Julian Assange hat angekündigt, sich "in den nächsten Jahren" einem neuen Projekt zu widmen. Der Gründer und Sprecher der Enthüllungsplattform WikiLeaks will durch ein von ihm entwickeltes Verschlüsselungsverfahren alle Onlineinformationen fälschungssicher machen, um sie "vor jeder Manipulation durch öffentliche wie private Supermächte" zu schützen. Das sagte Assange in einem Interview, das Philosoph Alexandre Lacroix für die ZEIT in der Botschaft von Ecuador in London führte. Dort hält sich Assange seit Juni 2012 auf.

Assange sagte Lacroix, das Internet solle "ein riesiges Gebäude sein, in dem das gesamte Wissen der Menschheit aufbewahrt wird. Heutzutage jedoch können sogar die Fundamente dieses Gebäudes von einem Moment zum anderen zerbröseln. Sie gehören anderen Instanzen als seinen Bewohnern."

Die Infrastruktur des Internets werde "weitgehend von amerikanischen Firmen kontrolliert". Deshalb könnten gegenwärtig "auf Anforderung des US-Außenministeriums ganze Informationssammlungen aus dem Internet gelöscht werden." Die "einzige praktikable Lösung für dieses Machtproblem" bestehe darin, "unveränderliche und narrensichere Onlineinformationen zu erzeugen".

Assange sagte, er arbeite "an kryptografischen Zertifikaten, die beim Öffnen einer Datei sicherstellen, dass es sich um das Original handelt und nichts daran geändert wurde". Bestehende Verschlüsselungstechnik wie etwa das SSL-Protokoll hält er für nicht sicher. Firmen, die Zertifikate für dieses Verfahren ausstellen, seien korrupt oder bereits gehackt worden.

Der Australier verlässt die Botschaft von Ecuador nicht, weil die britischen Behörden ihn nach Schweden überstellen wollen. Dort soll er wegen Vergewaltigungsvorwürfen gegen ihn eine Aussage machen. Assange fürchtet, von Schweden an die USA ausgeliefert zu werden, wo ihm ein Prozess droht. WikiLeaks hatte in der Aktion Cablegate massenweise Diplomaten-Depeschen und andere, teils als geheim klassifizierte Dokumente von amerikanischen Behörden und dem Militär veröffentlicht.

Die Flucht in die Botschaft sei "Teil eines größeren Plans" gewesen, sagt Assange. "Ich bin nicht zufällig in dieses Gebäude hineinspaziert. Das war eine strategische Entscheidung." Auf die Frage, wo er sich selbst in zehn Jahren sieht, antwortete Assange: "Wenn sich die Welt in die richtige Richtung entwickelt und die Völkergemeinschaft der freien Meinungsäußerung wohlgesonnen ist, wenn staatliches Handeln transparenter wird, dann wird man meine Aktivitäten überdenken und in einem besseren Licht sehen. Man wird dann die Rolle würdigen, die WikiLeaks bei der Aufdeckung von Kriegsverbrechen im Irak und in Afghanistan spielte, man wird anerkennen, dass Cablegate den Arabischen Frühling mit vorbereitet hat." Sollte sich die Welt aber anders entwickeln, "dann werde ich wahrscheinlich irgendwo eingesperrt sein".

Lesen Sie das ganze Interview mit Julian Assange in der am Donnerstag erscheinenden Ausgabe der ZEIT.