InternetkriminalitätWer haftet, wenn die Cloud alles vergisst?

Millionen parken bei Cloud-Diensten wie Dropbox ihre Daten. Doch sollten Nutzer immer Sicherungskopien anlegen, denn im Zweifel haftet der Betreiber nicht für Verluste. von 

Die Deutsche Telekom wirbt auf der Cebit 2012 für Cloud-Lösungen.

Die Deutsche Telekom wirbt auf der Cebit 2012 für Cloud-Lösungen.  |  © Peter Steffen / picture alliance / dpa

Anfang März meldete der Notizspeicher-Dienst Evernote einen Einbruch in seine Server. Hacker kopierten 50 Millionen Nutzernamen, E-Mail-Adressen und Passwörter. Der große Datenklau blieb nur aus, weil Evernote die Passwörter seiner Kunden verschlüsselt speichert – wenn auch recht einfach. Doch der Fall zeigt das Risiko der ganzen Cloud-Computing-Branche, die davon lebt, Daten ihrer Kunden zu speichern.

Cloud-Computing ist praktisch. Ob Evernote, Dropbox oder GoogleDrive, wer seine Daten bei solchen Diensten hochlädt, kann sie von überall her abrufen, solange er einen Internetzugang hat. Das ist gerade für Menschen komfortabel, die mit unterschiedlichen Geräten und Betriebssystemen arbeiten.

Anzeige

Neben Komfort birgt Cloud-Computing aber eben auch Risiken. Wer seine Daten auf fremden Servern speichert, gibt Kontrolle ab. Wer also hat die Verantwortung für die Daten, wenn sie auf fremden Servern liegen? Wer muss einstehen, wenn sie verloren gehen, wenn sie verändert werden? Der Nutzer, der Anbieter oder der Betreiber der Serverfarm?

In der Regel lehnen die Anbieter jede Haftung ab – selbst im Falle von Datenverlust. Es ist etwa nach den Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Evernote egal, wie Evernote einen Schaden verursacht hat, haften muss das Unternehmen dafür nicht. Evernote schreibt, man garantiere nicht für die Sicherheit des Dienstes, Kunden würden ihn auf eigene Gefahr nutzen. So ähnlich formulieren es auch die Cloud-Anbieter GoogleDrive, iCloud und Dropbox.

Welches Recht gilt überhaupt?

Nach deutschem Recht können Anbieter ihre Haftung allerdings nur begrenzen, wenn sie frei von Schuld oder leicht fahrlässig handeln. Geschieht etwas absichtlich oder grob fahrlässig, haften sie nach deutschem Recht weiter, auch wenn in den Geschäftsbedingungen etwas anderes steht. Skydrive und Evernote erklären das deutsche Recht ausdrücklich für anwendbar. Das heißt, die Haftungsausschlüsse, wie sie in den AGBs von Evernote formuliert sind, gelten nicht.

Schwieriger wird es, wenn Anbieter das deutsche Recht nicht anwenden. Bei einer Firma mit Sitz innerhalb der Europäischen Union gilt vereinfacht das Recht des Landes, in dem der Verbraucher sitzt. Das geht aus der Rom-I-Verordnung hervor. Allerdings enthält diese Verordnung für Dienstleistungsverträge eine Ausnahme. Wenn Verträge mit Cloud-Anbietern Dienstleistungsverträge sind, könnte es also kompliziert werden.

Jens Ferner ist Rechtsanwalt für IT-Recht. Er sagt, Cloud-Verträge lassen sich nicht einfach einer Vertragsart zuordnen: "Das sind meist Mischverträge. Es wird innerhalb Europas entscheidend darauf ankommen, an welchen Verbraucherkreis sich das Cloud-Angebot richtet. Danach bestimmt sich dann der Gerichtsstand." Wer also auf einer französischen Seite einen Server für seine Daten sucht, der wird im Zweifel seine Rechte vor einem französischen Gericht verteidigen müssen. So sind die Regeln in Europa.

