TelekomDas Ende des Internets wie wir es kennen

Die Telekom will den Datenstrom ihrer Kunden drosseln. Sie beendet damit das Prinzip der Netzneutralität und das anonyme Surfen, analysiert Malte Spitz von den Grünen. von Malte Spitz

Satire-Werbeanzeige

Satire-Werbeanzeige für die Telekom  |  CC BY-SA 2.0 / John F. Nebel / metronaut.de

Ab dem 2. Mai wird sich einiges ändern in der deutschen Internetlandschaft. Die Deutsche Telekom wird dann nur noch Verträge für Breitbandinternetzugänge mit begrenztem Datenvolumen verkaufen. Egal ob DSL, VDSL oder Glasfaser, die Menge an Daten ist ab sofort endlich. Was man vom mobilen Internetzugang schon kennt, wo spätestens nach zwei oder fünf Gigabyte mit Highspeed Schluss ist, soll uns jetzt auch zu Hause ereilen. Wer sein Datenvolumen ausgeschöpft hat, wird dann gedrosselt und kann nur noch mit 384 Kilobit pro Sekunde surfen. Bei einem VDSL 50 Anschluss bedeutet das eine Reduzierung von über 99 Prozent der Bandbreite.

Begründet wird das mit den begrenzten Kapazitäten und damit, dass der Ausbau der Netze teuer ist. Allerdings überschreiten laut Auskunft der Telekom derzeit gerade einmal drei Prozent der Nutzer und Nutzerinnen die genannten Volumengrenzen. Das lässt andere Hintergründe vermuten.

Anzeige

Laut Zahlen der Bundesnetzagentur von 2011 (auf Seite 74) hat die Deutsche Telekom 12,28 Millionen Breitbandkunden. Wenn es bei der Drosselung wirklich nur um die drei Prozent Heavy-User geht, würde das 368.000 Anschlüsse betreffen. Bei der Telekom heißt es, dass man bei Einführung der Drosselung Zusatzvolumen für einen einstelligen Eurobetrag nachbuchen kann. Selbst wenn man dafür 9,99 Euro als Höchstpreis annimmt, würde das bei 368.000 Anschlussinhabern, die sich jeden Monat das doppelte Inklusivvolumen kaufen, gerade einmal 44.115.840 Euro bedeuten.

0,1 Prozent mehr Jahresumsatz

Für maximal 44 Millionen Euro Mehreinnahmen im Jahr wird die gesamte Struktur im Festnetzinternet umgestellt? Für 44 Millionen Euro werden potenzielle Kunden vertrieben, werden Streitigkeiten über Fehlberechnungen und ein katastrophales Image in Kauf genommen? Diese maximalen Mehreinnahmen würden weniger als 0,1 Prozent des Jahresumsatzes der Telekom ausmachen.

Malte Spitz
Malte Spitz

Malte Spitz ist Mitglied im Parteirat von Bündnis 90/Die Grünen. Er beschäftigt sich vor allem mit Medien- und Netzpolitik. Dank seines Engagements war es möglich, die Verbindungsdaten von Mobiltelefonen zu visualisieren, die im Rahmen der Vorratsdatenspeicherung verarbeitet werden sollen. Er ist Initiator der Initiative Pro Netzneutralität. Spitz ist an vielen Stellen im Netz aktiv, unter anderem bei Twitter. Im Herbst erscheint bei Hoffmann und Campe sein neues Buch: Was macht Ihr mit meinen Daten? Es beschreibt die alltägliche Verdatung unseres Lebens und das Zusammenspiel von Unternehmen und Staat bei der Überwachung ihrer Kunden und Bürger. 

Das Unternehmen hat schon einmal einen so radikalen Schritt versucht, als es die Handysubvention bei T-Mobile abschaffen wollte. Das wurde nach Protesten schnell korrigiert. Das alles zeigt, dass es eben nicht um drei Prozent der Nutzer und um 44 Millionen Euro möglicher Zusatzeinnahmen geht. Es geht darum, die Netzneutralität abzuschaffen.

Das Zauberwort der Telekom lautet dazu managed services. Laut Pressemitteilung des Unternehmens werden managed services nicht auf das Inklusivvolumen angerechnet. Die managed services sind Inhalte, die die Telekom exklusiv durchleitet, beispielsweise Daten der eigenen Entertain-Plattform oder auch Sprachtelefonie. Auf den ersten Blick klingt das logisch, wird die Telekom doch nicht wollen, dass alle Entertain-Kunden nach einer Woche vor einem schwarzen Bildschirm sitzen oder niemand mehr telefonieren kann. Auf den zweiten Blick aber zeigt es, welche Gefahr in dieser "Tarifänderung" steckt. Sie kann zum Ende des Internets führen, wie wir es kennen und nutzen.

