Soziale NetzwerkeSchülerVZ macht endgültig dicht

Nach dem langen Niedergang der VZ-Netzwerke zieht der neue Eigentümer nun eine erste Notbremse: Ende April schließt schülerVZ, das Portal für Jugendliche. von 

Das Ende kommt ohne Umschweife: "Wir machen’s kurz: Es ist vorbei", schreiben die Betreiber der Plattform an ihre Mitglieder. Noch drei Wochen haben diese nun Zeit, um ihre Fotos, Links und anderen Inhalte zu sichern, dann wird alles unwiederbringlich gelöscht. Online bleiben – zumindest vorerst – die zwei anderen Plattformen studiVZ und meinVZ, dazu die erst vor Kurzem gestartete Fotoplattform bilderVZ.

Die Nachricht kommt plötzlich, aber nicht völlig unerwartet. Denn schon seit Jahren macht schülerVZ mit den anderen Angeboten der Firma Poolworks vor allem durch ihren stetigen Niedergang von sich reden. Die VZ-Netzwerke waren nach ihrer Gründung im Jahr 2005 trotz offenkundiger Anleihen am US-Vorbild Facebook eine der großen deutschen Erfolgsgeschichten im Internet. Zuerst eroberte das Studentenportal studiVZ die deutschen Universitäten, dann versuchte Poolworks, den Erfolg an Schulen zu wiederholen.

Anzeige

SchülerVZ soll im Jahr 2010 rund 5,8 Millionen Profile versammelt haben und wäre damit das mit großem Abstand führende Internetportal für Jugendliche in Deutschland gewesen. Hier konnten sich Jugendliche ab 10 Jahren mit ihren Klassenkameraden und Freunden vernetzen sowie Nachrichten austauschen.

Als die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck  (zu der auch ZEIT ONLINE gehört) das Berliner Startup 2007 übernommen hatte, versuchte sie, das starke Wachstum in Rentabilität umzuwandeln: Die Plattformen wurden ausgebaut, Werbung geschaltet, nicht rentable Ableger in europäischen Ländern abgestellt. 2010 machten die VZ-Plattformen nach Unternehmensangaben Gewinn.

Zuletzt nur 200.000 aktive Mitglieder

Doch die Entwicklung der Portale trat auf der Stelle. Die Nutzungszahlen sanken laut Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) immer weiter: von knapp 450 Millionen im Dezember 2010 auf deutlich unter 100 Millionen nur ein Jahr später.

Mit der zunehmenden Popularität von Facebook in Deutschland wurde das 2007 gegründete Portal immer unattraktiver. Zuletzt sollen nach Medienberichten nur 200.000 Mitglieder online gewesen sein. Zu wenig, um Werbekunden anzuziehen und gleichzeitig die hohen Anforderungen an den Jugendschutz zu erfüllen, mit dem die Betreiber gegen die US-Konkurrenz punkten wollten. So mussten die Betreiber die Beiträge auf dem Portal aufwendiger moderieren, um gegen Mobbing oder nicht-jugendfreie Inhalte vorzugehen. 

Lange Zeit gab es Verkaufsgerüchte, im September 2012 stieß Holtzbrinck die glücklose Tochter dann an die Investmentgesellschaft Vert Capital ab. Doch auch der neue Betreiber fand keine Antwort auf die sinkenden Nutzerzahlen. Ende 2012 meldete das Unternehmen seine Nutzerzahlen gar nicht mehr. Facebook hingegen stieg zum weltweiten Marktführer auf und versammelt inzwischen mehr als eine Milliarde Nutzer.

Nur noch zwölf Angestellte

Von den einst über 300 Poolworks-Mitarbeitern ist nur noch eine kleine Rumpfmannschaft von zwölf Angestellten übrig geblieben. Die wollen sich jetzt auf die Weiterentwicklung der Angebote konzentrieren. So hat Poolworks erst im März die Plattform bilderVZ online gestellt, die stark an Pinterest erinnert. Hier können Mitglieder eigene Fotos und Internetfundstücke zusammentragen. Da es jedoch bereits mehrere deutsche Pinterest-Nachahmer gibt, dürfte es das neue Angebot schwer haben, neue Nutzer zu gewinnen.

Wie und ob es mit meinVZ und studiVZ weitergeht, ist unklar. Gerade der Netzwerk-Effekt, der die VZ-Portale einst so groß machte, arbeitet nun gegen die Angebote. Wenn alle Freunde auf einem Portal sind, ziehen viele andere Nutzer nach. Bleiben die Freunde der Plattform jedoch fern, brauchen die Nutzer handfeste Gründe, um zu bleiben. Ob Poolworks im Sparbetrieb solche Gründe liefern kann, ist fraglich.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Ab heute hat mein Leben keinen Sinn mehr. Was mach ich nur?

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Endlich ein Unternehmen weniger, das vom gewerblichen Denunziantentum lebt.

  2. Erst Maggie Thatcher, dann das schülerVZ - was kommt als nächstes? Wird bald der Eiffelturm abgerissen?

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ü 90 VZ

  3. Endlich ein Unternehmen weniger, das vom gewerblichen Denunziantentum lebt.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Verzweiflung"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    würden wir dann noch über Brieftauben kommunizieren? Das Bashing sozialer Netzwerke übersieht, bei aller berechtigter Kritik, das soziale Potenzial, aber ok.
    Zu SchülerVZ. Meine größte Sorge war, dass dies ein potenzieller Pool für Pädophile ist. Dies ist eines der Risiken von expliziten Kinder/Jugendsocialnetworks.
    Es ist eigentlich erstaunlich, wie facebook nach und nach die Konkurrenz zu Fall gebracht hat (nicht geziet, aber durch ein offensives Marketing und Selbstdarstellung) und manchmal ist es Schade, denn ohne Wettbewerb, wo bleibt da der Druck für fb, sich weiterzuentwickeln und Kundenbedürfnisse zu befriedigen?

