MicrosoftZeitbombe Windows XP

Viele Unternehmen nutzen noch das uralte Betriebssystem Windows XP. Bald stellt Microsoft die Unterstützung dafür ein. Dann wird XP endgültig zum Sicherheitsrisiko. von Christof Kerkmann

Bill Gates auf der Präsentation von Windows XP im Oktober 2001

Bill Gates auf der Präsentation von Windows XP im Oktober 2001  |  © Shannon Stapleton/Reuters

Als Windows XP im Jahr 2001 auf den Markt kam, sah die Technikwelt noch anders aus: Während erste Manager und Banker auf Blackberrys herumtippten, legte Apple letzte Hand an den iPod. Kameras bannten die Fotos noch auf Zelluloid. Und weil die Dotcom-Blase gerade mit einem lauten Knall geplatzt war, hielt so mancher das Internet für ziemlich überschätzt.

Seitdem hat sich die Technikwelt rasant weiterentwickelt, sie ist vernetzter und mobiler geworden. Trotzdem setzen viele Unternehmen immer noch das Uralt-Betriebssystem von Microsoft ein. Was ihnen vermutlich nicht bewusst ist: Sie sitzen auf einer tickenden Zeitbombe. Denn Windows XP ist ein Sicherheitsrisiko.

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Die 2001 veröffentlichte Software ist für die Bedrohungen des Web-2.0-Zeitalters nicht ausgelegt. "Windows XP basiert auf einer Sicherheitsarchitektur, die nicht mehr den heutigen Anforderungen entspricht", sagt Oliver Gürtler, Chef der deutschen Windows-Sparte.

Noch dramatischer jedoch: Microsoft stoppt im April 2014 den Support und stopft ab dann keine Sicherheitslücken mehr. Wer das System dann immer noch nutzt, lädt Cyber-Angreifer quasi zum Einbruch ein. Mit jeder neu entdeckten Schwachstelle wird XP löchriger. "Extra-Support bekommen die Unternehmen von Microsoft nur noch gegen Gebühr", sagt Ragip Aydin, Gründer und Chef der Firma Raynet. Die Kosten seien erheblich.

Infektionsrate doppelt so hoch wie bei Windows 7

Schon jetzt ist das System anfällig. Im vergangenen Jahr waren fast 10 von 1.000 PCs mit Windows XP und der Erweiterung Service Pack 3 durch Viren verseucht, wie Microsoft im Oktober in seinem Sicherheitsbericht (pdf-Datei) mitteilte. Damit liegt die Infektionsrate doppelt so hoch wie bei Systemen mit Windows 7. Die Dunkelziffer ist vermutlich weitaus höher. Denn viele Nutzer haben die letzte Erweiterung nicht installiert – etwa weil sie eine illegale Kopie verwenden – und sind deswegen mit einen höchst anfälligen Computer im Internet unterwegs.

Doch der Umstieg ist nicht nur aus Sicherheitsgründen Pflicht. So sparen sich jetzt schon viele Hardware-Hersteller Treiber für das Uralt-System, so dass XP-Rechner beispielsweise aktuelle Druckermodelle nicht erkennen. Und auch viele Programme werden nur für die neueren Windows-Versionen geschrieben, darunter wichtige Anwendungen beispielsweise für die Personalplanung oder Produktsteuerung. Wenn Microsoft den Support einstellt, wird XP endgültig aufs Abstellgleis geschoben.

In einer – von Microsoft gesponserten – Studie kommt das Marktforschungsunternehmen IDC zu dem Ergebnis, dass die Kosten für das alte System von Jahr zu Jahr deutlich ansteigen, etwa weil die IT-Abteilung mehr damit zu tun hat und es durch Sicherheitsprobleme zu Ausfällen kommt.

