Glasfaserkabel der Telekom © Jens Büttner/dpa

Die Telekom will die Nutzung des Internets in Deutschland lieber begrenzen und ihren Gewinn erhöhen, statt Geld für den Ausbau der Infrastruktur auszugeben. In den USA ist gerade zu beobachten, wie ein solcher Trend durchbrochen wird. Google verlegt dort in ausgewählten Städten eigene Leitungen und bietet schnellen Internetzugang, teilweise kostenlos. Mit dem Ergebnis, dass nun auch die etablierten Betreiber von Telefon- und Internetzugängen wieder in ihre Infrastruktur investieren.

Google Fiber heißt das Angebot. Fiber steht für Glasfaser. Denn Glasfaserleitungen, die einen sehr viel höheren Datendurchsatz zulassen als alte Kupferkabel, verbuddelt Google seit einiger Zeit in Kansas City im Bundesstaat Kansas. Mit Provo in Utah und Austin in Texas stehen bereits die nächsten beiden Städte auf Googles Liste.

Die Städte und die dazugehörenden Bewohner können es kaum erwarten. Mehr als 1.000 Gemeinden hatten sich darum beworben, von Google verkabelt zu werden. Das Angebot des Suchmaschinen- und Werbekonzerns ist attraktiv. Google bietet drei Optionen an: Für eine einmalige Anschlussgebühr in Höhe von 300 US-Dollar gibt es fünf Megabit ohne irgendeine Datenbegrenzung und ohne weitere Gebühren. Dieser Dienst wird für mindestens sieben Jahre garantiert. Was angesichts der Anschlussgebühr bedeutet, dass die Nutzer dafür jedes Jahr 42 Dollar bezahlen, umgerechnet 32 Euro.

Ein vergleichbarer Anschluss in Deutschland – hierzulande werden üblicherweise 6.000 Kilobit pro Sekunde Download angeboten – kostet zwanzig bis vierzig Euro. Im Monat.

Für 70 Dollar (ungefähr 54 Euro) im Monat bietet Google ohne Anschlussgebühr eine Bandbreite von einem Gigabit pro Sekunde, und zwar sowohl beim Herunter- als auch beim Hochladen.

Für Privatkunden in Deutschland ist das undenkbar. Die Telekom, die sich selbst als "Partner in der Gigabit-Gesellschaft" bezeichnet, vermarktet ihr Glasfasernetz als "Giganetz". Für 55 Euro bekommt der Kunde derzeit aber nur 100 Megabit pro Sekunde Download und 50 Megabit pro Sekunde Upload. Das sind zehn- bis zwanzigmal weniger Bandbreite als bei Google. Und die wird noch dazu gedrosselt, wenn zu viele Daten darüber laufen.

Google jage den Old-School-Netzanbietern Angst ein und dränge sie, sich zu bewegen, schreibt das Magazin Wired. Es scheint zu stimmen. Anfang April kündigte der große Betreiber AT&T an, in Austin ein eigenes Glasfasernetz aufzubauen. In direkter Konkurrenz zu Google also. Das soll ebenfalls ein Gigabit pro Sekunde Bandbreite bieten und man werde es im Übrigen zu den gleichen Bedingungen anbieten wie der Internetkonzern.