WerbungBenachteiligt Facebook jene, die nichts zahlen?

Wer seine Inhalte auf Facebook teilt, liefert sich einem undurchschaubaren System aus. Facebook sagt nämlich nicht, was es wem zeigt.

Bei Google gefunden zu werden, bedeutet im Zweifel bares Geld. Seit Jahren hat Google daher auch Klagen am Hacken, das Unternehmen manipuliere die Suche zum eigenen Vorteil. Entsprechende Ermittlungen der Wettbewerbsbehörde FCC wurden inzwischen eingestellt, weil Google Besserung versprach. Gegen Facebook hingegen wurde nie ein Wettbewerbsverfahren eröffnet. Dabei macht das Netzwerk genau das Gleiche – möglicherweise, denn Beweise gibt es nicht, nur Indizien.

Nick Bilton beschreibt im Bits-Blog der New York Times, dass Facebook seine Postings versteckt. Bilton betreibt eine Facebook-Seite, die inzwischen fast 400.000 Fans hat, Tendenz steigend. Doch statt für seine dort verbreiteten Geschichten mehr und mehr Likes zu sammeln, wie es zu erwarten wäre, würden es immer weniger.

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Seine Theorie: Facebook zeige seine Einträge weniger Leuten, um andere Postings attraktiver erscheinen zu lassen – bezahlte Geschichten. Wer mehr Aufmerksamkeit für seine Inhalte bekommen will, kann Facebook Geld überweisen. Solche promoted posts kosten sieben Dollar pro Stück.

1.000 Prozent mehr Interaktionen

Bilton hat es ausprobiert und das Geld bezahlt. Er schreibt: "Zu meiner Überraschung nahm die Interaktion auf einen Link, den ich gepostet hatte, um 1.000 Prozent zu – innerhalb weniger Stunden bekam er 130 Likes und wurde 30 Mal weiterverbreitet. Es scheint, dass Facebook meine Links nicht nur prominenter anzeigt, wenn ich dafür bezahle, sondern dass möglicherweise auch jene, für die ich nicht bezahlt habe, unterdrückt werden."

Das klingt plausibel. Beziehungsweise wäre es ein nachvollziehbares Vorgehen, wenn man annimmt, dass Facebook bezahlte Postings um jeden Preis bewerben will. Doch wäre das auch durchaus riskant. Bilton schreibt, dass er sich leicht betrogen ("slightly duped") fühlt. Anderen würde es sicher ähnlich gehen.

Allerdings muss Biltons Vermutung nicht stimmen. Dass seine Postings weniger Aufmerksamkeit bekommen, könnte auch daran liegen, dass inzwischen viel mehr Dinge via Facebook verbreitet werden als früher, die Nutzer aber nicht mehr Zeit mit ihrer Timeline verbringen. Klar, dass die einzelne Geschichte dann weniger beachtet wird, trotz gestiegener Nutzerzahl.

Hunter Walk, Produktmanager bei YouTube, ist ein Verfechter dieser Theorie, wie er in seinem Blog schreibt. Außerdem hat er noch zwei andere. Zum einen sei Facebook besser geworden, wenn es darum gehe, Spam zu filtern – die hohen Like-Zahlen früherer Posts könne auch durch Spam-Accounts verursacht worden sein. Zum anderen gebe es inzwischen ziemlich viel bezahlte Werbung und bezahlte Postings, wodurch normale Meldungen in der Timeline nach unten gedrückt würden.

Leser-Kommentare
  1. Manchmal gibts auch gezielte Lügen.
    Da gibts ja z.B. dieses Email-Account durchsuchen, wo man sein Passwort eingibt und Facebook dann nach Freunden sucht:
    Ich habe von einem anderen Account gesehen, dass unter dieser Werbung stand, dass ich sowas benutzen würde und dies deshalb meinem Kollegen empfohlen wird! Eine Unverschämtheit!

    6 Leser-Empfehlungen
  2. Was soll hier hacken oder gehackt werden???

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    ...kann so einfach sein und man muss nicht mal Denglisch können: http://www.duden.de/recht...

    ...kann so einfach sein und man muss nicht mal Denglisch können: http://www.duden.de/recht...

  3. ...kann so einfach sein und man muss nicht mal Denglisch können: http://www.duden.de/recht...

    2 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf ""Klagen am Hacken""
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    Vielen Dank für die Aufklärung :)

    Vielen Dank für die Aufklärung :)

    • rsi99
    • 04.03.2013 um 20:49 Uhr

    jeder arbeitet lieber für diejenigen, die gut zahlen. Ein solches Priorisieren würde mich nicht verwundern. Würde jeder normale Mensch so machen.

    2 Leser-Empfehlungen
  4. Vielen Dank für die Aufklärung :)

  5. "Allerdings muss Biltons Vermutung nicht stimmen."

    Es gibt darüber schon zig Berichte und es seit der Einführung der Bezahl Inhalte wohl so, daß nur noch ca 1/4 aller "Fans" die Postings angezeigt bekommt, wenn nicht dafür bezahlt wurde.

  6. Diese Leute benutzen einen *kostenlosen* Service und beschweren sich dann, dass sie mit den Konditionen nicht einverstanden sind? Entweder oder Freundchen!