Leserkommentare
  1. Vielleicht sollten sich die Leute von Microsoft mal fragen, wieso das so ist. Vielleicht, weil XP immer noch, nach 12 Jahren, abgesehen von Linux das Schnickschnack-freieste Betriebssystem ist, das einem als Nutzer nicht suggeriert, man wäre dem wahnwitzigen Smart-Technikhype hilflos ausgeliefert. Würde ich auch Windows 7 oder 8 umsteigen, dann hätte ich jeden Tag den Stress, dass mein Produkt morgen schon wieder totaler Mist ist, und dass ich von der ganzen Branche am Gängelband gehalten werde, mal davon abgesehen, dass heutige Innovationen mehr die Lust an überflüssigem Rotz befriedigen als funktionellen Fortschritt zu generieren, wenn er auch unbequem und unspektakulärer sein mag. Es würde sich auf lange Sicht auszahlen, wie man bei Windows XP deutlich sieht - irgendwann kommts halt raus, was sich wirklich bewährt.

    69 Leserempfehlungen
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    Da haben Sie recht!

    XP ist mir von allen Windows-Systemen immer noch das liebste und ich habe seit Win 3.1 damals in der Steinzeit mit allen Win-Versionen gearbeitet und z.T. auch arbeiten müssen.

    XP ist für ein MS-Programm relativ übersichtlich, beinahe frei von überschüssigem Programmbalast und bei Büro-Anwendungen bis heute unschlagbar einfach und übersichtlich zu bedienen, wenn man es mal mit anderen MS-Betriebssytemen vergleicht.

    Wenn Microsoft den Support einstellt - nun, dann werden auch die letzten beiden Rechner auf Linux umgestellt.

  2. 3. Win XP

    Da haben Sie recht!

    XP ist mir von allen Windows-Systemen immer noch das liebste und ich habe seit Win 3.1 damals in der Steinzeit mit allen Win-Versionen gearbeitet und z.T. auch arbeiten müssen.

    XP ist für ein MS-Programm relativ übersichtlich, beinahe frei von überschüssigem Programmbalast und bei Büro-Anwendungen bis heute unschlagbar einfach und übersichtlich zu bedienen, wenn man es mal mit anderen MS-Betriebssytemen vergleicht.

    Wenn Microsoft den Support einstellt - nun, dann werden auch die letzten beiden Rechner auf Linux umgestellt.

    33 Leserempfehlungen
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    ... schön wär's, wenn es eine Alternative wäre. Wenn aber der betreffende Rechner, was viele betreffen dürfte, ähnlich alt ist wie xp selbst, ist ein aktuelles Linux nicht brauchbar, es läuft so langsam daß vernünftiges Arbeiten unmöglich ist, Menüs öffnen sich erst nach mehreren Sekunden, man kann dabei zuschauen wie Fenster sich schrittweise aufbauen etc.
    Und ein älteres Linux nehmen? Dafür gibt es dann wieder nur veraltete Programm-Versionen.
    Man muss sich das klar machen: Auf dem uralten xp kann man bis heute mit wenigen Klicks aktuelle Software installieren. Aber auf einem 10 Monate alten Ubuntu gibt es schon wieder nicht mehr die aktuellen Programmversionen von z.B. Gimp, LibreOffice usw.
    Klar kriegt man das alles hin - mit Zeit, Basteln, vielen Fragen an die Community oder einem Freak im Bekanntenkreis, der in zwei Stunden installiert, was auf Windows zwei Klicks sind.
    Oder man nimmt eins der Spezial-Linuxe, die angeblich auf alter Hardware laufen sollen. Viel Spaß beim Basteln.

    (ein genervter Ex-Linuxfan)

  3. Die Kosten für einen Umstieg können es nicht sein. Microsoft hat schlicht versäumt einen einzigen vernünftigen Grund für einen Umstieg zu liefern. Es sind viele Versionen und auch Eigenschaften von Windows und Anwendungsprogrammen hinzugekommen, aber kein weiterer Nutzen - jedenfalls nicht für die Benutzer. Ob eine Tabelle oder ein Dokument auf einer Oberfläche mit bonbonfarbenem Stil erstellt wird oder ob Kacheln darauf ihr Unwesen treiben, interessiert niemanden und kann nicht wirklich verhüllen, das Windows im Kern technologischer Schnee von vorvorgestern ist.

