Medien : Die Geschichte eines Hacker-Symbolfotos

Das düstere Foto mit dem rätselhaften Quellcode wird häufig verwendet, um Artikel über Hacker zu illustrieren. Ein Programmierer wollte nun wissen, wo der Code herkommt.

Nachrichten über Hacker werden in den Onlinemedien immer wieder mit demselben Foto bebildert, das schon so manchen IT-kundigen Leser zum Lachen gebracht hat. [Auch ZEIT ONLINE hat das Foto schon verwendet. – Anm. der Redaktion] Es zeigt zwei Hände auf der Tastatur, darüber einen Bildschirm, auf dem Quellcode zu lesen ist, der so gar nicht nach ausgebufften Hackern klingt: "COOKING_TOAST, intCookLevel" und "Color the Bread (not the crust)". Neulich nachts – ich wollte eine Pause vom Programmieren machen, und das Bild stand als Aufmacherfoto zur DDoS-Attacke auf Spamhaus auf den Seiten eines großen Nachrichtenmagazins – habe ich mich auf die Suche gemacht.

Welche Programmiersprache konnte das sein? Es war nichts, was irgendwie an C, Java oder PHP erinnert, genauso wenig Smalltalk oder Fortran. Vor allem irritierte mich die Verwendung von einem Nummernzeichen am Ende einiger Variablen. Auf die Spur brachten mich die Zeilen beginnend mit: color limb intCurrentBread, ....

Diese Art des Methodenaufrufes ist heute eher unüblich, erinnerte mich aber an uralte Basic-Zeiten auf dem Amiga. Als ich Google damit fütterte, führte es mich auf eine Forenseite über einen möglichen Bug in DBPro – kurz für DarkBASIC Professional.

DarkBASIC ist ein Basic-Dialekt zur Entwicklung von Spielen. Anhand des Namens hatte ich schnell meine Theorie zur Hand, wie das Foto zum Hackersymbolbild avanciert war: Ein Fotograf brauchte ein Foto zum Thema Hacken, googelte, stieß auf eine Webseite mit Quellcode in DarkBASIC – und nahm an, dass mit einer solch dunklen Programmiersprache wohl auch dunkle Programme geschrieben werden.

Spur führt in die USA

Falls der Fotograf die Seite tatsächlich im Internet gefunden hatte, war sie vielleicht noch online. Ich suchte und fand eine Überschrift, die mich elektrisierte: toaster.dba. Die URL verwies auf Deviantart – nicht gerade eine berühmte Hackerplattform. Ich klickte trotzdem und traute meinen Augen nicht. Da stand tatsächlich der Quellcode vom Foto als Text in einem Blogeintrag.

Leider war auch hier wie auf dem Foto nur ein Auszug zu sehen, kein vollständig lauffähiges Programm. Immerhin: Der Code im Blog umfasste zusätzliche Zeilen, die nicht im Bild auftauchen. Das Original konnte es jedoch nicht sein. Denn der Blogeintrag stammte vom Juni 2012, doch das COOKING_TOAST-Foto tauchte zum ersten Mal um die Jahreswende 2011/2012 auf, wie ich durch eine Bildersuche herausfand. Der Besitzer des Deviantart-Accounts konnte mir aber den Kontakt zum Urheber des Quellcodes herstellen, dem Amerikaner James Austin.

Er habe Ende 2011 an seiner Schule an einem Programmierkurs zu DarkBASIC teilgenommen. Dabei sei auch das Programm entstanden, das einen Toaster simulierte, inklusive ein paar einfacher Animationen, erzählt Austin. Eine Scheibe Toast verschwindet dabei in einem Toaster, eine LED zeigt den Betrieb an und nach einer gewissen Zeit taucht der Toast wieder auf.

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