Bis heute ist das sogenannte Tunguska-Ereignis umstritten. Ging dort wirklich ein Meteoroid nieder? Hatte die Explosion ganz andere Ursachen? Vor hundert Jahren fiel in der Nähe des Flusses Steinige Tunguska in Russland ein Meteorit zu Boden und verschwand dabei spurlos. Außer der verwunderten Nachwelt und einer Menge plattgedrückter Bäume ist aber kaum etwas von diesem Ereignis überliefert, dementsprechend schwierig ist die Beweislage.

An dem Meteoritenregen von Tscheljabinsk hingegen gibt es keinen Zweifel. Denn nahezu jeder Beobachter, der ein Smartphone zur Hand hatte, hielt es in den Himmel. Das Ergebnis: Eine fast lückenlose Dokumentation des Meteoriten-Niedergangs im russischen Hinterland, zu sehen als gigantische Sternschnuppe (Meteor) am Himmel.

Anfangs gab es Zweifel an der Echtheit einiger Aufnahmen, doch immer neue Bilder, die ähnliche Eindrücke zeigten, bestätigten schnell, dass die Filme authentisch sind.

Eine gute Übersicht der Videos, die den Meteoriten zeigen, hat der Blogger Alexander Zaytsev auf seiner Seite gesammelt. Darunter ist auch die wohl bekannteste Aufnahme – von einem Highway aus gefilmt.

Das Licht, das der Meteoroid beim Eintritt in die Atmosphäre erzeugte, war so hell, dass es selbst im 200 Kilometer entfernten Jekaterinburg noch zu sehen war.

Bei Twitter wird er unter #russianmeteor, #chelyabinsk und dem russischen Wort für Meteorit #метеорит besprochen. In Minuten wurde der Meteoriteneinschlag von Tscheljabinsk so zu einer internationalen Geschichte. Nicht nur für Journalisten, die sie ihrem Publikum erzählen, sondern auch im akademischen Sinn. Die russische Wikipedia hat nur wenige Stunden, nachdem der Meteor gesichtet wurde, einen Artikel eingerichtet. Die deutsche und auch die englische Wikipedia waren nur unwesentlich langsamer.

Das Ereignis wurde mit unzähligen Videos und Tweets nahezu in Echtzeit dokumentiert, eingeordnet und kommentiert. Mit den netzüblichen Nebenwirkungen. Bei Twitter fand sich außer den üblichen Verschwörungstheorien (CIA, 9/11, UFO) auch bald eine ironische Verbindung zu dem vorhergesagten Weltuntergang der Mayas und dem Rücktritt des Papstes.

In Tscheljabinsk ist niemandem nach Witzen

Die Stimmung in Tscheljabinsk ist weniger launig. Nach Angaben der russischen Behörden sei eine Schule beschädigt worden, zehn Schulkinder seien verletzt. Die ersten Berichte sprachen von mehr als 400 Verletzten. Mittlerweile ist diese Zahl weiter gestiegen. Laut Russia Today sollen bis zu 1.000 Menschen verletzt worden sein.

In der betroffenen Region geht es dabei vor allem um die Aufräumarbeiten. Bei vielen Gebäuden wurden durch die Explosion sämtliche Fenster zerstört.

Die Verarbeitung im Internet dagegen verläuft anders und zeigt ein Phänomen des menschlichen Wesens: Je weiter entfernt ein Ereignis von einem selbst, desto leichter fällt es, sich darüber lustig zu machen. Oder ganz andere Aspekte darin zu sehen. Wie dieser Twitterer in wenigen Zeichen beweist:

Oder dieser.

 Die Bilder der Betroffenen zeigen verständlicherweise eher die Panik der Menschen und die Zerstörungen: