SoftwareMicrosoft plant angeblich ein Office für Linux

Microsoft hat Linux bislang weitgehend ignoriert. Nun arbeitet der Konzern angeblich an einem Office-Paket für Linux-Desktops. Was hätten die Nutzer davon? von 

Microsoft und die Linux-Gemeinde trennt traditionell ein breiter Graben. Der Konzern aus Redmond steht für proprietäre Software, Patente, ein Quasi-Monopol mit seinem Betriebssystem Windows und Milliardengewinne; die Linux-Gemeinde schwört auf Open Source, also offene Software, und freie Lizenzen. Wie der Technik-Blog ExtremeTech berichtet, baut Microsoft aber offenbar an einer Brücke über den Graben.

Das Gerücht wurde auf der FOSDEM laut, einer Konferenz für Open Source in Brüssel. Der Blogger Phoronix alias Michael Larabel will in einem Gespräch mit Open-Source-Entwicklern von Microsoft von den Plänen erfahren haben. Demnach denke der Konzern ernsthaft darüber nach, eine Linux-Version von Microsoft Office zu veröffentlichen. Sie könnte 2014 fertig werden.

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Es wäre erst das zweite Mal, dass Microsoft überhaupt Software für das Betriebssystem Linux programmiert. Das erste Mal war vor einem halben Jahr. Microsoft kaufte den Voice-over-IP-Dienst Skype und behielt die Unterstützung der Software auch für Linux-Computer bei. Während Skype kostenlos nutzbar ist, würde Microsoft für Office sicherlich Geld verlangen, es ist schließlich einer der wichtigsten Geschäftsbereiche des Unternehmens. In der Gesamtbilanz von Microsoft steuern die Office-Lösungen den größten Teil zum Umsatz bei. Microsoft Business, zu dem die Office-Sparte gehört, lag auch 2012 unter den Konzern-Bereichen an der Spitze und erzielte einen Umsatz von etwa 17,7 Milliarden Euro.

Ob ein kostenpflichtiges Office-Paket bei Linux-Nutzern Anklang finden würde, ist aber äußerst ungewiss. Unter Linux sind meist offene und kostenlose Office-Pakete wie LibreOffice vorinstalliert. Außerdem ist der Markt klein: Windows ist auf etwa 90 Prozent aller Desktop-Computer installiert, Linux nur auf einem Prozent. Nach Angaben von Larabel glaube Microsoft trotzdem daran, dass auch mit Linux-Nutzern gute Geschäfte möglich seien. Mögliche Gründe seien die wachsenden Marktanteile von Linux, nicht zuletzt, weil auch die Spieleentwickler langsam die Plattform entdecken und mit entsprechenden Games attraktiver machen. Auch Universitäten und Behörden nutzen mittlerweile Linux und könnten ein Office-Paket möglicherweise gut gebrauchen.

Android als möglicher Einstieg in Linux

Es könnte aber noch einen weiteren Grund für den Bruch mit der bisherigen Strategie geben: Microsoft arbeitet angeblich auch an einer Office-Variante für Android-Geräte. Diese Gerüchte gibt es schon länger, bei der offiziellen Vorstellung seiner Office-Suite hatte Microsoft diese jedoch verneint. Stattdessen setze Microsoft auf sogenannte Office Web Apps, die man, ähnlich wie bei GoogleDocs, über den Browser ansteuert.

Es ist aber nicht gesagt, dass es so bleibt. Die Gerüchte um eine Android-Version jedenfalls gibt es weiterhin und sind nicht ganz abwegig: Android basiert auf Linux und läuft mittlerweile auf jedem zweiten Smartphone. Microsofts mobiles Betriebssystem liegt mit 5,8 Prozent noch hinter iOS und Symbian. Bislang läuft das neue Office365 nur auf dem Betriebssystem Windows Phone. Gleichzeitig legt Microsoft aber großen Wert auf den mobilen Markt. Das hat der Konzern auch bei der Vorstellung von Office365 gezeigt. Sämtliche Funktionen des neuen Software-Pakets lassen sich mit Wischgesten und Fingertippen bedienen. Ein eigenes Android-Office wäre mittelfristig also durchaus sinnvoll.

Und wenn die Version für Android erst einmal stehe, sei damit auch schon ein großer Schritt in Richtung Desktop-Linux gemacht, spekuliert Sebastian Anthony von ExtremeTech.

Linux-Nutzer können Microsofts Bauarbeiten an einer Brücke aber eh gelassen begegnen. Denn Linux bietet eine eigene Schnittstelle für Microsoft-Programme namens Wine an. Damit wird einfach eine Windows-Umgebung simuliert. Wer Microsoft Office unter Linux also nutzen möchte, könnte dies schon heute tun.

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Leserkommentare
  1. ...dort ist der Linuxanteil wirklich beträchtlich; auf Clients wird aber meist weiterhin Windows eingesetzt. Aber wozu braucht man auf Server MS Office?
    Für den Clienten reicht einfach eine virtualisierte Windowsumgebung.

    Antwort auf "..............."
  2. 34. LIKE!

