Cebit 2013 : Das intelligente Haus besteht aus Bauklötzen

Das Smart Home kommt, heißt es seit Jahren. Aber jede Firma baut an eigenen Lösungen. Ein Startup will die Standards nun einen. Und hangelt sich durch die Gründerphase.
Das System von Homee benutzt Würfel für jeden Standard. Der blaue ist für Z-Wave-Geräte, der orange für Geräte von EnOcean. © Homee

Jede Glühbirne, jedes Thermostat und jede Steckdose in einem Haushalt können heute über das Internet gesteuert und miteinander vernetzt werden. Nutzer können den Verbrauch von Strom, Wasser und Wärme erkennen, und sie können ihn regulieren, wo immer sie sich gerade aufhalten. Die Idee dahinter nennt sich Smart Home und ist keine Fiktion: Das eigene Heim ist längst intelligent.

Auch die Steuerung ist keine höhere Mathematik. Leider haben sich in der Industrie verschiedene Standards entwickelt, mit denen die dazu notwendigen Geräte arbeiten. Neben Z-Wave und Zigbee gibt es auch noch EnOcean, KNX, MyOpen und viele weitere.

Bislang ist es noch niemandem gelungen, diese Standards zu einen. Stattdessen setzen viele Plattformen auf einzelne Lösungen, die einen für die Heizung, die anderen für das Licht. Daran krankt die gesamte Entwicklung des Smart Home. Für viele Nutzer ist der Wirrwarr einfach zu groß.

Vier ehemalige Studenten von der Hochschule Esslingen haben auf der Cebit ein Gerät vorgestellt, dass dieses Problem beseitigen will. Sie nennen es Homee und haben erst kurz vor Messebeginn die erste Entwicklungsphase abgeschlossen. Auf der Cebit läuft nun der erste Prototyp in der Startup-Halle. Und zeigt, dass Homee tatsächlich vieles vereinen könnte.

Die Basis des Systems bildet ein weißer Würfel. Der wird per USB-Kabel an den WLAN-Router angeschlossen. Über eine Benutzeroberfläche im Webbrowser oder per App kann der Nutzer die Geräte im Haus steuern.

Arbeiten die Geräte mit verschiedenen Standards, kann Homee sie mithilfe von Zusatzmodulen vereinen. Ein grüner Würfel beispielsweise verbindet alle Z-Wave-Geräte mit der Basisstation. Wer stattdessen lieber EnOcean-Geräte verwenden will, kann sich einen orangen Würfel dazukaufen und ihn auf die anderen beiden aufsetzen. "Es ist später auch ohne Probleme möglich, weitere Standards wie Zigbee einzubinden", sagt Waldemar Wunder, einer der Gründer.

Mehrere Geräte lassen sich in der Benutzeroberfläche von Homee gruppieren. Wer bestimmte Einstellungen automatisieren möchte, kann auch das. Über sogenannte Homeegramme können Nutzer Wenn-Dann-Verknüpfungen erstellen. Beispiel: Wenn es Sonntag 20.00 Uhr ist, geht der Fernseher an, die Heizung wärmt den Raum auf zwanzig Grad und die Heizkörper in anderen Räumen fahren die Temperatur runter.

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Kommentare

8 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Eine unterstützenswerte Idee

Eine unterstützungswerte Idee der Studenten, die vor allem aber auch aufdeckt welche Probleme in der deutschen Wirtschaftsstruktur steckt. Es herrscht kaum ein Handlungsbewusstsein für Kooperationen sowohl finanzieller als auch technologischer und kommunikativer Natur.
Auch wenn die Bundesregierung sich auf jeden Fall darum intensiv mühen muss, eine Entwicklungskultur in Deutschland zu etablieren, sollten auch die oberen Finanzbesitzer sich in ihrem Denken ändern und verantwortungsbewusste Entwicklungsarbeit fördern, sowohl finanziell als auch durch Wissenskooperationen/ -vermittlungen.

@2. GmbH gründen?

Statt einer GmbH kann auch eine UG (Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)) gegründet werden, die mit 1 EUR Startkapital beginnen kann. Sobald des Kapital auf über 25000 EUR gewachsen ist, wird eine GmbH draus.
[Zitat]Eine Ltd ist billiger, schneller[/Zitat]
Ist - glaube ich - nicht mehr so, denn die Eintragung ins elektronische Handelsregister geht am Tag des Notartermins.
[Zitat]und die IHK-Schmarotzer bleiben auch außen vor.[/Zitat]
Das ist definitiv nicht der Fall. Wenn die Ltd. ihren Zweigstellen Sitz in Deutschland hat (und das muss sie haben wenn sie hier nennenswerte Geschäfte macht) wird sie wie eine deutsche Firma behandelt, d.h. Steuer und IHK schlagen zu.

Im übrigen ist es doch so, wenn ich nicht mal 25TEUR aufbringen kann, sollte ich mir die Selbstständigkeit genauestens überlegen. Das Kapital steht ja nach der Einlage als Investitionssumme zur Verfügung...

Lieber eine UG als eine GmbH und Kickstarter-Geld als Investoren

Für eine GmbH-Gründung reichen als Einlage zu Beginn schon 12.500 €, der Rest kann schrittweise aus dem Umsatz angespart werden. Zusätzlich gibt es seit einigen Jahren die Möglichkeit, eine UG zu gründen (http://de.wikipedia.org/w...(haftungsbeschr%C3%A4nkt)), das ist schon mit 1 € Stammkapital und einem kostengünstigen Gründungsverfahren mit Musterprotokoll (und damit ohne hohe Notarkosten) möglich. Sobald Umsätze vorliegen, wird das Stammkapital dann schrittweise erhöht und die UG in eine GmbH überführt.

Als ich den Artikel las, dachte ich gleich, dass sich das vorgestellte Produkt ideal für eine Crowdfunding-Plattform wie z.B. Kickstarter eignen würde: Dort werden mittlerweile für vergleichbare Projekte Summen im Millionenbereich eingeworben, und das ganz ohne die Notwendigkeit, Anteile am Unternehmen an Investoren zu verkaufen. Das Produkt scheint technisch ja auch schon recht weit gediehen zu sein und wäre damit ein idealer Kandidat für Kickstarter, so dass ich den Gründern auf jeden Fall empfehlen würde, diesen Weg in Betracht zu ziehen!

Ähnliche Projekte haben dort schon sehr großen Erfolg gehabt, z.B. "Smart Things": http://www.kickstarter.co...