UrheberrechtYouTube muss nicht selbst prüfen, was Nutzer hochladen

Der Medienkonzern Viacom hat vor Gericht erneut gegen YouTube verloren: Urheberrechtlich geschütztes Material bei YouTube muss Viacom weiterhin selbst finden und melden. von 

YouTube-Studio

YouTube hat in Los Angeles ein Studio eingerichtet, in dem Blogger professionelle Videos drehen können.   |  © Frederic J. Brown/AFP/Getty Images

Ein US-Gericht hat zum zweiten Mal eine milliardenschwere Klage gegen YouTube zurückgewiesen. Der Medienkonzern Viacom warf YouTube vor, Urheberrecht-Verletzungen zu unterstützen, um Profit daraus zu schlagen. Nach Ansicht von Richter Louis Stanton konnte er das aber nicht nachweisen. Mit diesem Urteil bestätigt Stanton sein erstes Urteil von 2010. Ein Berufungsgericht hatte ihn dazu aufgefordert, den Sachverhalt erneut zu prüfen.

Zum Hintergrund: Viacom betreibt zahlreiche Fernsehkanäle, darunter den Musiksender MTV, und hatte YouTube bereits 2007 verklagt und eine Milliarde Dollar Schadenersatz wegen Urheberrechtsverstößen gefordert. Viacom beklagte, dass immer wieder Ausschnitte oder ganze Folgen etwa von South Park oder der Daily Show mit Jon Stewart auf YouTube illegal hochgeladen werden.

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Richter Stanton befand jedoch damals wie auch in seinem neuen Urteil, dass YouTube und Google durch den "Digital Millennium Copyright Act" (DMCA) von 1998 geschützt seien. Dem Gesetz zufolge müssen die Internetanbieter von den spezifischen Urheberrechtsverletzungen durch ihre Nutzer wissen, um belangt werden zu können. Es sei nach dem Gesetz aber die Aufgabe des Rechteinhabers, auf die spezifischen Inhalte hinzuweisen, stellte Stanton klar – nicht die Aufgabe des Plattformbetreibers, diese selbständig ausfindig zu machen.

Das Argument von Viacom, die schiere Masse an YouTube-Videos – nach Angaben von YouTube laden seine Nutzer jede Minute 72 Stunden neues Material hoch – mache es unmöglich, einen Überblick über mögliche Urheberrechtsverletzungen zu bewahren, wandte der Richter gegen den Konzern. Wenn es wirklich so viel Material gebe, das zu prüfen sei, dann sei es doch erst recht angemessen, dass es die jeweiligen Rechteinhaber selbst tun, befand er. Mit anderen Worten: Der eigene Erfolg schützt YouTube.

Patrick Beuth
Patrick Beuth

Patrick Beuth ist Redakteur im Ressort Digital bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Das System funktioniert nach Ansicht von Stanton einwandfrei. Im Jahr 2007 habe Viacom einmal rund 100.000 Videos gleichzeitig als urheberrechtsverletzend gemeldet, und YouTube habe es geschafft, diese allesamt am nächsten Werktag zu löschen. "Es gibt auch keine Hinweise, dass YouTube seine Nutzer dazu verführt, gegen Urheberrecht verstoßende Videos hochzuladen", urteilte Stanton. Zudem habe das zum Internetriesen Google gehörende Videoportal seine Nutzer weder aufgefordert, bestimmte Inhalte auf der Plattform bereitzustellen, noch Nutzer gezielt zu illegalen Inhalten geleitet.

Kent Walker von Google schrieb dazu im YouTube-Blog: "Das Gericht hat einen bestehenden juristischen Konsens darüber bestätigt, dass der DMCA eine Internetplattform wie YouTube schützt, wenn sie mit Rechteinhabern zusammenarbeitet und angemessene Schritte unternimmt, um solche nutzergenerierten Inhalte nachträglich zu entfernen, die von den Rechteinhabern als urheberrechtsverletzend gemeldet werden."

Viacom wollte YouTube einst selbst kaufen

Viacom sprach in einem Statement dagegen von "überwältigenden Beweisen", dass YouTube bewusst Urheberrechte verletze. Das Gericht habe die früheren Urteile höherer Instanzen ignoriert. Viacom will deshalb erneut Berufung einlegen.

