BezahlenDas Ende der Unterschrift

Forscher wollen die Unterschrift zum biometrischen Merkmal machen. Dennoch ist das ein Auslaufmodell. Auch der Staat will lieber mit elektronischen Signaturen arbeiten. von 

Bezahlen mit Fingerabdruck

Bezahlen mit Fingerabdruck – die Rewe-Gruppe testete das bereits im Jahr 2010.  |  © Oliver Berg / dpa

Zahlen Sie bar oder mit Karte?“ fragt die Kassiererin. "Karte", sage ich und schiebe sie direkt in den Kartenleser neben der Kasse. Es folgt eine kurze Pause, in der Kassiererin und Kunde ins Leere blicken – schließlich entscheidet die Kasse, dass ich eine Unterschrift hinterlassen soll. Ich unterschreibe den Kassenzettel, die Kassiererin wirft einen kurzen, aber intensiven Blick darauf und wünscht: "Schönes Wochenende, Herr Kleinz."

Alltag an deutschen Kassen: EC-Karte und Unterschrift sind mittlerweile zu den gebräuchlichen Zahlungsmethoden geworden. Zwar zahlen die Deutschen immer noch in über der Hälfte der Fälle lieber mit Bargeld, aber beschleunigte Kartenleser und Bequemlichkeit sorgen für eine hohe Akzeptanz des Bezahlvorgangs.

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Dass die Unterschrift im Handel akzeptiert wird, liegt nicht daran, dass es ein besonders sicheres Verfahren ist. Im Gegenteil: Der Kunde liefert jedem Dieb mit seiner Vergleichsunterschrift auf der Karte sogar eine perfekte Vorlage für eine Fälschung mit.

Trotzdem – oder gerade deshalb – will Alexander Nouak vom Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD) der Unterschrift neues Leben einhauchen. "Die Unterschrift ist ein akzeptiertes Verfahren: Die Leute sind es gewohnt, bei der Kartenzahlung an der Supermarktkasse zu unterschreiben." Dass sie nicht übermäßig sicher ist, will der Informatiker durch ein neues Verfahren ändern.

Der Schreibstil wird zum biometrischen Merkmal

Statt auf dem Kassenzettel sollen die Kunden künftig auf einem elektronischen Pad unterschreiben, wie man es von Banken oder Lieferdiensten kennt. Doch statt die Unterschriften ungelesen in den Datenbanken verschwinden zu lassen, wird sie in Nouaks System direkt mit der auf einer Kontokarte gespeicherten Musterunterschrift verglichen. Der Kniff: "Nicht das resultierende Schriftbild ist entscheidend – wir erfassen Faktoren wie die Dynamik, also die Geschwindigkeit und den Schwung der Unterschrift", erklärt Nouak. Die Unterschrift – oder vielmehr der Akt des Unterschreibens – wird damit zum biometrischen Merkmal.

Auf der Cebit hat das Fraunhofer-Institut einen Prototypen vorgestellt und will nun Gespräche mit potenziellen Investoren aufnehmen. Doch dass die biometrische Unterschrift mittelfristig in Supermärkten einziehen wird, ist unwahrscheinlich. Die Rewe-Gruppe hatte 2010 bereits das Bezahlen mit einem anderen biometrischen Merkmal getestet – dem Fingerabdruck. Durchgesetzt hat es sich nicht. In den Märkten tobt seit Jahren vielmehr der Kampf zwischen Unterschrift und PIN-Zahlung. Und die PIN hat gerade eine entscheidende Schlacht gewonnen.

Die Deutsche Kreditwirtschaft hat nämlich Ende Februar die Auszahlung von Geldbeträgen über den alten Magnetstreifen auf den Kontokarten beendet. "Die überwiegende Anzahl von Konto- und Kreditkarten ist inzwischen mit einem EMV-Chip ausgestattet", sagt Jörg Bernhauer vom Bundesverband deutscher Banken. Dieser hat erhöhte Sicherungsmerkmale. War es relativ einfach möglich, die Daten der Magnetstreifen zu kopieren und damit im Ausland Geldbeträge abzuheben, soll diese Sicherheitslücke international geschlossen werden. Die USA bereiten gerade den Umstieg vor, auch in Europa, Asien und Südamerika haben immer mehr Karten den Verschlüsselungschip. Und der funktioniert nun einmal mit einer PIN.

Bis 2016 bleibt die Zahlung mit Unterschrift möglich

Trotzdem wird die Unterschrift nicht sofort aussterben. Zumindest bis 2016 ist die Zahlung mit Unterschrift noch möglich. Der Vorteil für den Handel: Die Zahlung im sogenannten Elektronischen Lastschrift-Verfahren (ELV) ist wesentlich billiger. Wenn sich der Kunde mit einer PIN ausweist, verlangen die Banken einen Anteil am gezahlten Betrag. Dafür bieten sie garantierte Zahlungen: "Die Eingabe einer PIN ist eindeutig – entweder die PIN ist richtig oder sie ist falsch", sagt Bernhauer. "Bei Unterschriften ist dies nicht ganz so eindeutig."