Denn erstens ist die Telekom Infrastrukturanbieter und Inhalteanbieter zugleich. Mit Entertain wird ein eigenes Produkt von der Drosselung ausgeklammert. In Entertain ist Videoload integriert. Der Dienst erhält durch die Tarifänderung gegenüber der Konkurrenz wie Maxdome einen Vorteil. Damit werden sich Entertain-Kunden entscheiden müssen, ob sie lieber über das integrierte Videoload-Portal ihre Filme und Serien kaufen, oder über Maxdome oder iTunes, deren Gigabyte für einen HD-Spielfilm auf das Datenvolumen angerechnet werden.

Leserkommentare
  1. Zu schade, dass man bei diesem Laden nur einmal kündigen kann – ich habe es leider schon längst getan.

    29 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Dem kann ich mich nur anschließen. Allerdings wird das Problem sein, dass wenn die Telekom damit durchkommt, auch andere Anbieter diesen Weg wählen werden.
    Nun immerhin: wenn ich auch schon privat nicht mehr kündigen kann, weil schon lange nicht mehr bei der Telekom, kann ich als IT-Verantwortlicher in unserer Firma mitentscheiden, ob wir weiterhin all die gebuchten Leistungen der Telekom auch in Zukunft weiter nutzen werden...

    Entweder wären sie nicht betroffen, dann haben nur sie den Stress, aber zumindest persönlich keinen Vorteil. Oder sie wären betroffen, dann sind sie genau ein Kunde, den die Telekom loswerden will.

    Auf jeden Fall ist man, wenn man jetzt kündigt, seinen Altvertrag ohne Volumenbegrenzung los. Und falls es doch mal zu einer Änderung der Bedingungen der Altverträge kommt, hat man ein Sonderkündigungsrecht.

    Naja, ich revidiere die Überschrift.

    da die Altverträge von der Volumenbegrenzung ausgenommen sind. Nur die neuen ab 02.05. abgeschlossenen Verträge sind betroffen. Die Telekom-Kunden müssten schon ausgesprochene Gutmenschen sein, wenn sie freiwillig auf ihre besseren alten Verträge verzichten würden...

  2. da sie auf die Leitungen der Telekom angewiesen sind.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Also 1&1 hat das schon vor zwei Jahren so bei deren billigsten Tarif "beworben".
    Vermutlich damit den möglichst wenige buchen. Als Einstiegshilfe die sozusagen die Lesebarriere überwinden hilft, stand da der selten günstige Preis, und dann, im ganz und gar nicht Kleingedruckten, blinkte der fette Hacken, der das Auge zur Flucht treibt. Schon liest man im nächst höheren Tarif über die auffallend günstigen Killer jeder Kalkulationsgedanken.

    Es gibt genug Anbieter mit eigenen Netzen.

    Ich könnte mir durchaus vorstellen dass die dann nachziehen !

    Seien wir mal ehrlich:
    Die normalo-Flatrate für 20 e im Monat war nie dafür gedacht dass sich ein User nur noch Multi-Media--Inhalte aus dem Netz saugt.
    Genau da machen aber immer mehr User.

    Ich verirre mich auch öfter mal bei Youtube, aber vor allem benutze ich das Netz zum Lesen.
    Wenn nun notorische Filme-Sauger die Kapazitäten ausschöpfen
    dann wäre es nur gerecht wenn sie dafür mehr zahlen.

    • AndreD
    • 23. April 2013 16:03 Uhr

    Da wir für unser Internet GEZ zahlen müssen und der Internetzugang quasi zur Grundversorgung gehört, ist das überhaupt rechtens den Anschluss zu drosseln?

  3. Die Telekom hat schon immer davon gelebt, dass der Mainstream schlichtweg zu faul ist, sich um günstigere Angebote zu kümmern. Vielleicht interessiert das auch ab einem bestimmten Jahreseinkommen ganz einfach nicht mehr. Und die Leute glauben, dass sie bei der Telekom den besseren Service einkaufen. Das ist aber, in vielen Punkte eine Illusion. Man bezahlt einfach mehr und hat oft den schlechteren Service. Ich hoffe, dass dieser Schritt dazu führt, dass die Konkurrenz gegenüber der Telekom aufgewertet wird.