  4. 4. Nein,

    Ü 90 VZ

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Allgemeines Sterben."
  5. würden wir dann noch über Brieftauben kommunizieren? Das Bashing sozialer Netzwerke übersieht, bei aller berechtigter Kritik, das soziale Potenzial, aber ok.
    Zu SchülerVZ. Meine größte Sorge war, dass dies ein potenzieller Pool für Pädophile ist. Dies ist eines der Risiken von expliziten Kinder/Jugendsocialnetworks.
    Es ist eigentlich erstaunlich, wie facebook nach und nach die Konkurrenz zu Fall gebracht hat (nicht geziet, aber durch ein offensives Marketing und Selbstdarstellung) und manchmal ist es Schade, denn ohne Wettbewerb, wo bleibt da der Druck für fb, sich weiterzuentwickeln und Kundenbedürfnisse zu befriedigen?

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Was anderes!"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    geht auch ohne

    a) Brieftauben

    b) soziale Netzwerke

    elektronisch/digital.

    Wenn Sie auf mein Alter anspielen:

    c) habe ich mathematische Programme nach dem Newtonschen Näherungsverfahren programmiert, als Sie noch in den Windeln lagen,

    d) mache ich mit 65 noch das → http://contenderclass.de/...

    Kommen Sie doch mal mit - da kann man auch wunderbar kommunizieren, abends nach der Regatta beim Bier!

    Tja, so schnell wird aus Spaß noch mehr Spaß!

    Dennoch, vielen Dank für Ihren netten Kommentar.

    Auch meine eigene Stieftochter wurde wohl von einem User mit eindeutigen Botschaften im Chat angequatscht. Nachdem sie, als sie Tage danach bei uns zu Besuch war, damit rausrückte, schrieben wir sofort an den Support, nannten Namen, Datum und grobe Uhrzeit.
    Und der Support antwortete, Tage später: "Danke, dass Sie sich an uns wenden, wir legen größten Wert auf höchste Sicherheit und den Schutz unserer minderjährigen User..." [Hier weiteres Marketingsprech einfügen] und dann: janee, man bräuchte da auf jeden Fall Screenshots. Es seien keine Logfiles vorhanden, man könne da rein gar nichts für uns tun.
    (Äh - moment?)
    Natürlich hatten wir keine Screenshots - es war Tage vorher geschehen, auch nicht auf unseren Rechnern, und natürlich hatte meine Stieftochter nichts gesichert...

    Wie auch immer: SchülerVZ weine ich keine Träne nach.

  6. geht auch ohne

    a) Brieftauben

    b) soziale Netzwerke

    elektronisch/digital.

    Wenn Sie auf mein Alter anspielen:

    c) habe ich mathematische Programme nach dem Newtonschen Näherungsverfahren programmiert, als Sie noch in den Windeln lagen,

    d) mache ich mit 65 noch das → http://contenderclass.de/...

    Kommen Sie doch mal mit - da kann man auch wunderbar kommunizieren, abends nach der Regatta beim Bier!

    Tja, so schnell wird aus Spaß noch mehr Spaß!

    Dennoch, vielen Dank für Ihren netten Kommentar.

    4 Leserempfehlungen
  7. Die bisherigen Kommentare treffen nicht den Kern der Sachlage. Es geht nicht um ein Versagen von SchülerVZ sondern um den Erfolg eines anderen Netzwerks (facebook).
    Bei der freien Wahl eines Makrtplatzes wird es immer eine Konsolidierung auf den "Besten Marktplatz" geben.
    Die gilt für private soziale Netzwerke (facebook), geschäfttliche Netzwerke (D:Xing, USA: LinkedIn) genauso wie für Versteigerungen (ebay) oder Bücher (amazon).
    Die wachsenden Marktplätze können billiger für die Kunden werden oder mehr funktionen bieten. Das ist ein Vorgang, der sich beschleunigt und zur Konsolidierung führt.
    Schüler/StudiVZ, wer-kennt-wen oder new-in-town sind einfach die Verlierer eines Konsolidierungsprozesses.

    Die Konsolidierung beschreibt weder den Niedrgang von sozialen Netzwerken, noch der Reduktion von kommerzieller Datensammlung. Im Gegenteil ... durch die Konsolidierung der "Jugend" bei einem Anbieter werden die Möglichkeiten zur Nutzung besser (mehr Freunde im gleichen Netzwerk) und die kommerzielle Ausbeutung der Daten wird ansteigen.

    2 Leserempfehlungen
  8. mein Traum ist die gleiche Nachricht über „Gesichtsbuch“ zu hören .
    Diese ganze Schleimerei mit Like , dislike , Mobbing, Datenmissbrauch, Pädophilennetzwerken usw. geht mir auf die Nerven. Ich benutze nur noch Email, ist zwar wegen Spam auch nervig, aber relativ sicher und das Ding macht nur was ich will .

    4 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Facebook | SchülerVZ | StudiVZ | meinVZ | Soziale Netzwerke
Service