Ausschreitungen in Kenia nach den Präsidentschaftswahlen im Dezember 2007 © TONY KARUMBA/AFP/Getty Images

Seit Oktober 2012 klicken sich sechs Kenianer den ganzen Tag durch Facebook und Twitter. Dass sie immer mehr zu tun haben, bereitet Kagonya Awori Sorge. Denn mehr Arbeit bedeutet, dass der Ton rauer wird. Mit fünf Mitarbeitern durchsucht Awori in Kenia das Internet nach Kommentaren, die zu Hass und Gewalt aufrufen.

Es ist eine Art Vorsorgemaßnahme: Nach den Präsidentschaftswahlen 2007 kam es zu blutigen Ausschreitungen, Kenia stand an der Schwelle zum Bürgerkrieg. Mehr als 1.200 Menschen wurden getötet, mit Macheten oder Pfeil und Bogen kämpften die verschiedenen ethnischen Gruppen gegeneinander. Anfang März nun wird in Kenia wieder gewählt – und erneut könnte die Lage eskalieren. Die International Crisis Group schreibt, die Gefahr eines Gewaltausbruchs sei "untragbar hoch".

Vor einem halben Jahr schon haben Kagonya Awori und ihre Kollegen am iHub-Institut in der Hauptstadt Nairobi deshalb das Projekt Umati begonnen. Sie durchsuchen das Internet nach Gewaltaufrufen und wollen so die Lage rechtzeitig entschärfen helfen. Denn während in der arabischen Welt soziale Medien zum Hilfsmittel für die Demokratiebewegungen wurden, könnten sie in Kenia benutzt werden, um Hass zu säen und Bürger gegeneinander aufzubringen.

"Eine Kugel sollte man durch ihren Schädel jagen." "Mein Traum ist, einen Stamm weniger in Kenia zu sehen." Solche Sätze erscheinen auf Facebook, Twitter, in Blogs und Online-Foren im Vorfeld der Wahlen tausendfach. Allein im Januar hat das Projekt etwa 500 Kommentare und Beiträge gezählt, die als "sehr gefährlich" und "gefährlich" eingestuft wurden.

Eine Karte der Aggressionen

Nicht jeder Satz habe dieselbe Sprengkraft, erklärt Projektleiterin Kagonya Awori. "Eine große Rolle spielt, wer diese Sätze schreibt." Gefährlich würden Aussagen, wenn derjenige, der sie verbreitet, großen Einfluss auf die Gefolgschaft habe. Das sei bei Anführern und Führungspersonen von ethnischen Gruppen, aber auch bei Politikern und bekannten Personen der Fall. Deshalb ordnen die Umati-Mitarbeiter die Online-Kommentare in verschiedene Kategorien ein.

Anschließend werden die Kommentare an das organisationsübergreifende, noch ambitioniertere Projekt Uchaguzi weitergeleitet. Dort treffen auch Berichte von Wahlbeobachtern, Hilfsorganisationen, Menschenrechtsorganisationen und anderen NGOs ein. Auf einer Karte sollen später dann die Meldungen von allen Organisationen gesammelt werden. So soll ein detailliertes Bild von Aggression, von möglicher Wahlfälschung und anderen Zwischenfällen entstehen. Durch das konstante Monitoring sei es einfacher, Entwicklungen im Notfall schnell zu erfassen, erklärt Awori.

"Unser Ziel ist nicht, Täter zu finden und zu verfolgen", sagt Projektleiterin Kagonya Awori. Umati und Uchaguzi seien keine Projekte der Regierung. "Es geht darum, die Leute aufmerksam zu machen und sie einzubeziehen." Um Gewalt dieses Mal zu verhindern, müsse das Land zusammenhalten und gemeinsam gegen Aufrufe vorgehen.