    20 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich bin seit einige Jahren Kunde der Telekom und bin seitdem recht zufrieden mit der gebotenen Leistung. Geschwindigkeit und Stabilität des Anschlusses haben mich überzeugt. Der Preis ist mir neben diesen beiden anderen Kriterien nicht so wichtig.
    Insbesondere, da ich weiß, dass vom gewünschten Dreiklang Schnell - Gut - Günstig immer nur jeweils zwei Eigenschaften gleichzeitig realisierbar sind.
    Und da ich einen Altvertrag habe, kann mich die Drosselung auch nicht schrecken.

    Das Fazit muss also sein:
    Der Vertrag bei der Telekom sollte nun bald abgeschlossen werden, damit bei Einführung der Drosselung bereits ein Altvertrag vorliegt.

    denn es gibt sehr, sehr viele Regionen, wo nur die Telekom einen Breitbandanschluß anbietet da sie der Konkurrenz keine Leitungen zur Verfügung stellt. Der eigentliche Witz ist ja, das man nun, sollte man einmal einen schnelleren Anschluß haben wollen einen "neuen" Vertrag abschliessen muß & so fangen sie auch ihre Altkunden ein.

  4. sondern auch Vodafone.

    7 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • hladik
    • 23. April 2013 12:14 Uhr

    Wer sagt das?

  5. Dem kann ich mich nur anschließen. Allerdings wird das Problem sein, dass wenn die Telekom damit durchkommt, auch andere Anbieter diesen Weg wählen werden.
    Nun immerhin: wenn ich auch schon privat nicht mehr kündigen kann, weil schon lange nicht mehr bei der Telekom, kann ich als IT-Verantwortlicher in unserer Firma mitentscheiden, ob wir weiterhin all die gebuchten Leistungen der Telekom auch in Zukunft weiter nutzen werden...

    12 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Kündigen"
  6. Liebe Mitbürger,

    an dem aktuellen Beispiel könnt Ihr exemplarisch erkennen, wer hier in unserem Land das Sagen hat und was die aktuelle Regierung einschließlich Einheitsopposition für Euch tut.

    Es wäre sehr einfach, via Gesetz einen bezahlbaren Internetanschluss mit zufriedenstellender Bandbreite (die auch für HD-Videos ausreicht) ohne Volumenbegrenzung zu realisieren.

    Stattdessen wird nichts passieren. Und das, obwohl wir alle sehr genau wissen, dass es nur vorgeschobene Pseudoargumente der Telekom sind, die keiner näheren Überprüfung stand halten.

    Und ein einfacher Wechsel zu einem anderen Anbieter ist auf Grund der Monopolstellung der Telekom oft nicht möglich. Zudem werden die anderen Anbieter höchstwahrscheinlich nachziehen.

    Willkommen im Jahr 2013!

    27 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • GDH
    • 23. April 2013 12:28 Uhr

    Naja, per Gesetz Zugänge mit bestimmter Geschwindigkeit und bestimmten Preisen zu verordnen, ist garnicht erforderlich.

    Der Gesetzgeber könnte auch "einfach" Netzneutralität vorschreiben. Also Preis, Bandbreite und Volumenbegrenzung dem Markt überlassen aber die Ungleichbhehandlung der Daten verbieten.

    Liebe Mitbürger,

    da gibt es nur eins:
    Schreibt in Massen Euren Abgeordneten!

    (z.B.:) http://www.abgeordnetenwatch.de/

    oder reicht eine Petition ein:
    https://epetitionen.bundestag.de/

    Zeigt denen, wer hier in unserem Land das Sagen hat-
    (anstatt zuzusehen)

    den sonst wird im September abgerechnet.

    Willkommen im Wahljahr 2013!

    • hladik
    • 23. April 2013 12:12 Uhr

    Die Content-Provider-Sparte muesste von der Service-Provider-Sparte komplett getrennt werden. Und natuerlich Netzneutralitaet gesetzlich vorgeschrieben.

    Auf einen Kunden-Aufschrei wage ich nicht zu hoffen. Zu viele Gelegenheitsnutzer sind nicht ausreichend informiert, uninteressiert oder traege. Wie bei den Stromversorgern: Jeder schimpft auf die Ex-Monopolisten, aber niemand wechselt...

    15 Leserempfehlungen
  7. Die sog. Haushaltsgebühr der GEZ wurde wegen den "internetfährigen Empfangsgeräten" eingeführt. Bekanntlich verursacht TV via Internet, z. B. die Online-Mediatheken, aber auch Livestreams der Öffentlich-Rechtlichen Anstalten, einen sehr hohen Traffic-Anteil.

    Bezahlt mir jetzt also die GEZ, was über die 75 GB im Monat hinaus geht?

    33 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service