Wer dagegen mit Firmen außerhalb Europas einen Cloud-Vertrag abschließt, muss seine Ansprüche in der Regel in Amerika durchsetzen. Das ist kompliziert, denn jeder der 50 US-Bundesstaaten hat eigene Gesetze, wie er mit derartigen Streitigkeiten verfährt. Bei iCloud von Apple und Skydrive von Microsoft verweisen die Konzerne in ihren Geschäftsbedingungen auf das Recht des Verbraucher-Wohnsitzes. Ansprüche der Verbraucher könnten dann vor deutschen Gerichten durchgesetzt werden.

Leserkommentare
  1. ... als "Klaut".

    4 Leserempfehlungen
  2. ... geschehen auf der heimischen Festplatte. Meines Wissens ist einem der 'Großen' noch nie ein wirklicher Datenverlust unterlaufen. Aber klar, das ist natürlich keine Meldung wert.

    By the way: Was der Einbruch bei Evernote mit Datenverlust zu tun? Bleibt mir ein Rätsel .... ist als Teaser natürlich Klasse :)!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es ist schon passiert, dass ein Provider in die Insolvenz geht und von heute auf morgen Rechenzentren abgeschaltet oder angemietete Kapazitäten gelöscht werden. Im sind unwiederrufliche Datenverluste nicht nur der Bundeswehr, sondern auch dem größten Cloud-Unternehmen der Welt passiert: Amazon. Und die Ursache war bei Amazon ein banaler Blitzeinschlag.

    Datenverlust gibt es immer dort, wo es keine Datensicherung gibt. Und heute verlieren viel mehr Unternehmen Daten, als man glöauben mag - wegen der Cloud. Wenn dort alles vierfach redundant ist, dann sparen wir uns das Backup! Diesen Satz höre ich oft von potentiellen Kunden.

    Spätestens dann, wen Frau Müller versehentlich etwas wichtiges gelöscht hat, wird diese Aussage neu bewertet.

    Eine Datensicherung ist nur dann eine Datensicherung, wenn ich sie in meinen Händen halte und getestet habe. Alles andere ist - nichts.

    • siar
    • 25. März 2013 20:08 Uhr

    Sie scheinen ein unerschütterliches Urvertrauen gegenüber Technologiefirmen zu haben.
    Selbst wenn noch nichts verloren gegangen wäre, gibt man diesen Firmen unendlich viel Macht in die Hände. Bei mir entwickeln sich da übelste Sci-Fi-Phantasien.

    • ManRai
    • 26. März 2013 12:04 Uhr

    Bei GMX waren um 2000 rum alle emails ueber Nacht weg, ich hatte abends noch reingeschaut wegen einer neuen Stelle, habe die Zusage gesehen und nicht ausgedruckt, am naechsten Morgen war mein Postfach einach LEER und vile tausende andere auch. shit happens. wir bekamen einen kleinen bonus, mussten ein oder zwei monate nix bezahlen - seitdem ist das wort backup fuer mich ein wichtiges geworden. und heute kann ich daten auf 1,2,3 usw TB minifestplatten mit mir rumtragen und die auf einer raid sichern. cloud/klaut ist gut aber wie immer vorsicht was weg ist ist weg....

  3. Um Urlaubsfotos und -filme mit einigen Urlaubsbekanntschaften zu teilen, hatte ich im Herbst einen skydrive-Ordner angelegt und den Link für das skydrive-"App" von Microsoft sowie die Zugangsdaten per Email weitergegeben. Beim Laden meiner Daten auf den skydrive-Ordner bemerkte ich, dass die Daten nicht kopiert, sondern verschoben werden, da nicht ein virtuelles Laufwerk, sondern nur ein virtueller Ordner angelegt wird. Ich kopierte sie also schnell nochmal.

