MedienDie Geschichte eines Hacker-Symbolfotos

Das düstere Foto mit dem rätselhaften Quellcode wird häufig verwendet, um Artikel über Hacker zu illustrieren. Ein Programmierer wollte nun wissen, wo der Code herkommt. von Alexander Merz

Nachrichten über Hacker werden in den Onlinemedien immer wieder mit demselben Foto bebildert, das schon so manchen IT-kundigen Leser zum Lachen gebracht hat. [Auch ZEIT ONLINE hat das Foto schon verwendet. – Anm. der Redaktion] Es zeigt zwei Hände auf der Tastatur, darüber einen Bildschirm, auf dem Quellcode zu lesen ist, der so gar nicht nach ausgebufften Hackern klingt: "COOKING_TOAST, intCookLevel" und "Color the Bread (not the crust)". Neulich nachts – ich wollte eine Pause vom Programmieren machen, und das Bild stand als Aufmacherfoto zur DDoS-Attacke auf Spamhaus auf den Seiten eines großen Nachrichtenmagazins – habe ich mich auf die Suche gemacht.

Welche Programmiersprache konnte das sein? Es war nichts, was irgendwie an C, Java oder PHP erinnert, genauso wenig Smalltalk oder Fortran. Vor allem irritierte mich die Verwendung von einem Nummernzeichen am Ende einiger Variablen. Auf die Spur brachten mich die Zeilen beginnend mit: color limb intCurrentBread, ....

Anzeige

Diese Art des Methodenaufrufes ist heute eher unüblich, erinnerte mich aber an uralte Basic-Zeiten auf dem Amiga. Als ich Google damit fütterte, führte es mich auf eine Forenseite über einen möglichen Bug in DBPro – kurz für DarkBASIC Professional.

DarkBASIC ist ein Basic-Dialekt zur Entwicklung von Spielen. Anhand des Namens hatte ich schnell meine Theorie zur Hand, wie das Foto zum Hackersymbolbild avanciert war: Ein Fotograf brauchte ein Foto zum Thema Hacken, googelte, stieß auf eine Webseite mit Quellcode in DarkBASIC – und nahm an, dass mit einer solch dunklen Programmiersprache wohl auch dunkle Programme geschrieben werden.

Spur führt in die USA

Falls der Fotograf die Seite tatsächlich im Internet gefunden hatte, war sie vielleicht noch online. Ich suchte und fand eine Überschrift, die mich elektrisierte: toaster.dba. Die URL verwies auf Deviantart – nicht gerade eine berühmte Hackerplattform. Ich klickte trotzdem und traute meinen Augen nicht. Da stand tatsächlich der Quellcode vom Foto als Text in einem Blogeintrag.

Leider war auch hier wie auf dem Foto nur ein Auszug zu sehen, kein vollständig lauffähiges Programm. Immerhin: Der Code im Blog umfasste zusätzliche Zeilen, die nicht im Bild auftauchen. Das Original konnte es jedoch nicht sein. Denn der Blogeintrag stammte vom Juni 2012, doch das COOKING_TOAST-Foto tauchte zum ersten Mal um die Jahreswende 2011/2012 auf, wie ich durch eine Bildersuche herausfand. Der Besitzer des Deviantart-Accounts konnte mir aber den Kontakt zum Urheber des Quellcodes herstellen, dem Amerikaner James Austin.

Er habe Ende 2011 an seiner Schule an einem Programmierkurs zu DarkBASIC teilgenommen. Dabei sei auch das Programm entstanden, das einen Toaster simulierte, inklusive ein paar einfacher Animationen, erzählt Austin. Eine Scheibe Toast verschwindet dabei in einem Toaster, eine LED zeigt den Betrieb an und nach einer gewissen Zeit taucht der Toast wieder auf.

Leserkommentare
  1. Könnte mir jemand sagen, welchem Zweck dieser Artikel dient?
    Information über animierte Toaster???

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ja, kann ich: Zu dem Zweck, computeraffine Nutzer zu amüsieren.

    Mir selbst ist dieses Bild mit genau derselben Fragestellung in der Vergangenheit auch ein paar Mal über den Weg gelaufen.