Viacom wollte 2006 übrigens selbst YouTube kaufen, zog damals aber den Kürzeren gegenüber Google. Der Internetkonzern erhielt für etwa 1,7 Milliarden Dollar den Zuschlag.

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Leserkommentare
    • deDude
    • 19. April 2013 12:04 Uhr

    ... wenn in seinem Bus jemand mit Haschisch aufgegriffen wird?

    Seltsame (Rechts-)Logik die manche vorschieben um sich ein Stück vom Kuchen des anderen abschneiden zu können. Ist Youtube etwa schuld daran, dass Viacom & Co. es jahrelang versäumt haben ihre Geschäftsmodelle an den Gegebenheiten des 21. Jhd. anzupassen?

    Der Trend war doch spätestens mit dem Aufstieg von Youtube abzusehen, aber anstatt sich über eigene neue Distributionswege Gedanken zu machen und die Etablierung dieser auch aus dem eigenen Geldbeutel zu bezahlen hat man den Trend verpennt und läuft nun dem Marktführer hinterher.

    Es sei im Zuge dessen mal daran erinnert das Youtube von Google gekauft und nicht gegründet wurde. Ganz ähnlich wie bei Facebook, Microsoft und Google selbst handelte es sich dabei um ein Start-Up von jungen, motivierten Unternehmern/Studenten und nicht etwa von vorneherein um einen milliardenschweren Konzern der den Etablierten am Markt ganz urplötzlich das Leben schwer gemacht hat.

    Wenn ein Riesenkonzern wie Viacom oder Bertelsmann mir nun erzählen wollen Youtube & Co. seien für schlechten Absatzzahlen oder an rückläufigen Plattenverkäufen schuld dann kann ich dazu eigentlich nur eines sagen: Selbst Schuld! Ihr hattet lange genug Zeit euch was eigenes einfallen zu lassen, aber ihr habt die schlechte Angewohnheit eure eigenen Fehler immer auf andere Leute zu schieben. Das war damals bei Napster, Emule und Bittorrent so und genauso ist es heute mit Youtube immernoch.

    2 Leserempfehlungen
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    Das Abmahnwesen ist längst ein profitables und einkalkuliertes Geschäft von Rechteinhabern und deren Vertretern geworden. Und da geht man den Weg des geringsten Widerstandes. Wozu sich mit Regierungen über die Regelung um Herausgabepflichten von Benutzerdaten rumärgern, wenn man nicht doch irgendwie die initiale Anlaufstelle in die Pflicht nehmen könnte?

    Mit welch unproduktiven und somit allgemeinunnützigen Output manche Leute heutzutage ihr Geld verdienen und vor allem wieviel, ist gesellschaftlich gesehen recht pervers.

    • deDude
    • 19. April 2013 12:23 Uhr

    ... so unglaublich erfolgreich sind - und das liegt nicht allein darin begründet das es sich meist um kostenlose Angebote handelt sondern vor allem darin das dort eine Verfügbarkeit herrscht von der die meisten Unternehmen nur träumen können - verlegt man sich lieber darauf diese Geschäftsmodelle mit allen Mitteln zu torpedieren und die Nutzer zu kriminalisieren.

    Anstatt sich danach auszurichten was der Nutzer an Anforderungen stellt um bereitwillig (wieder) ein zahlender Kunde zu werden werden halbherzige Angebote auf den Markt geworfen die den Kunden durch DRM o.Ä. an einen einzelnen Anbieter binden der mitunter nur die Rechte an Musik oder Videos verleiht, nicht aber verkauft. Das führt letztlich dann dazu das - welch Ironie - z.B. der Roman "1984" von George Orwell von den Kindles der Amazon-Kunden verschwindet da Amazon die Rechte daran nichteinmal selbst besaß.

    Leider ist es heutzutage kaum möglich einen vernünftigen Dialog zwischen "Käufer" und "Verkäufer" zu führen, da die Fronten auf Grund des gegenseitigen Misstrauens inzwischen so verhärtet sind, dass keine der beiden Seiten bereit ist auch nur einen Millimeter zurückzuweichen.