    Einem der o.g. Urlaubsbekannten, welcher seine Bilder auch hochladen wollte, passierte es dann allerdings, dass seine Bilder von seiner Festplatte weg waren, aber in unserem gemeinsamen skydrive-Ordner nie ankamen. Er hatte plötzlich keinen Zugang mehr zu dem von ihm benutzten skydrive-Ordner, und ich habe die Bilder nie in unserem gemeinsamen Ordner sehen können. Ich kann nur vermuten, dass er einen eigenen anderen skydrive-Ordner angelegt hat, der mit meinem nicht übereinstimmte?????

  4. 4. Irrtum

    Es ist schon passiert, dass ein Provider in die Insolvenz geht und von heute auf morgen Rechenzentren abgeschaltet oder angemietete Kapazitäten gelöscht werden. Im sind unwiederrufliche Datenverluste nicht nur der Bundeswehr, sondern auch dem größten Cloud-Unternehmen der Welt passiert: Amazon. Und die Ursache war bei Amazon ein banaler Blitzeinschlag.

    Datenverlust gibt es immer dort, wo es keine Datensicherung gibt. Und heute verlieren viel mehr Unternehmen Daten, als man glöauben mag - wegen der Cloud. Wenn dort alles vierfach redundant ist, dann sparen wir uns das Backup! Diesen Satz höre ich oft von potentiellen Kunden.

    Spätestens dann, wen Frau Müller versehentlich etwas wichtiges gelöscht hat, wird diese Aussage neu bewertet.

    Eine Datensicherung ist nur dann eine Datensicherung, wenn ich sie in meinen Händen halte und getestet habe. Alles andere ist - nichts.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Gut sie haben Recht - Amazone hat 2011 Daten verloren. Aber das waren Anwendungen in der elastic cloud ... da wird der normale ZEIT Leser seine Daten wohl kaum hinverschieben.

    Beispiel Dropbox: Sie haben alle Daten auf dem Desktop und in der Cloud. Selbst wenn morgen Dropbox sämtliche Daten auf einen Schlag verliert - how cares? Ihr Daten auf dem Desktop betrifft das nicht, die sind ja noch da.

    Was passiert, wenn ihre Festplatte abraucht ? Sind ihre Daten in der Dropbox, ziehen sie sie wieder runter und machen weiter wie gehabt. Kein Problem.

    Einzig kritisch ist, wenn Dropbox alle Daten verliert und ihre Festplatte gleichzeitig zu Bruch geht --- dann ist es aus, dann ist tatsächlich alles weg. Aber ich sag mal, Lotto 6 ist wahrscheinlicher.

    Für den normalen User hat Cloud nur Vorteile, keine Nachteile - kritische Daten mal außen vor. Aber die sollte man eh weder auf der Festplatte noch in der Cloud lagern, sondern im Tresor.

    Aber sonst? Wo soll es ein Problem geben? 'Datensicherheit' ist es auf jeden Fall nicht.

    ^^

    • siar
    • 25. März 2013 20:08 Uhr

    Sie scheinen ein unerschütterliches Urvertrauen gegenüber Technologiefirmen zu haben.
    Selbst wenn noch nichts verloren gegangen wäre, gibt man diesen Firmen unendlich viel Macht in die Hände. Bei mir entwickeln sich da übelste Sci-Fi-Phantasien.

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Hmhm ... worin soll denn diese unendlich große Macht liegen? Ich habe in der S3 100GB Fotos liegen, die mir an's Herz gewachsen sind - als Backup. Brennt das Haus ab, komme ich an die Bilder wieder dran ... das ist praktisch und sicherer als alles andere.

    Was kann Amazon da schlimmes mit anstellen? Mich ausspionieren? Weiter verkaufen? Keine Ahnung, ich bin in dem Bereich völlig phantasielos.

    Wenn ich merke, die Amazon Jungs machen irgendeinen Schmuh, dann bin ich morgen weg. Es gibt Azure, Drive, whatever. Und das weiß Amazon. Es gibt nicht schnelllebigeres als das Interne. Jeder Dienst, der heute groß ist, kann schon morgen weg vom Fenster sein.