    • eklipz
    • 16. April 2013 18:14 Uhr

    z.B. dass manch Journalist (nicht der Autor, der der das Foto in die Welt gesetzt hat) wohl unglaublich oberflächlich arbeitet - Qualitätsjournalismus ;)

    • wauz
    • 16. April 2013 18:23 Uhr

    Genauso, wie jeder Unfall mit einer exothermen Reaktion (beabsichtigt oder nicht) bei Journalisten spätestens in der dritten Zeil zur Detonation mutiert, so wird hier ohne Sachverstand ein Witz mit einem Bild weitergetragen. Nicht, weil diese Journalisten einen Witz machen wollten, sondern einfach - und das muss mal in dieser Härte auch gesagt werden - weil sie zu blöde und zu faul (ja, in der Reihenfolge!) zum Recherchieren sind.
    Jeder, der halbwegs unfallfrei mit Tastatur, Maus und einem Rechtschreibprüfungsprogramm etwas Text zusammenkratzen kann, ist Journalist. Wenn er weiß, was ein Thesaurus ist, wird er zum Redakteur befördert, egal ob Dass ein Blödsinn ist.
    (Muss stimmen, denn das Korrekturprogramm schlägt keine roten Wellen...)

    Eine Mode aus dem nicht-deutschsprachigen Ausland, die sich, so hört man, bei der jüngeren Generation auch hierzulande zunehmender Beliebtheit erfreut.

  2. Ja, kann ich: Zu dem Zweck, computeraffine Nutzer zu amüsieren.

    Mir selbst ist dieses Bild mit genau derselben Fragestellung in der Vergangenheit auch ein paar Mal über den Weg gelaufen.

    31 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Und jetzt...?"
    • eklipz
    • 16. April 2013 18:14 Uhr

    z.B. dass manch Journalist (nicht der Autor, der der das Foto in die Welt gesetzt hat) wohl unglaublich oberflächlich arbeitet - Qualitätsjournalismus ;)

    9 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Und jetzt...?"
    • wauz
    • 16. April 2013 18:23 Uhr

    Genauso, wie jeder Unfall mit einer exothermen Reaktion (beabsichtigt oder nicht) bei Journalisten spätestens in der dritten Zeil zur Detonation mutiert, so wird hier ohne Sachverstand ein Witz mit einem Bild weitergetragen. Nicht, weil diese Journalisten einen Witz machen wollten, sondern einfach - und das muss mal in dieser Härte auch gesagt werden - weil sie zu blöde und zu faul (ja, in der Reihenfolge!) zum Recherchieren sind.
    Jeder, der halbwegs unfallfrei mit Tastatur, Maus und einem Rechtschreibprüfungsprogramm etwas Text zusammenkratzen kann, ist Journalist. Wenn er weiß, was ein Thesaurus ist, wird er zum Redakteur befördert, egal ob Dass ein Blödsinn ist.
    (Muss stimmen, denn das Korrekturprogramm schlägt keine roten Wellen...)

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Und jetzt...?"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    > (...)
    > Nicht, weil diese Journalisten einen Witz machen wollten,
    > sondern einfach - und das muss mal in dieser Härte auch gesagt
    > werden - weil sie zu blöde und zu faul (ja, in der Reihenfolge!)
    > zum Recherchieren sind.

    Nö, das muß in dieser Härte überhaupt nicht gesagt werden. Den meisten Autoren, die das Bild bisher verwendeten, ging es offensichtlich um ein schnell zu findendes Foto, das symbolhaft den Themenbereich illustriert. Und diesen Zweck leistet das Foto zweilfelsohne. Ob der Programmcode jetzt aus einem virtuellen Toaster oder einem Projekt für eine Zeitmaschine stammt, ist dabei völlig egal, da sieht sowieso kaum jemand genau hin.

    Hoppla, da steckt ja viel Agression in den Zeilen.
    Ob es jetzt eine Detonation oder eine Explosion war, ob es ein GAU ist oder ein Super-GAU... darüber kann man wirklich streiten. Aber in diesem Beitrag geht es um ein Dummy-Bild, welches als solches wirklich immer auszumachen ist. Oder erwarten Sie ernsthaft heißen, relevanten Code zum jeweiligen Thema des Beitrags, welches das Bild ziert? Nein. Also ganz ruhich!

  3. > (...)
    > Nicht, weil diese Journalisten einen Witz machen wollten,
    > sondern einfach - und das muss mal in dieser Härte auch gesagt
    > werden - weil sie zu blöde und zu faul (ja, in der Reihenfolge!)
    > zum Recherchieren sind.