    2 Leser-Empfehlungen
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    Facebook ist alles, aber NICHT kostenlos.

    JEDER Benutzer zahlt - zwar nicht zwingend monetär in Form von Bankeinzug, Kreditkarte oder derlei, dafür aber sehr wohl mindestens mit seinen personenbezogenen Daten und den Spuren, die er, einmal in Facebook eingeloggt, so im Netz hinterlässt, damit ein perfektes Beispiel von "gläserner Kunde" bietet.

    Diese Daten, die man an Facebook bezahlt, sind auch der Grund, warum die Aktie überhaupt einen Heller wert ist. Eben weil Facebook eine schiere MASSE an Daten hat, nach denen sich Marketingexperten auf der ganzen Welt geifernd die Finger lecken.

    Facebook ist alles, aber NICHT kostenlos.

    JEDER Benutzer zahlt - zwar nicht zwingend monetär in Form von Bankeinzug, Kreditkarte oder derlei, dafür aber sehr wohl mindestens mit seinen personenbezogenen Daten und den Spuren, die er, einmal in Facebook eingeloggt, so im Netz hinterlässt, damit ein perfektes Beispiel von "gläserner Kunde" bietet.

    Diese Daten, die man an Facebook bezahlt, sind auch der Grund, warum die Aktie überhaupt einen Heller wert ist. Eben weil Facebook eine schiere MASSE an Daten hat, nach denen sich Marketingexperten auf der ganzen Welt geifernd die Finger lecken.

    • LE7
    • 04.03.2013 um 22:22 Uhr

    Viel schlimmer finde ich, dass Facebook anscheinend auch die Einträge normaler Freunde für einen vorfiltert. Ich möchte selbst bestimmen, wer mich interessiert und wer nicht und das nicht von einem seltsamen Algorithmus vorgeschrieben bekommen. Facebook muss aufpassen ihre jahrelangen Nutzer nicht mit ihren Verschlimmbesserungen zu vergraulen.

    Eine Leser-Empfehlung
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    ...die Nutzergemeinde scheint da außerordentlich resistent zu sein.

    Die unsägliche Timeline, die kryptischen Newsfeed-Vorsortier-Algorithmen, ein verschlimmbesserter Chat und immer weniger Privatsphäre, die weggenommene Möglichkeit der Nutzerpartizipation, Werbung, Werbung, Werbung und viele weitere Ärgernisse - die Leute machen alles brav mit, und die wenigsten haben die Cojones, ihren Account zu löschen.
    Was mich immer wieder überrascht: Leute, die es (z.B. angesichts akademischer Bildung) besser wissen müssten, posten jeden - pardon! - Dreck dort. Gleichgültig ob intim oder oberflächlich, freilich immer wieder phänomenal uninteressant, Hauptsache: gepostet!
    Viele sind nicht einmal mehr in der Lage, über etwas anderes als Facebook Kontakt zu halten. Sie haben Telefonnummern, Mailadressen, Instant-Messenger-ID - aber ohne Facebook läuft da gar nichts...
    Ebenso haben viele (vor allem kleinere) Bands u.ä. gar keine Website mehr, auf der sie Neuigkeiten ankündigen, sondern nur noch ein Facebookprofil. Auch klassische Foren und Communities sind out, diskutiert wird - na, wo? Genau. Und Team-Lehrveranstaltungen per Mail, Telefon oder persönlich besprechen? Nein! Dazu braucht's eine Facebookgruppe! (Aus diesem kühlen Grunde habe ich ein Fakeprofil. Und ich hasse es.)

    Kurz: die Abhängigkeit wächst, die Schmerzgrenze scheint immer noch nicht erreicht, und ich bin mir noch nicht sicher: finde ich diese Entwicklung traurig, armselig, beängstigend oder doch einfach nur denkwürdig?

    ...die Nutzergemeinde scheint da außerordentlich resistent zu sein.

    Die unsägliche Timeline, die kryptischen Newsfeed-Vorsortier-Algorithmen, ein verschlimmbesserter Chat und immer weniger Privatsphäre, die weggenommene Möglichkeit der Nutzerpartizipation, Werbung, Werbung, Werbung und viele weitere Ärgernisse - die Leute machen alles brav mit, und die wenigsten haben die Cojones, ihren Account zu löschen.
    Was mich immer wieder überrascht: Leute, die es (z.B. angesichts akademischer Bildung) besser wissen müssten, posten jeden - pardon! - Dreck dort. Gleichgültig ob intim oder oberflächlich, freilich immer wieder phänomenal uninteressant, Hauptsache: gepostet!
    Viele sind nicht einmal mehr in der Lage, über etwas anderes als Facebook Kontakt zu halten. Sie haben Telefonnummern, Mailadressen, Instant-Messenger-ID - aber ohne Facebook läuft da gar nichts...
    Ebenso haben viele (vor allem kleinere) Bands u.ä. gar keine Website mehr, auf der sie Neuigkeiten ankündigen, sondern nur noch ein Facebookprofil. Auch klassische Foren und Communities sind out, diskutiert wird - na, wo? Genau. Und Team-Lehrveranstaltungen per Mail, Telefon oder persönlich besprechen? Nein! Dazu braucht's eine Facebookgruppe! (Aus diesem kühlen Grunde habe ich ein Fakeprofil. Und ich hasse es.)

    Kurz: die Abhängigkeit wächst, die Schmerzgrenze scheint immer noch nicht erreicht, und ich bin mir noch nicht sicher: finde ich diese Entwicklung traurig, armselig, beängstigend oder doch einfach nur denkwürdig?

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