  5. Gut sie haben Recht - Amazone hat 2011 Daten verloren. Aber das waren Anwendungen in der elastic cloud ... da wird der normale ZEIT Leser seine Daten wohl kaum hinverschieben.

    Beispiel Dropbox: Sie haben alle Daten auf dem Desktop und in der Cloud. Selbst wenn morgen Dropbox sämtliche Daten auf einen Schlag verliert - how cares? Ihr Daten auf dem Desktop betrifft das nicht, die sind ja noch da.

    Was passiert, wenn ihre Festplatte abraucht ? Sind ihre Daten in der Dropbox, ziehen sie sie wieder runter und machen weiter wie gehabt. Kein Problem.

    Einzig kritisch ist, wenn Dropbox alle Daten verliert und ihre Festplatte gleichzeitig zu Bruch geht --- dann ist es aus, dann ist tatsächlich alles weg. Aber ich sag mal, Lotto 6 ist wahrscheinlicher.

    Für den normalen User hat Cloud nur Vorteile, keine Nachteile - kritische Daten mal außen vor. Aber die sollte man eh weder auf der Festplatte noch in der Cloud lagern, sondern im Tresor.

    Aber sonst? Wo soll es ein Problem geben? 'Datensicherheit' ist es auf jeden Fall nicht.

    ^^

    Antwort auf "Irrtum"
  6. 7. @siar

    Hmhm ... worin soll denn diese unendlich große Macht liegen? Ich habe in der S3 100GB Fotos liegen, die mir an's Herz gewachsen sind - als Backup. Brennt das Haus ab, komme ich an die Bilder wieder dran ... das ist praktisch und sicherer als alles andere.

    Was kann Amazon da schlimmes mit anstellen? Mich ausspionieren? Weiter verkaufen? Keine Ahnung, ich bin in dem Bereich völlig phantasielos.

    Wenn ich merke, die Amazon Jungs machen irgendeinen Schmuh, dann bin ich morgen weg. Es gibt Azure, Drive, whatever. Und das weiß Amazon. Es gibt nicht schnelllebigeres als das Interne. Jeder Dienst, der heute groß ist, kann schon morgen weg vom Fenster sein.

    Antwort auf "Urvertrauen"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • siar
    • 25. März 2013 22:05 Uhr

    Die Pläne gehen doch dahin , dass alle Daten von Allen in der Cloud gespeichert werden.
    Ihre Urlaubsfotos interessieren niemanden, versuchen Sie doch einfach mal ein paar Schritte weiter zu denken. Sie haben anscheinend kein Problem damit sich komplett zu entblößen. Sie machen sicher auch für Fremde Führungen durch Ihre Wohnung und lassen sie in jede Schublade schauen und in Ihren Kontoauszügen usw. stöbern.

    Ich werde garantiert niemals die Cloud benutzen.

    und etliche 32 GB USB Sticks...
    Auch wenn es "nur" Urlaubsfotos wären, mir käme es nicht
    recht, wenn durch Sicherheitslücken meine Fotos & Daten
    den Weg zu irgendwelchen Foren oder sonstigen Personenkreisen
    finden würde...
    Mir ist seit 1993 bis heute nur eine Festplatte ausgefallen,
    (und das war 1995 wegen eines SCSI Controllerfehlers)
    denn ich kaufe keine billigen und nutze sie nicht ewig.

  7. 8. Schade

    Schade, dass der Artikel nicht darauf eingeht, wie die einzelnen Cloud-Dienste funktionieren. Ob ein Dienst nämlich nur lokal vorhandene Dateien zwischen verschiedenen Rechnern synchronisiert (Dropbox) oder alles ausschließlich in der Wolke vorrätig hält ist ein himmelweiter Unterschied. Sollte Dropbox den Betrieb einstellen oder Daten verlieren, so geschieht mit meinen gesamten Inhalten nichts: Diese liegen weiterhin auf meinen lokalen Rechnern herum und in den lokalen Backups. Nur der Sync fehlt dann.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Microsoft | Recht | Phishing | Prozess | Rechtsanwalt | Internetkriminalität
Service