Das will Nouak nicht gelten lassen. "Eine PIN findet man heraus, wenn man das will", sagt der Fraunhofer-Forscher. "Ich weiß gar nicht, wie viele PIN von Smartphones ich schon unbeabsichtigt mitbekommen habe." Doch gerade das Smartphone schickt sich gerade an, zum ultimativen Ersatz für Unterschrift und Kontokarte zu werden.

Leserkommentare
  1. Sehr witzig. Haben sie schon mal versucht mit Gipsarm, fortgeschrittener Gicht oder klamm gefrorenen Fingern eine schwungvoll flotte Unterschrift hinzulegen. Auch alte Leute krakeln oft, weils halt nicht mehr so schwungvoll geht.

    Na ja! Scheint ja eh nichts zu werden, was soll's...

  2. "Auch der Staat will lieber mit elektronischen Signaturen arbeiten"
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    Na klar, nur so ließe sich jeder Einkauf des Michels in einer Datenbank speichern, und nur so könnte man die möglichkeit unterschreiben zu können per Knopfdruck deaktivieren.
    Der Staat träumt nämlich auch von Elektronischer Deaktivierung seiner Untertanen.

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  3. ...zum bitteren Ende!

    Mich regen diese "Kartenhanswürste" auf, wenn sie Einkäufe von unter 20 Euro haben, und dann "wichtig" mit einer Karte herumhantieren....

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    hatte grade eben bei einem Einkauf so einen hoffnungslosen Fall,die Dame hatte beim Bezahlen an der Kasse in einem Stapel von schätzungsweise 15 Kärtchen gewühlt um die richtige zu finden
    zu guter Letzt aber,mit Blick auf die finsteren Mienen in der Warteschlange entnervt aufgegeben und bar bezahlt

    <em>„Mich regen diese "Kartenhanswürste" auf, wenn sie Einkäufe von unter 20 Euro haben, und dann "wichtig" mit einer Karte herumhantieren...“</em>

    Da haben Sie mich ertappt! Ich wusste nämlich gar nichts von der 20-Euro-Grenze und zahle auch oft Einkäufe von unter 20 Euro mit Karte. Z.B. wenn ich nicht mehr genug Bargeld dabei habe oder es mir für einen anschließenden Einkauf aufsparen will. Das geht im Durchschnitt ohnehin schneller als mit Bargeld (es sei denn, man versucht nie, einigermaßen passend zu zahlen bzw. hat nie Beträge zu zahlen, die höher sind als die Nennwerte der einzelnen Münzen/Banknoten). Und zwar unabhängig von der Summe: Ob ich 18,83 oder 200 Euro bezahle, der Vorgang dauert – im Gegensatz zur Barzahlung – immer exakt gleich lang.

    Zum zweiten Punkt: Ich erinnere mich kaum noch an eine Zeit, in der <em>nicht</em> jeder Inhaber eines Girokontos eine Debitkarte hatte, mit der in Deutschland gefühlt 99% aller bargeldlosen Zahlungen getätigt werden (statistische Lebensmitte überschritten, Junger-Schnösel-Vorwurf also bitte steckenlassen. ;) ) Wenn ich mich an der Supermarktkasse also „wichtigmachen“ will, ist Herumhantieren mit einer Karte daher sicher nicht das Mittel der Wahl...

    • LexiK
    • 27. März 2013 13:02 Uhr

    Ich mache einen kleinen Einkauf, weil zu Hause ein paar Lebensmittel.
    Die Kasse sagt 12,78€.
    Einen Zehn-Euro-Schein finde ich noch im Portmonee.
    Bei 2€-Stücken hapert es schon.
    Aber ich krame ein 1€-Stück heraus, finde noch zwischen dem ganzen Kupferkram zwei 50-Cent-Münzen.
    Drei 20-Cent-Münzen bringen mich weiter an den gewünschten Betrag heran.
    Nach zwei weiteren 5-Cent-Münzen fehlen nur noch 8 Cent, vorausgesetzt ich habe mich nicht verzählt oder vergriffen, was schon einmal vorkommen kann, wenn jemand nach mir schon ungeduldig mit den Augen rollt.

