Andrew AuernheimerTweets aus dem Knast

Wegen eines vermeintlichen Hacks sitzt Andrew Auernheimer alias "Weev" eine lange Haftstrafe ab. Was er im Gefängnis erlebt, schildert er über einen Umweg bei Twitter. von 

Andrew Auernheimer

Andrew Auernheimer alias "Weev" im Juli 2012  |  © pinguino / Flickr / CC BY 2.0

Gitterstäbe können einen wahren Troll nicht aufhalten: Der Hacker und bekennende Internet-Troll Andrew Auernheimer alias "Weev", wurde zu 41 Monaten Haft verurteilt, weil er Kundendaten der Telefonfirma AT&T aus dem Netz gefischt und diese einem Journalisten gegeben hatte. Was er als Zugriff auf nicht geschützte Daten ansah, wurde ihm als bösartiger Hack ausgelegt. Seit dem 31. März sitzt er als Häftling 10378-010 im Brooklyn Metropolitan Detention Center – und tut weiterhin, was er am besten kann: Er trollt, lästert und beleidigt.

Sein Twitterkonto ist aktiv. Jeden Tag tauchen neue Tweets auf: Auernheimer beschwert sich über das Essen im Gefängnis, er bezeichnet Staatsbedienstete als Kriminelle und vor allem verteidigt er sein vermeintliches Vergehen und seinen Kampf gegen das umstrittene Gesetz Computer Fraud and Abuse Act (CFAA), das ihm die Haftstrafe eingebracht hat.

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Dabei hat Auernheimer im Gefängnis gar keinen Zugang zum Internet. Stattdessen nutzt er das Trust Fund Limited Internet Computer System (TRULINCS)

Das funktioniert so: Der Insasse kann Freunde oder Familienangehörige einladen, mit ihm zu kommunizieren. Sie können dann mit ihm über eine Plattform namens CorrLinks Nachrichten austauschen. CorrLinks ist geschlossen, der Häftling kommt darüber nicht ins Internet.

Patrick Beuth
Patrick Beuth

Patrick Beuth ist Redakteur im Ressort Digital bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Außerdem werden alle ein- und ausgehenden Nachrichten überwacht. Botschaften, die gefährlich für die Öffentlichkeit oder die Haftanstalt sein könnten, sind untersagt.

Finanziert wird TRULINCS über eine Nutzungsgebühr, die der Häftling entrichten muss, sowie über die Einnahmen aus im Gefängnis verkauften Waren und Dienstleistungen, etwa Telefongespräche.

Auernheimer aber will nicht nur mit einzelnen Personen kommunizieren. Deshalb schickt er seine Kurzbotschaften über TRULINCS beziehungsweise CorrLinks an eine Freundin, die Schriftstellerin, Journalistin und Software-Entwicklerin Meredith L. Patterson, die in Brüssel lebt. Sie hat die Zugangsdaten zu Auernheimers Twitterkonto und veröffentlicht seine Tweets.

"Ich kenne Weev seit Januar 2012", sagt Patterson im Gespräch mit ZEIT ONLINE. "Wir haben uns in der Wohnung eines gemeinsamen Freundes kennengelernt und haben angefangen, uns über obskure Programmiersprachen zu unterhalten. Seitdem sind wir Freunde."

Leserkommentare
    • .crash
    • 05. April 2013 20:04 Uhr

    Ich komme nicht umhin, Ihrem Artikel eine gewisse Häme und das Bedürfnis, Auernheimer als quengelndes Kind im Körper eines erwachsenen Gefängnisinsassen darzustellen, zu entnehmen.

    Auch wenn es stimmt, dass Auernheimer das "Trollen" sehr schätzt, so verteidigt er nicht "vor allem" seine eigene Tat sondern twittert eher in großem Maße über den CFAA (Computer Fraud and Abuse Act) und verwandte Bereiche im Generellen. Die von Ihnen herangezogenen Beispiele hingegen sind, soweit ich das überblicken kann, fast auschließlich repräsentativ für - nun - Ihre Beispiele. Weiter Tweets ähnlicher Kategorie sind rar gesät im Profil @rabite.

    2 Leserempfehlungen
  1. 2. Unding

    dass er einsitzen muß.

    7 Leserempfehlungen
  2. ... mal "gehört", dass man sich Smartphones (mit Internetverbindung) in den Knast schmuggeln kann.

    Eine Leserempfehlung
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    Ich habe "gehört" das es mittlerweile Handyblocker im Knast gibt..... Da kann man dann noch so viele Handys in den Knast schmuggeln, ein Tweet kommt da nicht raus....

    Aber ist das so eine tolle Nachricht das da jemand aus dem Knast "zwitschert"? Zumal er nicht selbst twittert sondern über umwege twittern lässt?

    Was ich etwas bedenklich finde das er anderen kriminellen erklärt wie man spuren im Internet verwischt.

    Für mich das einzig interessante das die im Knast ein eigenes Netzwerk haben und nicht direkt mit dem Internet verknüpft sind...

  3. Ich habe "gehört" das es mittlerweile Handyblocker im Knast gibt..... Da kann man dann noch so viele Handys in den Knast schmuggeln, ein Tweet kommt da nicht raus....

    Aber ist das so eine tolle Nachricht das da jemand aus dem Knast "zwitschert"? Zumal er nicht selbst twittert sondern über umwege twittern lässt?

    Was ich etwas bedenklich finde das er anderen kriminellen erklärt wie man spuren im Internet verwischt.

    Für mich das einzig interessante das die im Knast ein eigenes Netzwerk haben und nicht direkt mit dem Internet verknüpft sind...

