Google hat sich entschieden, den Google Reader abzuschalten. Das ist ärgerlich für eine kleine Zielgruppe von News-Junkies, zu denen insbesondere Journalisten und Blogger gehören, und es gibt sogar eine Petition für den Weiterbetrieb. Einerseits. Andererseits ist die Einstellung ein Symptom für ein sehr viel größeres Problem, das letztlich jeden im Internet betrifft: ein Symptom für das schrittweise Aussterben offener Standards.

Das Internet wurde als offene Plattform erfunden. Finanziert hat seine Entwicklung zwar das Pentagon, gedacht aber war es für Universitäten und für Wissenschaftler. Sie sollten darüber Informationen austauschen. Gleichzeitig waren Computer damals selten und teuer, Telefonleitungen konnten nur geringe Datenmengen transportieren. Daher sollte das Internet nicht nur Informationen vernetzen, sondern auch Ressourcen, damit nicht nur Wenige etwas von ihnen haben, sondern alle.

Deswegen kennen die Techniken, auf denen das Internet bis heute basiert, keine Schranken. Das Transportprotokoll TCP/IP oder die Auszeichnungssprache HTML, um nur zwei Beispiele zu nennen, sollen Plattformen sein, um Dinge zu teilen. Eine solche offene Plattform sind auch der Standard RSS (Really Simple Syndication) und sein Bruder Atom.

Mit Google verliert RSS einen Unterstützer

Jedes Blog, jede Website, kann RSS einsetzen und so Informationen anbieten. Weil RSS jedem offen steht, existieren viele Programme, die das Format verstehen und verarbeiten können: Browser, Mailclients, RSS-Reader, Apps. Da nur wenige Daten übertragen werden, lassen sich große Mengen von Informationen sammeln und überblicken, ohne dass allzu viel Bandbreite benötigt wird.

Mit Google Reader wird nun eines der größten und wichtigsten Programme dieses Ökosystems eingestellt. Seine Funktionen lassen sich zwar ersetzen, es gibt diverse Anbieter, die seine Aufgabe übernehmen können und werden. Beispielsweise Feedly. Die Macher haben bereits angekündigt, einen reibungslosen Übergang zu ihrem Reader-Klon zu ermöglichen. Nicht ersetzen aber lässt sich der Glauben an das Format. Wenn so ein wichtiges Unternehmen wie Google sich aus RSS zurückzieht, bedeutet das etwas.

Facebook und Twitter verbreiten nun News

Ein paar Jahre lang war RSS die beste und am weitesten verbreitete Möglichkeit, um sich über aktuelle Nachrichten zu informieren. Ob das ein neuer Post im Lieblingsblog ist oder eine neue Nachricht von der Newssite des Vertrauens – RSS-Reader sammeln diese Informationen und merken sie sich, bis der Nutzer sie gelesen hat. Millionen Websites nutzen das Format daher, um ihre Neuigkeiten zu verbreiten.

Mit RSS sieht der Nutzer jede Veränderung, die auf einer Website erscheint, deren RSS-Feed er abonniert. Die Beschränkung liegt in der Auswahl der Quellen. Was man nicht aktiv abonniert, kann der Feedreader auch nicht verfolgen. Inzwischen aber haben Netzwerke wie Facebook und Twitter diese Aufgabe übernommen. Und mit ihnen wandelte sich das Nutzungsverhalten.

Bei sozialen Netzwerken ist die Zahl der Quellen theoretisch grenzenlos, keine davon muss aktiv ausgewählt werden. Die Beschränkung erfolgt über Filter: Algorithmen und Freundeskreise bestimmen, welche Nachrichten den Nutzer erreichen. Google selbst hat diesen Trend noch verstärkt. 2011 schaltete das Unternehmen im Reader die Möglichkeit ab, Listen und Inhalte mit anderen zu teilen. Offensichtlich sollten die Nutzer zum firmeneigenen Netzwerk Google plus gelenkt werden.