Gibt es einen Luke Skywalker, eine Prinzessin Leia und einen Han Solo auch in der deutschen Netzpolitik? © dpa-Film Fox

Der Bundesrat hat das Leistungsschutzrecht durchgewunken, eine Handvoll Bundestagabgeordneter beschlossen in 30 Minuten das Bestandsdatengesetz – es war eine schwarze Woche für die deutsche Netzpolitik. Das finden zumindest diejenigen, die sich dank Sascha Lobo nun wieder Netzgemeinde nennen.

Lobo schrieb darüber, dass eben diese Netzgemeinde neue Konzepte braucht, wenn sie erreichen will, dass Netzpolitik in Deutschland eine Rolle spielt. Sein Blogpost fand viel Zuspruch und viel Kritik, offensichtlich hat Lobo einen Nerv getroffen.

Am Ende dieser schwarzen Woche lief mal wieder die Star-Wars-Trilogie im Fernsehen. Auch dort kämpft eine schwache, zusammengewürfelte Truppe gegen das unbesiegbar scheinende Imperium. Und gewinnt. Taugt die Saga vielleicht als Blaupause für den Kampf der Netzaktivisten? Es gibt zumindest gewisse Parallelen.

Um nicht mit "Es war einmal vor langer, langer Zeit ..." anfangen zu müssen: Der erste Teil der Krieg-der-Sterne-Reihe hat den Untertitel Eine neue Hoffnung. Er endet mit einem Sieg der Rebellen, mit der Explosion des sogenannten Todessterns. Acta war der Todesstern der jüngeren Netzpolitik-Geschichte. Die Rebellen haben seine geheimen Baupläne abgefangen und ihn zerstört. So weit, so vergleichbar.

Kommen wir zum Personal. Wer ist der Darth Vader der deutschen Netzpolitik? Vom Vokabular her ("Ihr werdet den Kampf verlieren") ist es wohl der CDU-Bundestagabgeordnete Ansgar Heveling. Aber Darth Heveling? Nicht wirklich. Darth Hans-PeterNoooooo! Es braucht einen würdigen Bösewicht, um Rebellen zu vereinen. Wo ist eigentlich Wolfgang Schäuble, wenn man ihn braucht?

Wookiees gibt es im Internet genug

Auch die helle Seite der Macht hat ein Personalproblem. Wer siegen will, braucht Helden. Man muss kein George Lucas sein, um das zu erkennen. Zwar gibt es genug brüllende, haarige Wookiees unter den Netz-Rebellen. Aber ein Luke Skywalker oder ein Han Solo sind nicht zu sehen.

Ein paar Kandidaten gäbe es. Doch sobald Luke Beckedahl und Han Lobo einen Führungsanspruch formulieren würden, käme es zur Rebellion innerhalb der Rebellion. Die Community tut sich schwer mit Anführern. Sie glaubt, das Thema allein, das sachliche Argument müsse im Kampf gegen den Unsinn ausreichen. Doch was nützt ein Laserschwert, wenn kein Jedi da ist, der es schwingt?

Dass die Guten auch mal auf die Mütze bekommen, ist dabei keine Schande. Im Gegenteil, es gehört zum Heldenmythos dazu. So wie es den Rebellen in Das Imperium schlägt zurück ergeht, so ergeht es derzeit auch der Netzgemei... der "amorphen, im Kern jedoch überraschend meinungskonsistenten Interessengruppe, die sich aus persönlichem Interesse um Netzpolitik und Netzgesellschaft kümmert und deren Priorität die Erhaltung und Weiterentwicklung des freien, offenen Internet ist", wie es Lobo so griffig zusammenfasst. Das Leistungsschutzrecht war die netzpolitische Schlacht auf dem Eisplaneten Berlin, der im Film Hoth heißt, und diese Schlacht ging wie im Film verloren. Die Rebellen haben tapfer gekämpft, aber am Ende wurden sie einfach überrannt.

Die Ewoks der Netzpolitik

Der letzte Teil der Filmtrilogie heißt Die Rückkehr der Jedi-Ritter. Am Ende jagen die Guten einen weiteren Todesstern in die Luft. Ziele gäbe es in der Netzpolitik genug: die immer noch drohende Vorratsdatenspeicherung zum Beispiel oder das Passagierdatenabkommen, die Netzneutralität, die weiterhin nirgendwo verankert ist, oder die anstehende EU-Datenschutzgrundverordnung.

Allerdings sollten sich die Netzrebellen Verbündete suchen, wie es auch Lobo fordert. Denn die Jedi im Film schaffen es auch nicht allein. Nur wer sollen die Ewoks der Netzpolitik sein? Beim Gedanken an eine Gruppe schlecht bewaffneter Wesen von einem anderen Stern kommen einem natürlich schnell die Piraten in den Sinn.

Lobo aber sagt: Deine Mutter. Also diejenigen, die sich nicht jeden Tag mit Netzpolitik beschäftigen und denen man den Wert eines offenen, freien Internets erklären muss, damit sie auch dafür kämpfen wollen.