Drosselung : Die Daten-Diät der Telekom dürfte viele darben lassen

Wer bei der Telekom sein Internet bucht, bekommt nur noch ein beschränktes Datenvolumen. Doch wie viel sind 75 Gigabyte eigentlich, wie lange kann man damit surfen?
Eine offensichtlich defekte Telefon-Anschlussdose

Die Telekom will mehr Geld verdienen. Oder, wie es Marketing-Geschäftsführer Michael Hagspihl in der offiziellen Mitteilung des Konzerns zum Tarifumbau ausdrückt: "Immer höhere Bandbreiten lassen sich aber nicht mit immer niedrigeren Preisen finanzieren." Da ihr Ansinnen, von YouTube und Co. Kostenbeteiligungen zu verlangen, bisher keinen Erfolg hatte, kassiert die Telekom jetzt zunächst beim Kunden, um so letztlich die Inhalteanbieter zu erpressen.

Bei Tarifen mit bis zu 16 Megabit pro Sekunde – und gerade in ländlichen Gebieten gibt es oft keine schnelleren Angebote – dürfen pro Monat 75 Gigabyte heruntergeladen werden. Sind die abgesurft, wird der Datendurchsatz heftig gedrosselt. Die Spitzentarife, die sehr viel schnelleres Surfen erlauben aber auch sehr viel teurer sind, erhalten bis zu 400 Gigabyte zum Grundtarif von 64,95 Euro pro Monat. 

75 Gigabyte erscheinen derzeit zwar als viel – allein mit E-Mail, Surfen und gelegentlichem Online-Shopping kann man dieses Volumen nicht verbrauchen. "Neben dem Surfen im Netz und dem Bearbeiten von Mails ist dieses Volumen beispielsweise ausreichend für zehn Filme in normaler Auflösung, plus drei HD-Filme, plus 60 Stunden Internetradio, plus 400 Fotos und 16 Stunden Online-Gaming", erklärt die Telekom. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit.

Der Daten-Diätplan

Es sollen nur die "Kunden mit sehr hohem Datenaufkommen" betroffen sein, so die Telekom. Doch sind das im Zweifel mehr als gedacht. Schon heute erreichen viele diese Grenze, auch ohne dass sie datenintensive Anwendungen wie Filesharing, Videobearbeitung oder exzessive Downloads betreiben.

Alleine wer Windows7 von der Original-DVD neu installiert, lädt dabei von Microsoft-Servern über 1,6 Gigabyte an Updates herunter. Wohlgemerkt: Nur für Windows. Die mitinstallierte Software wie Microsoft Office oder Adobe Photoshop schlägt mit weiteren Gigabyte auf die Download-Bilanz. Wer mehrere Computer an einem DSL-Anschluss betreibt, tut gut daran, Neuinstallationen auf unterschiedliche Monate zu verteilen.

Kinder im Haus könnten auch zum Problem werden, wenn sie am Computer spielen wollen: Selbst ein altes Onlinespiel wie America's Army verursacht ein Downloadvolumen von 3,9 Gigabyte. Neuere Games können da ohne Probleme mithalten – selbst wenn der Käufer das Programm als DVD oder Blu-Ray erworben hat, sind Updates im Bereich von mehreren Gigabyte keine Seltenheit. Die Spieleindustrie geht mit der Bandbreite der Kunden verschwenderisch um.

Noch ein paar Beispiele: Die E-Paper-Ausgabe der Tageszeitung kommt pro Monat leicht auf ein Gigabyte, eine Stunde Spotify am Tag verbraucht pro Monat 15 Gigabyte. Es sei denn, man lädt die Musik mit dem Handy über das T-Mobil-Mobilfunknetz – dort wird der Datenverkehr des Telekom-Kooperationspartners Spotify nicht gezählt. Was aber nach Berichten vieler Kunden nicht immer funktioniert, dann zehren die Songs doch wieder an der Bandbreite.

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Kommentare

160 Kommentare Seite 1 von 20 Kommentieren

falsch ...

wenn jeder User das Netz mit 400GB im Monat nutzt ist ein ganz anderer Netz-Ausbau notwenig und somit höhere Kosten fällig, hier geht logischerweise nicht um die letzten Meilen zum Kunden. Das ist ihnen egal, ok, aber ein Unternehmen muss anders denken.

Die Netzneutralität wird nicht verletzt, schließlich zahlen auch Telekom-Kunden für ihr Entertain und Spotify extra.

1&1 drosselt im niedrigsten Tarif ab 100GB, ich denke das machen demnächst alle, die Telekom erst ab 2016

PS.: Es gibt auch kein Grundrecht auf Flatrates!

jaja ...

Ohne diese "Extrem"nutzer (z.B. Familien oder Studenten-WGs), wie Sie sie nennen, würden Sie (und andere, die sich so über angebliche Vielverbraucher echauffieren) heute wahrscheinlich noch immer per ISDN durch eine öde, schlecht bedienbare Textwüsten mit sporadisch und lieblos gesetzen Hyperlinks kriechen.

Die Menschen die als erstes auf Breitband für den Privatmann gedrängt und dieses dann auch bezahlt haben, waren eben die von Ihnen gescholtenen Vielnutzer, die zugleich auch für einen Großteil des Contents und der Einfälle im Netz verantwortlich sind.
IHR wunderschönes schnelles Internet, das sie offensichtlich ja noch nicht mal wirklich nutzen, wurde doch gerade über die teuren Anschlüsse der minütlich Linux-updatenden Geeks, Zocker, Medienschaffende und Dauerstreamer finanziert.

Wer keine dicke Leitung braucht, der soll sich halt ne "kleine" Flat für 10-20 € nehmen. Daran hindert sie doch keiner. Ich hol mir aber doch nicht für den vierfachen Preis eine VDSL Leitung nur um dann die letzten Tage des Monats de facto nichts mehr nutzen zu können.

Mangelverwaltung Telekom in D - im Ausland GIGABIT-Anschlüsse

Ich empfinde es als unsäglich, wie die Telekom die Schlechtleistung in Sachen Netzausbau verschleiert. Während Bürger im Ausland auf richtiges Internet in Gigabit-Qualität zugreifen können, gilt der innerdeutsche Bewohner schon als Glückspilz, wenn er Zugriff auf eine 16 MBit-Leistung hat.
Auf einer kürzlichen Auslandsreise sammelte ich Erfahrungen beim mobile Internet: im entlegendsten Winkel Griechenlands, In Wäldern der Türkei, im Hinterland Ägyptens...bemerkenswerter Empfang und Datenerreichbarkeit.

Egal ob Internet oder Mobile-Ausbau: Deutschland hängt unglaublich weit hinterher. Es müsste ein Programm der Regierung, ja eine richtige Offensive geben.
Oh- die gibt es ja schon, wir sehen bereits das Ergebnis. Dann sollte ich froh sein, denn wie sähe es wohl in Deutschland ohne die "Offensive 2.0" aus?

Die Preise für die Netznutzung durch andere Anbieter

legt die Regulierungsbehörde fest. Das kann die Telekom nicht einfach beliebig erhöhen (sonst gäbe es natürlich überhaupt keine Konkurrenz, da die Telekom von den Mitbewerber dann einfach 1 Mio. €/Monat für die letzte Meile verlangen würde).

Insofern dürfte die Gefahr gering sein.

Natürlich weiß man nicht, was die Telekom an Lobbying betreiben könnte; und bei der aktuellen Regierung verfängt sowas ja durchaus immer Mal wieder.