Eine Bitcoin ist auf der größten Börse für die digitale Währung Mt.Gox derzeit mehr als einhundert Dollar wert. Eine Menge Geld, vor einem Jahr wurden für eine der Münzen noch nur fünf Dollar gezahlt.

Bitcoins sind eine unabhängige Währung. Kein Land bürgt für sie und keine Bank. Sie werden dezentral im Netz erzeugt und verwaltet. Es gibt sie erst seit drei Jahren und der oder die Schöpfer verstecken sich vor der Welt. Trotzdem oder gerade deswegen vertrauen immer mehr Menschen diesem Geld und nutzen es. Oder spekulieren zumindest damit.

Bitcoins sind eine Kombination aus Zahlen und Buchstaben, ein verschlüsseltes Datenpaket, das Rechner als Zahlungsmittel akzeptieren, wenn entsprechende Programme auf ihnen installiert sind. Das klingt erst einmal seltsam, aber das, was wir als Geld kennen und jeden Tag nutzen, funktioniert auch nicht anders. Bei Transaktionen von einem Konto auf ein anderes wird kein bedrucktes Papier, geschweige denn Gold hin- oder hergeschickt. Versandt werden nur Zahlen, Daten.

Staaten haben keinen Einfluss

Allerdings gibt es zwei Unterschiede zu klassischen Währungen. Staaten haben keinen direkten Einfluss auf Bitcoins, sie drucken sie nicht, sie regulieren nicht den Wechselkurs. Nutzer können die Münzen bei einer Art Rechen-Lotterie selbst erzeugen, wenn sie einen leistungsfähigen Computer haben. Und das System ist anonym. Zwar ist es möglich, jede einzelne Transaktion und die Handelshistorie jeder einzelnen Bitcoin zurückzuverfolgen. Die Namen der Handelnden aber erfährt im Zweifel niemand. Wer es wünscht, kann Bitcoins nutzen, ohne seine Identität preisgeben zu müssen. Digitales Bargeld also.

Bis vor Kurzem galt das alles noch als obskure Spielerei von ein paar Nerds. Inzwischen aber schreiben Wirtschaftsmagazine wie Business Week über Bitcoin und fragen sich, ob die Währung vielleicht der letzte sichere Hort der weltweiten Wirtschaft ist.

Eine Ursache dafür ist die begrenzte Menge an Bitcoins. Die Entwickler haben festgelegt, dass es letztendlich nur rund 21 Millionen Bitcoins geben wird. Derzeit ist knapp die Hälfte davon "gedruckt" worden und in Umlauf. Beziehungsweise 10.986.300 zu dem Zeitpunkt, an dem dieser Text geschrieben wurde – bei digitalen Währungen ist es leicht, genau zu sein. In einigen Jahren wird der Prozess der Erzeugung neuer Bitcoins jedoch beendet sein, schätzungsweise 2033. Dann verhindert die Software, dass von Nutzern, Miner genannt, neue gedruckt werden können. Begrenzte Güter werden als wertvoller betrachtet als unbegrenzt vorhandene. Der Anstieg des Wertes hat also mit dieser künstlichen Verknappung zu tun. Inflation durch Geldvermehrung ist ausgeschlossen.

Vertrauen verloren

Wichtiger für die derzeitigen Höchstkurse sind derzeit aber wohl ruinierte Banken. Bitcoins steigen schon seit einiger Zeit im Wert. Aber erst seit Bankkunden klar wird, dass Staaten ihnen ihr gespartes Geld einfach wegnehmen können, haben Bitcoins so enorm zugelegt.

Es geht dabei um Vertrauen. Währungen haben keinen eigenen Wert, seit sie nicht mehr in Gold aufgewogen werden. Ihr Wert entsteht, weil Menschen den Institutionen vertrauen, die das Geld herstellen, die es verteilen und aufbewahren. Dieses Vertrauen wird weltweit gerade erschüttert.