    "Das Problem ist nur: Mit Office für Linux gibt es fast keinen Grund für Windows mehr."
    ------------------------------------
    Warum "Problem"? Und warum "fast"?
    In diesem Sinne: LIKE!

    • Oyamat
    • 09. Februar 2013 17:29 Uhr

    Für sich daheim mag das angehen, wenn da was nicht läuft, ist das nicht so relevant. Aber wenn es darum geht, daß ein paar Tausend Mitarbeiter damit arbeiten sollen, sieht die Sache schon wieder anders aus, da gehen Umweglösungen und Holprigkeiten schnell richtig ins Geld. Mal ganz abgesehen davon, daß es unter den Mitarbeitern sicher genausowelche gibt, die das gern akzeptieren, weil sie endlich nicht mehr unter Windows leiden müssen, wie solche Mitarbeiter, die unter Linux leiden und nichts als ihr Windows zurückhaben wollen. Und letztere werden jeden kleinen Ruckler von WINE bzw. der VM zum Vorwand nehmen, den Support zu nerven und die Arbeit aufzuhalten.

    Das heißt, wo es um viele (und nicht ideologisch homogene) Mitarbeiter geht, braucht es evtl. eine "saubere" Lösung, und die hieße dann eben: MSOffice für Linux.

    Alternative für alle, die finden, das wäre überflüssig: Na, dann setzt Euch hin und macht die Office-Version Eurer Wahl (Open, Libre oder sonst eine) so gut, wie MSOffice für sich beansprucht zu sein. Denn vom Ruhm vergangn'er Zeiten lebt sich's heute nicht mehr lange gut, Produkt-Treue ist eh' was von vorgestern. Und wenn erst eins der Alternativ-Produkte mit MSExcel mithalten kann (u.a. in den Grafiken), dann wechsele vermutlich nicht nur ich mit einem letzten Schulterzucken endgültig weg von den Redmondern.

    MGv Oyamat

  3. User bestimmt. Denn Open/Libre Office sind alles andere als anwenderfreundlich/robust/ausgereift/fehlerfrei/schnell ... Selbst wenn man kein MS Freund ist, deren Office Software ist schon gut. Da kommt so schnell kein Produkt ran.

    Nur weil etwas umsonst ist, ist es lange noch nicht gut.

    Ich kann mir schon vorstellen, dass eine Linux Version von MS Office Anklang findet. Dann muessen auch all die "ueberzeugten" Linux User keine parallelen Betriebssystem Konfigurationen und/oder Kram wie Wine/Parallels installieren. Denn einen echten und vollends uebereugten Linuxer, mit einem kompletten Verzicht auf alles aus dem Hause MS, habe ich noch nie getroffen.

    Antwort auf "Was haben wir gelacht."
  4. Daher sollte unbedingt eine Portierung auf Linux erfolgen. Ja wie sie alle heißen: Libre Office, Open Office, Softmaker Office usw. alles nur rumgedadel. Man ärgert sich mehr mit dem nichtgelingen von Darstellungen als das man Freude an der benutzung hat. Ribbon Oberfläche hin oder her, wer über den Tellerrand mal geschaut hat, will nicht mehr zurück. Alle anderen Oberflächen empfinde ich persönlich mittlerweile als Krampf. Habe die 2013 Beta installiert und war überracht das ich bei der Textverarbeitung nach dem öffnen des Dokumentes gesagt bekam, wan ich das Dokument zuletzt bearbeitet habe und ob ich den an der letztbearbeiteten Stelle weiter machen wolle. So etwas bietet mir Libre, Open usw. Office nicht.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Libre Office, Open Office, Softmaker Office usw. alles nur rumgedadel."

    Softmaker Office ist ein ganz ausgezeichnetes Programmpaket und meiner Meinung nach als einziges dem Microsoft-Pendant ebenbürtig. Überdies ist es billiger und für verschiedene Plattformen, u.a. Android und Linux, verfügbar.
    Es ist schlank und schnell, auch auf etwas älterer Hardware, also das genaue Gegenteil von Open/Libre Office.

  5. Es stimmt nicht daß Skype das erste MS-Produkt für Linux ist.

    So gegen 1995 gabs den offiziellen Mediaplayer von Microsoft für Linux, mit statisch eingelinkten Codecs. Die Software diente mit drei Jahre lang zuverlässig um die damals gängigen Formate abzuspielen. Danach bekam ich das alte a.out Binary nicht mehr zum laufen.

    • Dunham
    • 11. Februar 2013 22:28 Uhr

    Wer nutzt denn noch ein Office auf dem PC? Bei mir ist alles online. Da ist es egal auf welchem System der Browser läuft.

    DH

    • malox
    • 12. Februar 2013 13:48 Uhr

    ...für den Lacher.
    Super Idee :-)

    Ansonsten fällt mir kein einziger Grund ein, warum ein Linux-User (inzwischen oftmals MS-geplagt und deshalb umgestiegen), ein käufliches Microsoft-Programm auf seinem Rechner installieren sollte.
    MS macht sich lächerlich.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Microsoft | Android | Apps | Blogger | Browser | Linux
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