Microsoft : Blaupause für das nächste Windows

Fehlschlag oder Erfolg? Ein halbes Jahr nach dem Vertriebsstart sind die Meinungen über das Betriebssystem Windows 8 gespalten. Aber Microsoft abzuschreiben, wäre falsch.
Das Microsoft-Tablet Surface mit Windows 8 auf der Cebit in Hannover © Sean Gallup/Getty Images

Es ist der Fluch des Erfolges: Je besser sich ein Produkt in der Vergangenheit verkauft hat, je mehr Kunden es bereits benutzen, je weiter es im Markt schon verbreitet ist, desto schwerer wird es für den Hersteller, in Zukunft noch mehr davon unters Volk zu bringen. Irgendwann bekommt die schönste Wachstumskurve einen hässlichen Knick.

Es gibt kaum eine Branche und kaum ein Produkt, das von dieser Entwicklung, nicht schon betroffen war. Irgendwann hatte jeder Deutsche einen VW-Käfer, jeder Haushalt einen Fernseher, jeder Manager einen Laptop, jeder Koffein-Junkie seine Espresso-Maschine. Auf Wachstum folgt – bestenfalls – Austausch in einem gesättigten Markt. Und ist es ein großer Markt, dann ist es ein ebenso großes Austausch-Geschäft.

In einer Welt, die den digitalen Durchmarsch des Personal Computers erfolgreich durchlaufen hat, ist es für den Anbieter des dominierenden Betriebssystems dieser elektronischen Revolution nicht anders. Genau in diesem Dilemma steckt Microsoft mit seinem aktuellen Betriebssystem Windows 8. Die Windows-Plattform ist nach wie vor der Motor des PC-Zeitalters, sie verkauft sich zig-Millionen-mal.

Microsoft setzt Milliarden von Dollar damit um – alleine 5,8 Milliarden Dollar im ersten Vertriebsquartal nach dem Windows-Start im Oktober vergangenen Jahres und ein Plus von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Und die Zahlen Ende des ersten Quartals 2013 werden natürlich wieder zehnstellig sein.

60 Millionen mal verkauft

Das sind Absatz- und Umsatzzahlen, nach denen sich so mancher Großkonzern die Finger leckte. Warum also reißt dennoch die Kritik nicht ab, dass Windows 8 für den Softwareriesen aus Redmond alles andere als Erfolg sei, dass der Absatz eigentlich enttäusche und das neue Windows im Grunde sogar ein Fehlschlag für Konzernchef Steve Ballmer?

Weil Windows 8 die Antwort auf die Frage nach dem künftigen Wachstum eben noch nicht gibt, sondern bestenfalls andeutet. Im Januar vermeldete Microsoft in seinem Unternehmens-Blog, dass der Absatz des neuen Windows mit rund 60 Millionen Stück seit Marktstart in etwa auf dem Niveau des Vorgängers Windows 7 läge.

Das war eine gute Nachricht, und eine schlechte zugleich: Gut, weil Windows 7 nach dem zurecht gescholtenen Vorläufer Windows Vista ein großer Sprung nach vorne war – technologisch, wie ökonomisch. Eine Schlechte, weil konstante Verkäufe eben kein Wachstum mehr bedeuten.

Das muss aus anderen Geschäftsfeldern kommen als dem traditionellen Geschäft mit Schreibtisch- oder Laptop-Computern. Und hier hat Microsoft in den vergangenen Jahren die Konkurrenz von Apple und Google mit seinen iPad- und Android-Tablet-Rechnern mangels wettbewerbsfähiger Software nahezu unbedrängt davon ziehen lassen. Auch, weil Windows 7 (wohl von der Programmierung aber nicht vom Bedienkonzept) für den Einsatz auf den Flachcomputern gänzlich ungeeignet war.

Jede Menge Erklärungsbedarf

Entsprechend radikal musste der Umbruch in Optik und Design ausfallen, wenn Microsoft mit Windows 8 endlich eine wettbewerbsfähige Tablet-taugliche Plattform auf den Markt bringen wollte. Und genau das ist das vor ziemlich genau einem halben Jahr eingeführte Betriebssystem auch geworden: radikal anders und eine Zumutung für die etablierten Windows-Anwender.

Kein Wunder also, dass sowohl Anwender als auch Hardwarepartner über das neue Windows stöhnen, sich an konzeptionellen Brüchen stoßen und (völlig zurecht) den Verlust des vertrauten "Start"-Buttons bemängeln. Es gab und gibt jede Menge Erklärungsbedarf beim Kunden.

Und die Begeisterung der potenziellen Tablet-Kundschaft für die neue Oberfläche ist – für Microsofts Verhältnisse – noch sehr überschaubar. An die Absatzzahlen von iPad oder Android-Tablets jedenfalls reicht das neue Windows noch nicht heran, selbst wenn Umfragen speziell im Unternehmensumfeld großes Interesse für die entsprechenden Geräte ergibt. Doch das ist eben bisher nicht mehr als ein Versprechen.

Aber reicht das, um Microsoft abzuschreiben, um Windows 8 als Enttäuschung abzutun?

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Kommentare

74 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

Zwei Bedienkonzepte...

...in zwei von einander getrennten Bereichen. Ich wüsste daher nicht, wo das Problem liegt, denn gegenüber Windows 7 ändert sich nichts. ModernUI ist einfach nur eine Erweiterung des bestehenden Konzeptes, was aber nicht in Konkurrenz steht. Alles ist in Windows 8, mit Ausnahme des Startmenus, genauso wie es schon in Windows 7 ist - und selbst da war das Startmenu bereits obsolet. Sicherlich, es gibt noch einiges zu bemängeln bei ModernUI, besonders in den angebotenen Apps, aber auch dass ist mehr oder weniger den noch schwächelnden Content geschuldet, als der dort vorherrschenden, klaren Designrichtlinie.

Dann schießen sie mal los...

Wofür braucht man zum Beispiel bei Windows 8 länger als bei Windows 7?
Wo treten den Inkonsistenzen auf, weil beide Bedienkonzepte (modernui [nicht metro] und desktop) parallel genutzt werden müssen und sich bekabbeln?

Ich sage Ihnen, dass ich im alltäglichen Gebrauch mit Windows 8 keine wesentliche Veränderung oder Inkonsistenz feststellen kann, sie behaupten schon, nennen aber keine konkreten Beispiele...

Windows ME / 2000?

Das sind zwei völlig unterschiedliche Systeme gewesen. ME war das letzte DOS-basierte Windows-System, der Nachfolger von Win98.

Windows 2000 war der Nachfolger von Windows NT und basierte auf komplett auf dessen Technologie.
Zudem war gerade im Geschäftsumfeld Windows 2000 ein hervorragendes Client-System.

Sie sollten also schleunigst auf Windows 8 umsteigen, um Ihre Reihenfolge in Zukunft noch einhalten zu können. ;-)