Was ist eigentlich aus Hermine geworden, der sprechenden Waschmaschine? Zehn Jahre ist es her, dass sie auf der Cebit, der jährlichen Messe für Informations- und Kommunikationstechnologie, ihren großen Auftritt hatte. Mit Hermine konnte man sich über Rotwein- und Kaugummiflecken unterhalten, Hermine fragte nach Wünschen und Waschprogrammen und nahm dienstbeflissen Anweisungen entgegen. 2003 konnten sie und ihre Erfinder sich in Hannover vor Interessenten kaum retten, Besucher und Presse umlagerten das eloquente Gerät.

Aber als die Messe vorbei war, war auch Hermines Zeit abgelaufen. "Die Maschine war ein Prototyp, den wir zusammen mit Bosch-Siemens entwickelt haben", sagt Thomas Bauer, Geschäftsführer von Speech Experts, einem Unternehmen für Sprachtechnologie aus Regensburg. "Das Partnerunternehmen hat sich nach einer allgemeinen Evaluation zur Spracherkennung damals leider nicht für eine Fortsetzung des Projekts entschieden."

Offenbar sehnte sich die Masse der Kunden doch nicht nach plaudernden Haushaltsgeräten. Die sprechende Waschmaschine kam nie auf den Markt.

Ist die Cebit ihrer Zeit voraus?

Hermine erging es damit ähnlich wie vielen Produkten, die jährlich auf der Cebit präsentiert werden. Auch das intelligente Kleidungsstück (vorgestellt auf der Cebit 2006), in das das Bedienfeld für einen MP3-Player bereits eingewebt war, schaffte nie den Marktdurchbruch. Genauso wenig wie der schlaue Teppich, der seinen eigenen Reinigungsroboter steuern konnte. Die Mikrowelle mit Internetanschluss ergatterte sich ebenfalls keinen bleibenden Platz in der Einbauküche.

Überhaupt sind die vielbeschworenen "Smart Home"-Technologien, die gern auch als Internet der Dinge firmieren und bei denen vom Kühlschrank bis zum Herd, vom Badezimmerspiegel bis zur Fußbodenheizung alles miteinander kommunizieren kann, bis heute allesamt nicht so recht in deutschen Haushalten angekommen. Ist die Cebit der Zeit einfach voraus – oder hinkt sie ihr vielleicht doch hinterher?

Seit Jahren ähneln sich in Hannover die "Megatrends": Gerätekonvergenz, Cloud Computing, Sicherheit, Internetfernsehen, schlaues Haus. Es sind immer dieselben Schlagworte, die von der Messe präsentiert werden.

Jedes Jahr ein klangvolles Motto

Dabei will die 1986 gegründete Cebit das zentrale Treffen der Branche sein: Showroom, Verkaufsplattform, Kontaktbörse  – und natürlich auch Zukunftslabor. Vor allem Letzteres hat man sich nach dem Relaunch 2007 noch größer auf die Fahnen geschrieben. Seitdem hat die Cebit jedes Jahr ein klangvolles denglisches Motto, von "Webciety" bis "Life in the Cloud", von "Connected Worlds" bis "Managing Trust". Trotzdem leidet die Messe, die mit dem Mobile World Congress in Barcelona und der CES in Las Vegas konkurriert, seit Jahren nicht nur unter sinkenden bzw. stagnierenden Aussteller- und Besucherzahlen, sondern auch an einem Mangel an inhaltlicher Strahlkraft.

"Im Grunde ist mein Eindruck von der Cebit jedes Jahr sehr ähnlich", sagt Thomas Bauer von Speech Experts. "Die Global Player stellen sich und ihre Produkte sehr groß dar." Was es dagegen kaum gäbe, seien Visionen.