Verstaatlichen? Jetzt sind alle erschrocken, oder? Tut mir leid, aber es ist schwierig, über Netzneutralität zu sprechen oder zu schreiben, die meisten Menschen schalten bei diesem Wort sofort ab. Dabei ist das Problem ganz einfach wie das Beispiel...

Hallo, sind Sie noch da? Ok, ich versuche es anders: Die Telekom will, dass ihre Flatrates keine Flatrates mehr sind. Wer eine bestimmte Menge Internet verbraucht, also 75 Gigabyte Daten heruntergeladen hat, dessen Geschwindigkeit soll gedrosselt werden. So heftig, dass danach eigentlich nur noch Mails funktionieren, und auch das nur, wenn keine Bilder angehängt sind.

Wie verrückt das ist, hat der Community Manager Sven Dietrich in seinem Blog ausgerechnet: "Mein Auto fährt, wenn ich 75 Kilometer weit gefahren bin, plötzlich nicht mehr mit 50 Kilometern in der Stunde, sondern nur noch mit 0,77 Prozent der Geschwindigkeit, das sind dann 0,38 Kilometer in der Stunde. (...) Das ist keine Drosselung. Wenn mein Auto nicht mehr 50 Kilometer in der Stunde fährt, sondern langsamer ist als eine Stechmücke (1,4 km/h), Maulwurf (4 km/h) oder eine Stubenfliege (8,2 km/h), dann ist das kaputt."

Aber die Telekom kann mit ihren Flatrates natürlich machen, was sie will: drosseln, würgen, strangulieren – geschenkt, das geht niemanden etwas an. Ist ja ein freier Markt. Wenn sie allerdings wie geplant beginnt, nur fremde Inhalte auszubremsen, die eigenen aber weiter in vollem Tempo durchzulassen, dann ist das ein Problem.

Alle Inhalte müssen gleich behandelt werden

Das ist ungefähr so, als würden die lokalen Wasserbetriebe entscheiden, dass nur das eigene Wasser bei den Kunden aus dem Hahn kommen darf. Das Wasser fremder Anbieter aber, das vielleicht besser schmeckt und vielleicht sogar etwas sauberer ist, würde dann am Pumpwerk aufgehalten und nur noch tropfenweise hindurchgelassen, wenn die Wasserflatratebegrenzung von 75 Kubikmetern erreicht ist.

Das wäre ein Verstoß gegen die sogenannte Netzneutralität, denn die fordert beim Strom wie auch beim Internet, dass Leitungsbetreiber die Inhalte aller Anbieter gleich behandeln müssen. Wenn drosseln, heißt das im Fall der Telekom, dann alle.

Selbstverständlich hinken beide Vergleiche, der mit dem Auto und der mit dem Wasser, das gebe ich zu. Aber sie verdeutlichen das Problem. Denn eigentlich geht es um etwas anderes, siehe Überschrift. Es geht um die Frage, ob das Internet für uns inzwischen so wichtig ist wie Wasser, Strom und Straßen.  

Straßen baut hierzulande der Staat. Stromleitungen und Wasserrohre nicht mehr, beide Bereiche wurden, genau wie Telefonleitungen, privatisiert. Da die Menschen dadurch frei zwischen vielen Anbietern wählen können, finden die meisten das gut, zumindest solange der Preis für die durch die Leitungen transportierte Ware nicht steigt.