Das Projekt News History findet gleiche Videos über einen Algorithmus. Die Grafik zeigt, bei welchen Videos es Gemeinsamkeiten gibt. © Fraunhofer IDMT

Wer heute nach einem Video mit Sonnenuntergang sucht, muss auf einen aussagekräftigen Dateinamen, eine Überschrift oder eine Beschreibung hoffen. Der Sonnenuntergang kann noch so schön gefilmt sein: Kein Programm dieser Erde könnte ihn allein aus einer Videodatei erkennen. Forscher vom Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie (IDMT) in Ilmenau arbeiten im europäischen CUbRIK-Projekt daran, das zu ändern. Auf der Cebit haben sie ihre Ergebnisse vorgestellt.

Eines dieser Ergebnisse heißt News History. Die Idee hinter News History ist es, Nachrichten-Videos vergleichbar zu machen. Die Software prüft, ob sie gleiche Bilder benutzen und kann anschließend eine Aussage darüber treffen, wie groß die Ähnlichkeit ist und wo welche Videoschnipsel im Einsatz sind.

Naheliegend, dass dieser Service vor allem Rechteinhaber der Videos interessiert. Es gibt aber noch eine weitere Anwendung: Redaktionen könnten mit News History die Glaubwürdigkeit von privaten Videos überprüfen. Während Revolutionen wie zuletzt der Arabellion tauchen solche Videos ständig auf. Oft sind Menschen vor Ort die einzigen, die Gewalt und Missstände bezeugen können. News History kann prüfen, ob es sich um ein neues Video handelt, oder ob das Video zusammengeschnitten, kopiert oder gekürzt wurde.

Jedes fünfte Bild analysiert

Die Arbeit verrichtet bei News History ein Algorithmus. In einem ersten Schritt pickt sich dieser jedes fünfte Bild heraus und fasst dessen wesentliche Merkmale zusammen. Das Neue daran ist, dass der Algorithmus jedes Bild wie ein Mensch betrachtet.

Unternehmen wie YouTube können schon heute ähnliche Videos finden. YouTube nutzt dafür ein sogenanntes Content-ID-Verfahren. Rechteinhaber von Musiktiteln oder Video schicken YouTube Kopien ihrer Werke. Aus diesen errechnet YouTube einen einmaligen Fingerabdruck des Inhalts. Laden Nutzer ein neues Video hoch, wird das mit den in der Datenbank gelagerten Fingerabdrücken verglichen. Stimmen die Fingerabdrücke überein, wird das Video gesperrt. So richtig gut funktioniert das noch nicht, weswegen YouTube nach Klagen über Fehlalarme den Prozess verändert hat. Nun schauen auch noch Menschen auf eventuelle Treffer.

Nicht alles ist gleich wichtig

Der Algorithmus von News History versucht, durch menschliche Augen zu sehen. Besonderen Wert legt er – wie es ein Mensch tun würde – zum Beispiel auf die Bildmitte. Auch auffällige Haufen von Bildpunkten bewertet der Algorithmus höher als vereinzelte Bildpunkte. Übersetzt: Große Gegenstände sind am Ende wichtiger als kleine. News History kann mit diesen und weiteren Entscheidungen gleiche Video-Abschnitte erkennen, selbst wenn darin unterschiedliche Senderlogos oder Bauchbinden für Texte vorkommen.

In einem zweiten Schritt wird das Ergebnis des Algorithmus mit anderen Videoschnipseln aus einer Datenbank abgeglichen. 

Auf der Cebit lief News History flüssig. Christian Weigel, einer der Forscher am IDMT, sieht genau darin auch den großen Fortschritt des Algorithmus: Es sei ihnen bei der Entwicklung wichtig gewesen, eine Balance zwischen Genauigkeit und Schnelligkeit zu erreichen, sagte Weigel.