    Antwort auf "Ich habe ..."
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    So? Was genau ist daran "bedenklich"? Zahlen sie alles mit Kredit- oder Bankkarte? Wie sie nutzen Bargeld, das ist aber bedenklich, kann man garnicht nachvollziehen was sie so den lieben langen Tag lang treiben.

    Recht auf meine Privatsphäre habe ich, ob in einem Brief oder in einer Email. Das man damit auch quatsch/kriminelles anstellen kann ist nicht neu. Wer käme auf die Idee alle Briefe durch zu schauen weil man damit ja auch Drogen verschicken kann? Ach ja stimmt gab ja mal so ein System, das welches in unserer freien glorreichen Demokratie immer runter gemacht und als Überwachungsstaat bezeichnet wird.

    Was hätte Milke in die Hände geklatscht über so brave Bürger.

  4. So? Was genau ist daran "bedenklich"? Zahlen sie alles mit Kredit- oder Bankkarte? Wie sie nutzen Bargeld, das ist aber bedenklich, kann man garnicht nachvollziehen was sie so den lieben langen Tag lang treiben.

    Recht auf meine Privatsphäre habe ich, ob in einem Brief oder in einer Email. Das man damit auch quatsch/kriminelles anstellen kann ist nicht neu. Wer käme auf die Idee alle Briefe durch zu schauen weil man damit ja auch Drogen verschicken kann? Ach ja stimmt gab ja mal so ein System, das welches in unserer freien glorreichen Demokratie immer runter gemacht und als Überwachungsstaat bezeichnet wird.

    Was hätte Milke in die Hände geklatscht über so brave Bürger.

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    kriminelle die wissen (zu zeigen...) wie man spuren verwischt finde ich bedenklich... warum sollte man etwas bezahlen und dabei anonym bleiben? Warum muss ich meine spuren verwischen wenn ich nix zu verbergen habe? Für mich sieht das nach einer fortbildung für kriminelle aus um noch schwerer erwischt zu werden

    wenn ich etwas kaufe bezahle ich ganz "normal" mit paypal, überweisung oder rechnung auf meinen name....interessiert mich doch nicht ob das andere mitbekommen....warum sollte ich versuchen das geheim zu halten

  5. 6. [...]

    Entfernt. Doppelposting. Danke, die Redaktion/jk

  6. "Was er als Zugriff auf nicht geschützte Daten ansah, wurde ihm als bösartiger Hack ausgelegt"

    USA fernab von Rechtsstaatlichkeit - leider nichts neues. Es wird quasi zum Alltag solche Meldungen.

  7. kriminelle die wissen (zu zeigen...) wie man spuren verwischt finde ich bedenklich... warum sollte man etwas bezahlen und dabei anonym bleiben? Warum muss ich meine spuren verwischen wenn ich nix zu verbergen habe? Für mich sieht das nach einer fortbildung für kriminelle aus um noch schwerer erwischt zu werden

    wenn ich etwas kaufe bezahle ich ganz "normal" mit paypal, überweisung oder rechnung auf meinen name....interessiert mich doch nicht ob das andere mitbekommen....warum sollte ich versuchen das geheim zu halten

    Antwort auf "Soso "bedenklich""
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    • .crash
    • 07. April 2013 21:59 Uhr

    Vielleicht weil nicht jeder offen verfolgbar diverse Sexspielzeuge, politisch eher radikalere Literatur (die nicht illegal ist) oder Selbsthilfebücher zu akuten Lebensproblemen kaufen will. Und dies sind nur ein paar Beispiele von vielen, die es für mich sehr nachvollziehbar machen, dass man diese Sachen anonym erwerben will.

    Ich für meinen Teil lasse mir nichts zu Schulden kommen und finde die Vorstellung, dass jeder mein komplettes Konsumverhalten durchleuchten kann trotzdem erschreckend.

    Außerdem glaube ich, auf Ihren Beitrag bezogen, wohl kaum, dass sie jedes Mal beim Bäcker, im Supermarkt, im Fachhandel etc. mit Karte oder mit Rechnung auf Ihren Namen zahlen. Also zahlen Sie auch anonym, wenn auch nicht immer. Und was sollte schlimm daran sein, dies auch im Internet zu können?

    Die Fähigkeit, kein gläserner Bürger zu sein, macht noch lange nicht kriminell und nur weil diese Leute im Knast sitzen, heißt das auch nicht, dass sie kein Recht haben, sich fortzubilden wie jeder andere Mensch auch.

    aber die Argumentation "Ich hab nochts zu verbergen" ist ja schon ziemlich abgedroschen. Nur weil sie ein Mann (jedenfalls ihrem Forums-Namen nach zu urteilen) höchstwarscheilich weiss und auch noch heterosexuell (ja alles nur Annahmen) nicht zu verbergen haben, vergessen sie darüber hinaus das es viele Meschen gibt die nicht in dieser exponierten Lage sind.
    Es gibt immernoch mehr als genug Ort auf dieser Welt in denen sie wegen ihrer politischen Meinung, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Religion etc. pp. verfolgt und im schlimmsten Fall getötet werden können.
    Zumal sie für sich ja entscheiden können das sie nichts zu verbergen haben, aber dann anderen dieses Recht auf selbstebestimmte Privatsphäre abzusprechen zumindest ignorant ist.
    Wenn sie das Thema interessiert können sie ja mal nachlesen was Hollerith, das 3te Reich und Informationelle Selbstbestimmung miteinander zu tun haben.

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  • Schlagworte Internet | Brüssel
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