Icann : Anonyme Domains soll es nicht mehr geben

Auf Wunsch von Strafverfolgern wird bald jeder überprüft, der eine Web-Adresse will. Das soll Betrüger treffen, schadet aber Regierungskritikern.

Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (Icann) hat bei einem Treffen in Peking beschlossen, die Registrierung von Internetdomains weltweit strenger zu regeln. Wer eine Adresse wie beispielseite.de anmelden will, muss dann nicht nur wie bisher Kontaktdaten angeben, sondern diese sollen auch überprüft werden. Außerdem werden die Verwalter der Adressen verpflichtet, Daten aus der Kommunikation mit ihren Kunden zu speichern.

Mit der Neuerung will die Icann Kriminalität erschweren, etwa das sogenannte Phishing, also das Abgreifen von Bankdaten mithilfe von gefälschten Internetseiten. Damit wird es allerdings auch für Regierungskritiker aufwendiger und risikoreicher, etwas anonym im Netz zu veröffentlichen.

Die Icann ist eine private Stiftung mit Hauptsitz in Kalifornien und zuständig für die Verwaltung der Namen und Adressen im Internet. Sie akkreditiert die sogenannten Registries, die für die Verwaltung von Domains unterhalb bestimmter Top-Level-Domains (TLD) wie .com oder .de verantwortlich sind. Die wiederum beauftragen Registrare mit dem Verkauf von Domains an Kunden, also Unternehmen oder Privatpersonen.

Vorschläge des FBI

Bei ihrem Treffen einigten sich Icann und die Vertreter der Registrare auf eine ganze Reihe neuer Regelungen. Sie basieren allesamt auf den Vorschlägen einer Icann-Arbeitsgruppe, die wiederum ausdrücklich von zahlreichen Polizeibehörden wie dem FBI und dem Bundeskriminalamt unterstützt werden.

Um einem Missbrauch von Domains vorzubeugen, müssen Registrare künftig überprüfen, ob die Telefonnummer oder E-Mail-Adresse eines Kunden korrekt ist, berichtet Thomas Rickert, der für den eco, den Verband der deutschen Internetwirtschaft in Peking, dabei ist. Außerdem, heißt es bei heise online, sollen von den Registries über die Registrare und deren Reseller bis hin zum Endkunden alle Beteiligten verpflichtet werden, korrekte Angaben zu machen beziehungsweise diese zu überprüfen. Es werden also zumindest bürokratische Hürden aufgestellt, um Kriminelle aufzuhalten.

Patrick Beuth

Patrick Beuth ist Redakteur im Ressort Digital bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Des Weiteren wird die Icann in Peking beschließen, dass alle Registrare Log-Daten wie IP-Adressen aus der Kommunikation mit Kunden speichern müssen. Weil sie das für mehrere Monate tun sollen, wird das Vorhaben auch Vorratsdatenspeicherung der Registrare genannt. Der Vertragstext ist noch nicht ausformuliert, Details sind deshalb noch nicht ganz klar. Aber Thomas Rickert sagt, es werde auf Antrag einzelner Registrare auch Ausnahmen von der Speicherpflicht geben, sodass Registrare "in unterschiedlichen Jurisdiktionen unterschiedliche Daten für unterschiedliche Dauer speichern müssen".

Der Nachteil der neuen Regeln: Wer in einem Land mit eingeschränkter Meinungs- und Pressefreiheit lebt, wird es noch schwerer haben, anonym eine Internetseite zu betreiben, auf der regierungskritische Inhalte stehen. Denn er wäre noch schneller zu identifizieren als bisher.

Wirklich anonym sind Websites nicht

Schon heute ist es schwierig, eine Domain wirklich anonym zu beantragen. Zwar bieten viele Registrare entsprechende Dienstleistungen an. Sie nehmen den Auftrag entgegen, registrieren die Domain auf ihren eigenen Namen und sorgen so dafür, dass der eigentliche Domaininhaber nicht in der sogenannten Whois-Datenbank auftaucht, die von jedermann eingesehen werden kann.