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  4. Habe privat zwei PC mit XP und einen mit WINDOWS 8. Über letzteres kann ich nur schmunzeln. Die Bedienung ist sehr umständlich. Außerdem kommt es mir vor, wie ein trojanisches Pferd, mit dem man sich nervige Werbung ins Haus holt, die einem zum Kauf von Apps animieren soll. MS versucht offenbar die Kundenbindung trickreich zu erhöhen. Mir ist das lästig! Solange XP weiterhin gut funktioniert, bleibt es. Danach: Tschau Microsoft! Gibt ja auch noch Linux für Leute, die den PC als produktives Werkzeug sehen. Bisher war ich zu bequem mich damit zu befassen, aber wenn Microsoft mich dazu zwingt... ;-)

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    ... ist zumindest für die Ubuntu-Distributionen kein großer Akt. Ich habe Ubuntu vor fünf Jahren erstmals installiert, als ein neuer Laptop Vista vorinstalliert hatte, den man nicht für Geld und gute Worte auf XP umstellen konnte: Platte geputzt, Ubuntu installiert und ... – es läuft heute noch. Seitdem ist das kleine Redaktionsnetzwerk komplett auf Linux umgestellt. Für schwierige Fälle gibt's in erwähntem Uralt-Laptop eine VM mit XP ...

    Meinen nagelneuen Windows 8 Rechner haben mittlerweile meine Kinder, als Spielkiste und zum Skypen. Und selbst die regen sich auf, wenn Hamachi (Minecraft) alle Tage wieder neu installiert werden muss, was unter XP problemlos lief. Aber die bessere Grafik-Hardware hält sie bei der Stange :). Was Virenbefall usw. anbelangt, sehe ich dort allerdings keinen Fortschritt - gut, zugegeben, die Nutzung (Spiele, Spielserver usw.) ist auch alles andere als professionell.

  5. Habe mehrere Rechner mit Windows 7, Windows 8 und Windows XP Prof. Die Produktivsten davon sind nach wie vor meine beiden XP Prof. Rechner und mit denen werde ich solange es geht weiterarbeiten selbst dann, wenn ich sie dann vom Web abhängen müsste. Warum? Weil dort sehr teure Softwareinvestitionen problemlos laufen, was bei Windows 7 und 8 nicht der Fall ist. Dort müsste ich teure Upgrades kaufen, nur um den Status Quo zu erhalten.

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    Ja, der Artikel sagt ja auch nicht, das die Performance von XP schlecht ist, oder dass die neuen angenehmer zu bedienen sind, oder dass die neuen Anwendungsprogramme extrem vorteilhaft wären. Was der Artikel sagt, ist dass XP große Sicherheitslücken hat und da im moment viel über Cyberkriminalität berichtet wird, sollte jedem klar sein, dass das evtl. für Unternehmen ein wichtiger Punkt sein könnte. Das rechner die nicht am Netz sind, weiter gut mit XP laufen können/sollten wird ja nicht gesagt.

    Alle kommentare drehten sich bisher nur um das "never change a running system". Aber naja wenn Sicherheitslücken vorhanden sind läuft das System natürlich immernoch super, und der Trojaner im hintergrund freut sich auch.

    Gruß Philipp

    • ezoo
    • 11. Februar 2013 11:28 Uhr

    Ausschließlich Pro-Argumente, viel Panikmache. Dafür hat es bestimmt ne große Microsoft-Anzeige im Handelsblatt gegeben.

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  6. Warum auch sollte man auf ein neueres Windows umsteigen, wenn XP so zuverlässig funktioniert?
    Man kann nur hoffen, dass Microsoft bei seinem nächsten Betriebssystem daran denkt, dass manche Leute tatsächlich mehr als einen funkelnden Desktophintergrund im Sinn haben.

    14 Leserempfehlungen
    • hairy
    • 11. Februar 2013 10:57 Uhr

    Wer noch XP hat, sollte das behalten, solange es geht (freilich bei üblichen Sicherheitsvorkehrungen). Die Virenlast für XP wird kaum mehr steigen, da WIN 8 und RT und die anderen Tablett-Systeme mehr Hackeraufmerksamkeit abziehen dürften. In ein paar Jahren kann man dann schauen, welche Systeme dann genehm erscheinen. Es wird ja zB jetzt schon mehr und mehr nach Linux portiert, was früher die Domäne der kommerziellen Betriebssysteme war...

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