Jan Josef Liefers und Axel Prahl könnten die neuen Spitzenreiter sein. Zumindest den Zahlen nach ist es ihnen gelungen, den bisherigen Rekord beim Tatort zu knacken, den Manfred Krug und Charles Brauer 1993 mit 12,83 Millionen Zuschauern aufgestellt hatten. Liefers und Prahl erreichten mit der Folge Summ, Summ, Summ am 24. März diesen Jahres 12,81 Millionen TV-Zuschauer, dazu kommen rund 1,2 Millionen Abrufe in der ARD-Mediathek plus weitere 30.000 Abrufe als spezielle Hörfilmfassung. Damit liegt das Münsteraner Duo klar vorne. Offiziell aber bleibt der Rekord bestehen, denn die Abrufe in den Mediatheken werden bei der Quotenmessung bisher nicht berücksichtigt. Dabei ist die Währung TV-Quote längst veraltet. Deshalb wird nun kommen, was längst überfällig ist: eine neue Einheitswährung.

Fast jeder dritte Deutsche schaut inzwischen auch online Fernsehen, zeigt eine Umfrage des Unternehmens Ipsos vom März. 30 Millionen Mal sind die Sendungen in der ARD-Mediathek im Februar abgerufen worden, im Vorjahresmonat waren es erst 20 Millionen Abrufe. Rund 36,3 Millionen Abrufe erreicht das ZDF monatlich, RTL bis zu 20 Millionen Abrufe auf der Plattform RTLnow, ProSieben zehn Millionen plus die zahlungspflichtigen Abrufe über die Plattform Maxdome. Auch Sat 1 und andere Sender verzeichnen stetig steigende Nutzerzahlen bei ihren Videoangeboten. Längst haben sich die Inhalte vom Medium Fernsehen entkoppelt, über Computer, Tablet-PCs und Mobiltelefone wird geschaut, wann und wo der Zuschauer es will.

Die traditionelle Quotenerfassung kommt aus einer Zeit, in der es noch kein Internet gab: 5.640 Haushalte mit rund 11.000 Personen, die repräsentativ für die deutsche Bevölkerung sein sollen, liefern dem Marktforschungsunternehmen GfK die Daten. Bei den ausgewählten Haushalten ist zwischen Fernseher und Empfangskabel ein Messgerät installiert, die Bewohner müssen sich jeweils mit einer speziellen Fernbedienung anmelden, wenn sie fernsehen wollen. Nachts um drei werden die Daten dann automatisch ans GfK-Rechenzentrum übermittelt. Entscheidet sich nun aber einer der Bewohner in den Quotenhaushalten dafür, den Tatort nicht am Sonntagabend, sondern erst am Montag in der ARD-Mediathek zu schauen, wird er nicht erfasst. Für die offizielle Statistik bedeutet das einen Zuschauer weniger, obwohl es gleich viele sind. Für die privaten Sender ist das besonders ärgerlich, da die Quote neben dem Marktanteil das Instrument ist, nach dem die Werbepreise berechnet werden.

Die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF), die als Zusammenschluss der Sender ARD, ZDF, der ProSiebenSat1 Media AG und der Mediengruppe RTL die GfK mit der Quotenerfassung beauftragt hat und allen Akteuren am Fernsehmarkt zugänglich macht, will deshalb noch bis Mitte des Jahres eine neue Messmethode starten. "Dabei soll neben der Fernseh- künftig auch die Bewegtbildnutzung im Netz gemessen werden", sagt Martin Berthoud, AGF-Vorstandsvorsitzender und Leiter der ZDF-Programmplanung.

Erhöhter technischer Aufwand

Bisher war die Zahl der Abrufe allein wenig aussagekräftig. Hat eine Person beispielsweise am Dienstagmorgen eine Folge von Wer wird Millionär? angefangen zu schauen, dann eine Pause gemacht und abends auf einem anderen Gerät weitergeschaut, waren das zwei Abrufe – aber nur ein Zuschauer. Um eine aussagekräftigere Zahl zu bekommen, soll die Nutzung der Videostreams im Netz deshalb nach dem gleichen Muster erfasst werden wie die TV-Nutzung.

Zunächst 20.000 Einzelpersonen werden dafür ausgewählt, die ebenfalls repräsentativ für die deutsche Gesamtbevölkerung sein sollen und nicht zu den bisherigen Panelhaushalten gehören. Die im Vergleich deutlich höhere Personenzahl ist nach Angaben von Berthoud darin begründet, dass das Videostreamangebot stärker fragmentiert ist. "Bei einer geringeren Personenzahl würden wir schnell in einem nicht mehr erfassbaren Bereich landen." Gezählt werden wie bei der Ermittlung der TV-Quote auch zum einen die Nettoreichweite, also wie viele einzelne Personen jeweils eine Sendung gesehen haben. Zum anderen die Sehbeteiligung, also der Zeitraum, in dem die Person die Sendung insgesamt genutzt hat. Diese beiden Kennziffern ergeben dann zusammen die Zahl, die künftig mit der TV-Quote zusammengezählt und dann gemeinsam als einheitliche Währung ausgewiesen wird.

Im Gegensatz zur TV-Quotenerfassung ist der technische Aufwand höher. So wird bei den teilnehmenden Videoportalen ein Messcode installiert und bei den Nutzern im Computer eine Messsoftware aufs Gerät gespielt, die aus den jeweiligen Playern dann die Informationen herausliest. Längere Pausen oder Stopps sollen miterfasst werden.