Aber spätestens wenn der Auftraggeber mit einer Kreditkarte bezahlt, kennt der Registrar seine Identität und muss sie Strafverfolgern auf Verlangen aushändigen. Einige Anbieter behaupten, auch das mit technischen und rechtlichen Maßnahmen verhindern zu können, aber darauf ankommen lassen sollte es ein Dissident besser nicht, wenn sein Leben davon abhängt. Für wirkliche Anonymität müsste der Antragsteller unter anderem falsche Angaben zur Person machen und zum Beispiel mit Bitcoins bezahlen, was immerhin bei einigen Registraren möglich ist.

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Kommentare

17 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Ist ja alles wirklich kurios

Mag ja stimmen und er hat Recht mit den "99,x% aller Anonymuse".
Die harten Fakten unterscheiden aber zwischen Mail-Domain und Web-Domain. Zweites hat wesentlich mehr mit Icann zu tun als die ominösen Mail-Spamer die anonym Mail-Domains am ISP vorbei bekommen.

Ich hatte gerade vorhin zufällig in einer klassischen Spam-Zeitung von den Möglichkeiten gelesen, die dieses ultraneu Ding namens E-Mail so alles bietet.
Nämlich Mail-Domains die bisher keiner haben will. Und die gibt es nun zu "100 Prozent kostenlos" bei jemandem bei dem man sich nur melden muß.
Wohlgemerkt, dies steht unter der Schlagzeile, wenn man das so nennen kann, im März 2013, für eine Gegend, die Luftfahrt und Raumfahrt und diverse Hightec Konsorten beheimatet, bis hin zu Siemens, das ist quasi ein eigener Stadteil von München und drum rum wohnen auch einige Siemensianer.

Und was steht da erstmal ? : " Heutzutage versucht eigentlich jeder, mit dem geringstmöglichen Aufwand den größten Gewinn zu erzielen. Und das das World Wide Web dazu prädistiniert ist, zeigt die immer größere Anzahl an sogenannten "Domaingrabbern". Genau diese Leute registrieren freie Internetseiten auf sich, um eventuell einmal Geld damit zu verdienen.."
Und schwupps, geht's doch nur zu E-Mail-Domain.
Hauptsache -Web- und -Internet- gelten zusammen weterhin das sogenannte neue Medium Internet, also der diffuse Einheitsbrei aus beidem, den mal endlich der Staat übernehmen muß, denn "da kennt sich ja keiner mehr aus".

UND: Wer möchte wissen ...

... was so alles bereits in den Schubladen der Staatsplaner liegt.
Dort ist zu lesen: "Die institutionellen Kommunikatoren des EU-Parlament müssen befähigt sein, öffentliche Diskussionen und Stimmungen auf realem Boden und in Echtzeit zu überwachen, um "Trending Topics" zu verstehen und die Fähigkeit haben, schnell zu reagieren, um sich in einer gezielten und relevanten Weise zu beteiligen und Einfluss auf die Kommunikation zu nehmen; zum Beispiel, indem sie Fakten und Zahlen zur Verfügung stellen, die Mythen dekonstruieren sollen." - Ende Januar war bereits bekannt geworden, dass man in Brüssel ebenfalls plant, in allen Mitgliedsländern "Medienräte" einzuführen, und mit der Befugnis zur Verhängung von Strafen und zur "Suspendierung" von Journalisten auszustatten.
http://jetzt.sueddeutsche...

Vorrauseilend vordenken !

Wie die Kanzlerin. Die hat ja auch schon mehrfach öffentlich vorgerechnte wie das mit China und der westlichen Welt am Ende dieses Jahrhunderts aussehen wird.
Damit mal gleich jeder selber mitdenkt und versteht wie wichtig eine zentralistische geführte planmarktwirtschftliche....... Dingsda, muß jeder selber erahnen.

Vier Fünftel werden aber weiterhin Nicht-Cinesen sein und es bleiben wollen.
Und wer Domains verschenkt ist blöd und sowieso ein hoffnungsloser Fall.

Man,man,man über 20 Jahe nach der erfindung -www-