Das Ende kommt ohne Umschweife: "Wir machen’s kurz: Es ist vorbei", schreiben die Betreiber der Plattform an ihre Mitglieder. Noch drei Wochen haben diese nun Zeit, um ihre Fotos, Links und anderen Inhalte zu sichern, dann wird alles unwiederbringlich gelöscht. Online bleiben – zumindest vorerst – die zwei anderen Plattformen studiVZ und meinVZ, dazu die erst vor Kurzem gestartete Fotoplattform bilderVZ.

Die Nachricht kommt plötzlich, aber nicht völlig unerwartet. Denn schon seit Jahren macht schülerVZ mit den anderen Angeboten der Firma Poolworks vor allem durch ihren stetigen Niedergang von sich reden. Die VZ-Netzwerke waren nach ihrer Gründung im Jahr 2005 trotz offenkundiger Anleihen am US-Vorbild Facebook eine der großen deutschen Erfolgsgeschichten im Internet. Zuerst eroberte das Studentenportal studiVZ die deutschen Universitäten, dann versuchte Poolworks, den Erfolg an Schulen zu wiederholen.

SchülerVZ soll im Jahr 2010 rund 5,8 Millionen Profile versammelt haben und wäre damit das mit großem Abstand führende Internetportal für Jugendliche in Deutschland gewesen. Hier konnten sich Jugendliche ab 10 Jahren mit ihren Klassenkameraden und Freunden vernetzen sowie Nachrichten austauschen.

Als die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck  (zu der auch ZEIT ONLINE gehört) das Berliner Startup 2007 übernommen hatte, versuchte sie, das starke Wachstum in Rentabilität umzuwandeln: Die Plattformen wurden ausgebaut, Werbung geschaltet, nicht rentable Ableger in europäischen Ländern abgestellt. 2010 machten die VZ-Plattformen nach Unternehmensangaben Gewinn.

Zuletzt nur 200.000 aktive Mitglieder

Doch die Entwicklung der Portale trat auf der Stelle. Die Nutzungszahlen sanken laut Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) immer weiter: von knapp 450 Millionen im Dezember 2010 auf deutlich unter 100 Millionen nur ein Jahr später.

Mit der zunehmenden Popularität von Facebook in Deutschland wurde das 2007 gegründete Portal immer unattraktiver. Zuletzt sollen nach Medienberichten nur 200.000 Mitglieder online gewesen sein. Zu wenig, um Werbekunden anzuziehen und gleichzeitig die hohen Anforderungen an den Jugendschutz zu erfüllen, mit dem die Betreiber gegen die US-Konkurrenz punkten wollten. So mussten die Betreiber die Beiträge auf dem Portal aufwendiger moderieren, um gegen Mobbing oder nicht-jugendfreie Inhalte vorzugehen. 

Lange Zeit gab es Verkaufsgerüchte, im September 2012 stieß Holtzbrinck die glücklose Tochter dann an die Investmentgesellschaft Vert Capital ab. Doch auch der neue Betreiber fand keine Antwort auf die sinkenden Nutzerzahlen. Ende 2012 meldete das Unternehmen seine Nutzerzahlen gar nicht mehr. Facebook hingegen stieg zum weltweiten Marktführer auf und versammelt inzwischen mehr als eine Milliarde Nutzer.

Nur noch zwölf Angestellte

Von den einst über 300 Poolworks-Mitarbeitern ist nur noch eine kleine Rumpfmannschaft von zwölf Angestellten übrig geblieben. Die wollen sich jetzt auf die Weiterentwicklung der Angebote konzentrieren. So hat Poolworks erst im März die Plattform bilderVZ online gestellt, die stark an Pinterest erinnert. Hier können Mitglieder eigene Fotos und Internetfundstücke zusammentragen. Da es jedoch bereits mehrere deutsche Pinterest-Nachahmer gibt, dürfte es das neue Angebot schwer haben, neue Nutzer zu gewinnen.

Wie und ob es mit meinVZ und studiVZ weitergeht, ist unklar. Gerade der Netzwerk-Effekt, der die VZ-Portale einst so groß machte, arbeitet nun gegen die Angebote. Wenn alle Freunde auf einem Portal sind, ziehen viele andere Nutzer nach. Bleiben die Freunde der Plattform jedoch fern, brauchen die Nutzer handfeste Gründe, um zu bleiben. Ob Poolworks im Sparbetrieb solche Gründe liefern kann, ist fraglich.