In den USA ist die Huffington Post ein großes und erfolgreiches Unternehmen. Die Mischung aus Blog, Nachrichtenplattform und Onlinezeitung wurde 2011 für immerhin 315 Millionen Dollar an AOL verkauft. Seit mehreren Jahren versucht die HuffPo, in andere Länder zu expandieren, derzeit hauptsächlich in Europa. Doch scheint das nicht ganz so leicht zu sein.

Im November 2011 berichtete Spiegel Online, dass die HuffPo zusammen mit einem hiesigen Verlag eine deutsche Ausgabe plant. Innerhalb der kommenden sechs Monate solle sie starten, hieß es damals. Doch die deutschen Verlage winkten ab. Offenbar glaubten sie nicht an das Modell aus Link-Kuration, Bloggertexten und kurzen Nachrichten.

Erst jetzt, eineinhalb Jahre später, nimmt eine Kooperation Gestalt an. HuffPo und Tomorrow Focus AG verkündeten am Montag, dass sie nun eine entsprechende Redaktion aufbauen wollen.

Die HuffPo hat bereits Redaktionen in Kanada, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien. Im Mai soll es zudem eine japanische Ausgabe geben. Der deutsche Markt gilt allerdings als schwierig. Nicht nur, weil es hier schon viele Medien gibt, die kostenlos und umfassend informieren. Sondern auch, weil das sogenannte Leistungsschutzrecht demnächst Gesetz wird. Die HuffPo könnte davon betroffen sein. Linkhinweise sind ein wichtiger Teil des Portals. Sollten sie automatisch erzeugt werden, müsste die Seite dafür Lizenzgebühr zahlen, da sie dann unter das Leistungsschutzrecht fallen.

Gegner von Bezahlschranken

Noch aus einem anderen Grund tun sich deutsche Verlage wohl schwer mit dem Konzept. Derzeit diskutieren Springer, Süddeutsche und Spiegel Modelle, um Teile der Inhalte nur noch gegen Bezahlung online abzugeben. Die HuffPo ist ein erklärter Gegner von Bezahlmodellen und finanziert sich ausschließlich durch Werbung. Den Versuch, landesweit bei möglichst vielen Medien Bezahlschranken einzuführen, würde die Seite also behindern.

Die Tomorrow Focus AG, zu der neben der Nachrichtenseite auch Hotelbewertungsportale und Onlinereisebüros gehören und die Focus Online betreibt, verspricht sich trotzdem einiges von der Kooperation. Die HuffPo mit ihrer Mischung aus nutzergeneriertem und von Journalisten geschaffenem Content passe hervorragend zum Geschäftsmodell der AG, sagt Christoph Schuh, Vorstand der Tomorrow Focus AG in einem Video. Man wolle aggressiver in den Bereich Content investieren und dabei mindestens zehn Jahre mit der HuffPo  zusammenarbeiten. Außerdem erhofft sich das Medienhaus, den Werbeverkauf zu koppeln. 

Die deutsche Redaktion soll am 15. Juli in München bei der Burda-Konferenz DLDWoman vorgestellt werden. Gesucht werden insgesamt 15 Redakteure. Damit ist die deutsche Ausgabe ein eher kleiner Ableger der Gruppe. Die Mannschaft der kanadischen Ausgabe hat 25 Mitarbeiter, die der britischen 27 Mitarbeiter, die der französischen 16, die der italienischen elf und die der spanischen neun.