Zahlen Sie bar oder mit Karte?“ fragt die Kassiererin. "Karte", sage ich und schiebe sie direkt in den Kartenleser neben der Kasse. Es folgt eine kurze Pause, in der Kassiererin und Kunde ins Leere blicken – schließlich entscheidet die Kasse, dass ich eine Unterschrift hinterlassen soll. Ich unterschreibe den Kassenzettel, die Kassiererin wirft einen kurzen, aber intensiven Blick darauf und wünscht: "Schönes Wochenende, Herr Kleinz."

Alltag an deutschen Kassen: EC-Karte und Unterschrift sind mittlerweile zu den gebräuchlichen Zahlungsmethoden geworden. Zwar zahlen die Deutschen immer noch in über der Hälfte der Fälle lieber mit Bargeld, aber beschleunigte Kartenleser und Bequemlichkeit sorgen für eine hohe Akzeptanz des Bezahlvorgangs.

Dass die Unterschrift im Handel akzeptiert wird, liegt nicht daran, dass es ein besonders sicheres Verfahren ist. Im Gegenteil: Der Kunde liefert jedem Dieb mit seiner Vergleichsunterschrift auf der Karte sogar eine perfekte Vorlage für eine Fälschung mit.

Trotzdem – oder gerade deshalb – will Alexander Nouak vom Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD) der Unterschrift neues Leben einhauchen. "Die Unterschrift ist ein akzeptiertes Verfahren: Die Leute sind es gewohnt, bei der Kartenzahlung an der Supermarktkasse zu unterschreiben." Dass sie nicht übermäßig sicher ist, will der Informatiker durch ein neues Verfahren ändern.

Der Schreibstil wird zum biometrischen Merkmal

Statt auf dem Kassenzettel sollen die Kunden künftig auf einem elektronischen Pad unterschreiben, wie man es von Banken oder Lieferdiensten kennt. Doch statt die Unterschriften ungelesen in den Datenbanken verschwinden zu lassen, wird sie in Nouaks System direkt mit der auf einer Kontokarte gespeicherten Musterunterschrift verglichen. Der Kniff: "Nicht das resultierende Schriftbild ist entscheidend – wir erfassen Faktoren wie die Dynamik, also die Geschwindigkeit und den Schwung der Unterschrift", erklärt Nouak. Die Unterschrift – oder vielmehr der Akt des Unterschreibens – wird damit zum biometrischen Merkmal.

Auf der Cebit hat das Fraunhofer-Institut einen Prototypen vorgestellt und will nun Gespräche mit potenziellen Investoren aufnehmen. Doch dass die biometrische Unterschrift mittelfristig in Supermärkten einziehen wird, ist unwahrscheinlich. Die Rewe-Gruppe hatte 2010 bereits das Bezahlen mit einem anderen biometrischen Merkmal getestet – dem Fingerabdruck. Durchgesetzt hat es sich nicht. In den Märkten tobt seit Jahren vielmehr der Kampf zwischen Unterschrift und PIN-Zahlung. Und die PIN hat gerade eine entscheidende Schlacht gewonnen.

Die Deutsche Kreditwirtschaft hat nämlich Ende Februar die Auszahlung von Geldbeträgen über den alten Magnetstreifen auf den Kontokarten beendet. "Die überwiegende Anzahl von Konto- und Kreditkarten ist inzwischen mit einem EMV-Chip ausgestattet", sagt Jörg Bernhauer vom Bundesverband deutscher Banken. Dieser hat erhöhte Sicherungsmerkmale. War es relativ einfach möglich, die Daten der Magnetstreifen zu kopieren und damit im Ausland Geldbeträge abzuheben, soll diese Sicherheitslücke international geschlossen werden. Die USA bereiten gerade den Umstieg vor, auch in Europa, Asien und Südamerika haben immer mehr Karten den Verschlüsselungschip. Und der funktioniert nun einmal mit einer PIN.

Bis 2016 bleibt die Zahlung mit Unterschrift möglich

Trotzdem wird die Unterschrift nicht sofort aussterben. Zumindest bis 2016 ist die Zahlung mit Unterschrift noch möglich. Der Vorteil für den Handel: Die Zahlung im sogenannten Elektronischen Lastschrift-Verfahren (ELV) ist wesentlich billiger. Wenn sich der Kunde mit einer PIN ausweist, verlangen die Banken einen Anteil am gezahlten Betrag. Dafür bieten sie garantierte Zahlungen: "Die Eingabe einer PIN ist eindeutig – entweder die PIN ist richtig oder sie ist falsch", sagt Bernhauer. "Bei Unterschriften ist dies nicht ganz so eindeutig."

Das will Nouak nicht gelten lassen. "Eine PIN findet man heraus, wenn man das will", sagt der Fraunhofer-Forscher. "Ich weiß gar nicht, wie viele PIN von Smartphones ich schon unbeabsichtigt mitbekommen habe." Doch gerade das Smartphone schickt sich gerade an, zum ultimativen Ersatz für Unterschrift und Kontokarte zu werden.