahl mit ausgerichtet, bei der die Wähler sich über ihre Handys ausweisen mussten. 

Segalowitsch: Ich bin kein politischer Mensch, ich gehöre keiner Partei an, aber die Technologie interessiert mich. Bei der Internetwahl ging es für mich um die Frage, wie man elektronische Wahlen sicher machen kann. Mittlerweile kann man Authentifizierungsprozesse über Smartphones oder andere Geräte durchführen. Deshalb habe ich angeboten, bei der Entwicklung dieser Technologie mitzuhelfen. Wir konnten beweisen, dass die Technik perfekt funktioniert hat. Alle Ängste, die im Vorfeld geäußert wurden, – dass das Wahlverfahren anfällig für Manipulation, Betrug oder Störung sei – haben sich nicht bewahrheitet.

ZEIT ONLINE: Die Internetwahl war nur ein Test, die App gegen Wahlbetrug dagegen haben Sie für die realen Präsidentschaftswahlen in Russland konzipiert. Kann das Internet helfen, Demokratie besser und transparenter zu machen?

Segalowitsch: Die App macht die Kontrolle vor Ort sehr einfach. Man arbeitet eine Checkliste ab: Sind die Bücher in Ordnung, war das Wahllokal pünktlich geöffnet, hatten die Wähler Zugang zu den richtigen Wahllisten? Wenn Sie ein unerfahrener Wahlbeobachter sind, hilft das ungemein. Insgesamt wurde die App 11.000 Mal runtergeladen und rund 6.000 Wahlberichte wurden eingeschickt.

ZEIT ONLINE: Sie sind einer der bekanntesten Internetunternehmer Russlands. Wie gefährlich ist es selbst für Ilja Segalowitsch, die Regierung zu kritisieren?

Segalowitsch: Ich versuche nicht, irgendwen zu kritisieren. Aber wenn es bei Wahlen keine Übereinstimmungen zwischen den abgegebenen Stimmen und den Einwohnerstatistiken gibt, dann sollte das thematisiert werden. Das ist nicht Politik, das ist Mathematik. Ich würde die Daten gerne genauer analysieren. Es gibt in Russland so viele Probleme mit irgendwelchen Extra-Wählern auf Extra-Listen. Es gibt Leute, die wählen mehrfach, an unterschiedlichen Orten. Das wirft Fragen auf. Keine davon wurde nach den Wahlen im Frühling 2012 beantwortet.

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Leserkommentare
  1. ...entscheiden muss, ob ich meine Suchanfragen in den amerikanischen oder russischen Sumpf werfe, dann ist mir google lieber.
    Überigens hat Yandex noch eine menge zu tun,
    eine Suchanfrage nach "silhouette" in bildern liefert eine menge 'Schrott'

    • bvdl
    • 20. Februar 2013 19:18 Uhr

    ...koennen Sie nicht einmal einen Artikel verfassen, in dem nicht (schon durch die suggestiven Fragen) in epischer Breite erklaert wird, wie boese doch das Putin-Russland ist? das wird langsam langweilig...

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