Raute-Taste auf einer Computer-Tastatur © jD-fotografie / photocase.com

Im August 2007 schlug Chris Messina auf Twitter vor, man könne doch das Rautezeichen #, englisch Hash genannt, als Hinweis (tag) auf Schlagworte nutzen. Es hat ein wenig gedauert, aber inzwischen ist der Hashtag ein Universalcode, ein Stenografie-Kürzel, dass sich immer weiter verbreitet.

Gerade erst hat die Bilderplattform Flickr angekündigt, das Symbol einzuführen. Zuerst in der iOS-App, später dann auf der Website soll die Raute als Zeichen für Schlag- und Suchworte dienen. Wird auf ein mit einem Hashtag markiertes Wort geklickt, sucht das System nach allen Fotos, denen die Kombination aus Raute und Wort voransteht.

Ähnlich funktioniert das seit Jahren bei Twitter. Das beste Beispiel dafür dürfte hierzulande die Debatte um sexistische Äußerungen sein, die mit dem Hashtag #aufschrei bei Twitter begann. Seit einiger Zeit nutzen das auch andere Plattformen wie Instagram, Tumblr, Google+ oder Pinterest. Damit ist der Hashtag wohl das erfolgreichste Beispiel dafür, dass Nutzer mitbestimmen, wie ein Dienst aussieht und was er kann.

Trampelpfade durch das Netz

Dieses Trampelpfad-Modell – also das Bauen von Wegen genau dort, wo die Menschen von selbst langlaufen – ist im Netz durchaus üblich. Und Twitter auch deswegen so erfolgreich, weil die Macher beobachten, was ihre Nutzer mit dem Dienst tun und es adaptieren. Das war nicht nur beim Hashtag so, sondern auch beim Kürzel RT für Retweet.

Dabei ist der Hashtag nicht nur eine Suchfunktion. Das Symbol etablierte eine ganze Reihe von sprachlichen Ebenen: Mit ihm werden heute innere Monologe genauso dargestellt wie Ironie oder Humor. Posts können mit einem Hashtag, der dem eigentlichen Text widerspricht, umgedeutet oder kommentiert werden. Am simpelsten und häufigsten wohl mit dem Ausdruck #fail für Fehler, Panne, Versagen.

Chris Messina selbst nennt sich in seinem Profil #godfather, also Pate des Hashtags. Was wohl ein Beispiel für eben jene Ironie ist, denn erfunden hat er die Nutzung des Symbols nicht. Das ist älter als Twitter und Flickr. Im IRC, einem Chatsystem, werden Hashtags schon sehr viel länger verwendet, um die Namen der einzelnen Chaträume zu kennzeichnen. Noch länger gibt es sie auf Telefon- und Computertastaturen sowie in Programmiersprachen.

Vielleicht auch Facebook

Aber Messina hat den Hashtag immerhin importiert. Und das nicht nur bei Twitter. Im Juli 2011 schlugen er und andere bei Google+ vor, Google könne das Symbol doch ebenfalls als Suchanker nutzen. Inzwischen tut das Unternehmen genau das und hat sein +-Symbol zur Personensuche um den # für die Suche nach Inhalten ergänzt. Selbst als Bezahlfunktion funktioniert die Raute bereits.

Sollte sich das Gerücht bewahrheiten und Facebook den Hashtag einführen, wie das Wall Street Journal überzeugt ist, wird er wohl bald als offizielles Satzzeichen im Duden auftauchen.

Für Facebook wäre der Hashtag ein Gewinn, denn er würde die Suchfunktion im Netzwerk aufwerten und wäre vor allem auch ein Weg, Werbung zu verkaufen. Verbreitet sich ein Hashtag besonders schnell und weit, kann es sich – je nach Thema – um ein attraktives Werbeumfeld handeln, auf das Werbetreibende reagieren können. Außerdem können sie mit eigenen Hashtags versuchen, selbst einen Trend zu setzen. Wobei so etwas durchaus schief gehen kann.

So würde aus dem Netzkultur-Phänomen Hashtag endgültig auch ein Netzwirtschaft-Phänomen.

Update: In der ersten Version bezog sich der Beginn des Textes auf einen falschen zeitlichen Zusammenhang. Daher wurde der Anfang gekürzt. Vielen Dank an @Nevid für den Hinweis. (kb)