    Ich finde noch drei 2-Cent-Münzen und bin mir sicher, dass Sie, dschugaschwili, jetzt liebend gerne hinter mir stehen möchten.
    Nachdem ich noch zwei 1-Cent-Münzen hingelegt habe, packe ich meine Einkäufe ein, bin froh, dass mein Portmonee um einiges quasi wertloses Gewicht erleichtert wurde und gehe zum Ausgang.
    Und jetzt dürfen Sie gern in bar zahlen. Zahlen Sie ihren Minieinkauf mit einem simplen 20€-Schein?
    Dann wünsche ich ich Ihnen viel Spaß mit meinem Kupfer.

  4. Genau, solche Leute wollen Sie sicher beeindrucken, weil sie eine EC-Karte haben und wichtig sind. Was regt Sie denn noch so auf, Herr Stalin?

    Ich denke, dass die Unterschrift in mittlerer Zukunft nicht mehr als rechstgültig gelten kann, weil es fälschungssicherere Methoden geben wird/muss.

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    ...Kreditkarte, aber ich bin immer in der Lage kleine Einkäufe bar zu bezahlen.
    Meist sind diese "Kartenhanswürste" auch noch "Bremser" in der Schlange...

    • micold
    • 25. März 2013 16:40 Uhr

    ... der Bürger dann machen, wenn es kein Bargeld mehr gibt, keine Unterschrift akzeptiert wird und es einen mehrtägigen Stromausfall gibt?

    Und wie erkennt der Staat, dass man im Keller ein kleines Gerät hat, dass die elektronische Geldkarte immer wieder auflädt, ganz ohne Bank ...

  5. hatte grade eben bei einem Einkauf so einen hoffnungslosen Fall,die Dame hatte beim Bezahlen an der Kasse in einem Stapel von schätzungsweise 15 Kärtchen gewühlt um die richtige zu finden
    zu guter Letzt aber,mit Blick auf die finsteren Mienen in der Warteschlange entnervt aufgegeben und bar bezahlt

    Antwort auf "Bargeldzahler bis..."
  6. ...Kreditkarte, aber ich bin immer in der Lage kleine Einkäufe bar zu bezahlen.
    Meist sind diese "Kartenhanswürste" auch noch "Bremser" in der Schlange...

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    <em>„Meist sind diese "Kartenhanswürste" auch noch "Bremser" in der Schlange...“</em>

    Nee, sind sie „meist“ nicht. Eher wird von Leuten gebremst, die sich bewusst als jemand in Szene setzen wollen, der/die aus Prinzip „immer in der Lage [ist], kleine Einkäufe bar zu bezahlen“, indem ungerade Beträge möglichst zeremoniell passend bezahlt werden. (vgl. http://vimeo.com/tocotronic/jackpot#t=76)

    Nun ist meine subjektive Wahrnehmung nicht per se richtiger als Ihre. Aber der Einzelhandel bietet Kartenzahlungen m.W. nicht nur aus reiner Freundlichkeit gegenüber wichtigtuerischen „Kartenhanswürsten“ an, oder weil er notleidende Banken freiwillig mit den anfallenden Gebühren unterstützen möchte – sondern weil ihm das einen monetären Vorteil bringt. Und der ergibt sich nicht nur dadurch, dass weniger Wechselgeld parat gehalten werden muss, sondern auch dadurch, dass mehr Kunden in der gleichen Zeit abkassiert werden können.

  7. <em>„Mich regen diese "Kartenhanswürste" auf, wenn sie Einkäufe von unter 20 Euro haben, und dann "wichtig" mit einer Karte herumhantieren...“</em>

    Da haben Sie mich ertappt! Ich wusste nämlich gar nichts von der 20-Euro-Grenze und zahle auch oft Einkäufe von unter 20 Euro mit Karte. Z.B. wenn ich nicht mehr genug Bargeld dabei habe oder es mir für einen anschließenden Einkauf aufsparen will. Das geht im Durchschnitt ohnehin schneller als mit Bargeld (es sei denn, man versucht nie, einigermaßen passend zu zahlen bzw. hat nie Beträge zu zahlen, die höher sind als die Nennwerte der einzelnen Münzen/Banknoten). Und zwar unabhängig von der Summe: Ob ich 18,83 oder 200 Euro bezahle, der Vorgang dauert – im Gegensatz zur Barzahlung – immer exakt gleich lang.

    Zum zweiten Punkt: Ich erinnere mich kaum noch an eine Zeit, in der <em>nicht</em> jeder Inhaber eines Girokontos eine Debitkarte hatte, mit der in Deutschland gefühlt 99% aller bargeldlosen Zahlungen getätigt werden (statistische Lebensmitte überschritten, Junger-Schnösel-Vorwurf also bitte steckenlassen. ;) ) Wenn ich mich an der Supermarktkasse also „wichtigmachen“ will, ist Herumhantieren mit einer Karte daher sicher nicht das Mittel der Wahl...

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    Antwort auf "Bargeldzahler bis..."

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