    Nö, das muß in dieser Härte überhaupt nicht gesagt werden. Den meisten Autoren, die das Bild bisher verwendeten, ging es offensichtlich um ein schnell zu findendes Foto, das symbolhaft den Themenbereich illustriert. Und diesen Zweck leistet das Foto zweilfelsohne. Ob der Programmcode jetzt aus einem virtuellen Toaster oder einem Projekt für eine Zeitmaschine stammt, ist dabei völlig egal, da sieht sowieso kaum jemand genau hin.

    9 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Öltank detoniert"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • wauz
    • 16. April 2013 18:57 Uhr

    Solche Bilder sind ohne Nachrichtenwert, sie sind auch keine Verständlichkeitshilfe, sie sind einfach nur sinnlose Deko. Solche Bilder lügen. Solche Bilder verführen. Solche Bilder vermitteln falsche Eindrücke.
    Das Beispiel mit der Detonation ist bewusst gewählt. Aus aktuellem Anlass. Heute morgen waren im Frühstücksfernsehen zwei Explosionen zu sehen und zu hören. Wer sich ein _bisschen_ auskennt, hat sofort gewusst, dass da nichts detoniert ist. Eine Detonation ist nämlich eine Explosion, deren Druckwelle schneller als der Schall ist. Man erkennt sie an einem ganz scharfen Ton und man erkennt es auch daran, dass zuerst gegenstände fliegen und Flammen etc. erst später zu sehen sind. Hätte es in Boston zwei Detonationen gegeben, wäre eine Anzahl Tote im zwei- und dreistelligen Bereich zu beklagen gewesen.
    Man kann als Journalist so etwas wissen. Man kann, wenn man es nicht weiß, auch mal nachschauen oder einfach mal einen Feuerwehrmann fragen.
    Ja, und es macht einen Unterschied! Im Fall der Anschläge sagte es viel über die Täter aus, wenn es Detonationen gäbe. dann hätten diese Zugang zu militärischem Sprengstoff.
    So aber werden Worte wie Bilder nur zur Dekoration benutzt, ohne jede Rücksicht auf Wahrheit.
    DAS IST ABER KEIN JOURNALISMUS!

    • wauz
    • 16. April 2013 18:57 Uhr

    Solche Bilder sind ohne Nachrichtenwert, sie sind auch keine Verständlichkeitshilfe, sie sind einfach nur sinnlose Deko. Solche Bilder lügen. Solche Bilder verführen. Solche Bilder vermitteln falsche Eindrücke.
    Das Beispiel mit der Detonation ist bewusst gewählt. Aus aktuellem Anlass. Heute morgen waren im Frühstücksfernsehen zwei Explosionen zu sehen und zu hören. Wer sich ein _bisschen_ auskennt, hat sofort gewusst, dass da nichts detoniert ist. Eine Detonation ist nämlich eine Explosion, deren Druckwelle schneller als der Schall ist. Man erkennt sie an einem ganz scharfen Ton und man erkennt es auch daran, dass zuerst gegenstände fliegen und Flammen etc. erst später zu sehen sind. Hätte es in Boston zwei Detonationen gegeben, wäre eine Anzahl Tote im zwei- und dreistelligen Bereich zu beklagen gewesen.
    Man kann als Journalist so etwas wissen. Man kann, wenn man es nicht weiß, auch mal nachschauen oder einfach mal einen Feuerwehrmann fragen.
    Ja, und es macht einen Unterschied! Im Fall der Anschläge sagte es viel über die Täter aus, wenn es Detonationen gäbe. dann hätten diese Zugang zu militärischem Sprengstoff.
    So aber werden Worte wie Bilder nur zur Dekoration benutzt, ohne jede Rücksicht auf Wahrheit.
    DAS IST ABER KEIN JOURNALISMUS!

    9 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich finde Ihren Beitrag hilf- und lehrreich, da ich so - völlig off-topic - den mir bisher so nicht bekannten zwischen Explosion und Detonation gelernt habe.

    Entfernt. Bitte kehren Sie zur Diskussion des konkreten Artikelinhalts zurück. Danke, die Redaktion/jp

  4. oder der Code beherrscht Dich.

    Nicht von mir.

    2 Leserempfehlungen
  5. LOL

    Das ist wie mit den unzähligen TV-Serien und Filmen, die Hacken als sinnfreies Getippsel in hochgradig albernen Interfaces darstellen. ;-)

    7 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Schlagworte Geschichte | Medien | Bundesregierung | Google | Blog | Hacker
Service