    Am Ende wird sich wohl der mit dem meisten Geld und der größten Lobby durchsetzen, die Interessen des Konsumenten werden dann - wie üblich - irgendwo zwischen den Interessen der Netzkonzerne und dener der Contentprovider zermahlen.

    In Ihrem Vergleich fehlt etwas fundamentales. Der Busfahrer (YouTube) duldet den offenen Verkauf von Haschisch an Mitfahrende (illegale Videos), nicht nur die bloße Präsenz des Dealers.

  1. Das Abmahnwesen ist längst ein profitables und einkalkuliertes Geschäft von Rechteinhabern und deren Vertretern geworden. Und da geht man den Weg des geringsten Widerstandes. Wozu sich mit Regierungen über die Regelung um Herausgabepflichten von Benutzerdaten rumärgern, wenn man nicht doch irgendwie die initiale Anlaufstelle in die Pflicht nehmen könnte?

    Mit welch unproduktiven und somit allgemeinunnützigen Output manche Leute heutzutage ihr Geld verdienen und vor allem wieviel, ist gesellschaftlich gesehen recht pervers.

    • deDude
    • 19. April 2013 12:23 Uhr

    ... so unglaublich erfolgreich sind - und das liegt nicht allein darin begründet das es sich meist um kostenlose Angebote handelt sondern vor allem darin das dort eine Verfügbarkeit herrscht von der die meisten Unternehmen nur träumen können - verlegt man sich lieber darauf diese Geschäftsmodelle mit allen Mitteln zu torpedieren und die Nutzer zu kriminalisieren.

    Anstatt sich danach auszurichten was der Nutzer an Anforderungen stellt um bereitwillig (wieder) ein zahlender Kunde zu werden werden halbherzige Angebote auf den Markt geworfen die den Kunden durch DRM o.Ä. an einen einzelnen Anbieter binden der mitunter nur die Rechte an Musik oder Videos verleiht, nicht aber verkauft. Das führt letztlich dann dazu das - welch Ironie - z.B. der Roman "1984" von George Orwell von den Kindles der Amazon-Kunden verschwindet da Amazon die Rechte daran nichteinmal selbst besaß.

    Leider ist es heutzutage kaum möglich einen vernünftigen Dialog zwischen "Käufer" und "Verkäufer" zu führen, da die Fronten auf Grund des gegenseitigen Misstrauens inzwischen so verhärtet sind, dass keine der beiden Seiten bereit ist auch nur einen Millimeter zurückzuweichen.

    Am Ende wird sich wohl der mit dem meisten Geld und der größten Lobby durchsetzen, die Interessen des Konsumenten werden dann - wie üblich - irgendwo zwischen den Interessen der Netzkonzerne und dener der Contentprovider zermahlen.

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    • deDude
    • 19. April 2013 12:23 Uhr

    Google versteht es in dieser Hinsicht immerhin noch dem Nutzer das Gefühl zu geben auf seiner Seite zu stehen (während er für den Kampf instrumentalisiert wird versteht sich) während die großen Contentprovider es durch Klagewellen und Abmahnwahn immer wieder schaffen sich selbst als profitgierige Raffkes darstehen zu lassen.

    • deDude
    • 19. April 2013 12:23 Uhr

    Google versteht es in dieser Hinsicht immerhin noch dem Nutzer das Gefühl zu geben auf seiner Seite zu stehen (während er für den Kampf instrumentalisiert wird versteht sich) während die großen Contentprovider es durch Klagewellen und Abmahnwahn immer wieder schaffen sich selbst als profitgierige Raffkes darstehen zu lassen.

  2. In Ihrem Vergleich fehlt etwas fundamentales. Der Busfahrer (YouTube) duldet den offenen Verkauf von Haschisch an Mitfahrende (illegale Videos), nicht nur die bloße Präsenz des Dealers.

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    • Burts
    • 19. April 2013 15:38 Uhr

    Was für einen Verkauf duldet Youtube.

    Aber mal ganz praktisch, wenn Viacom hier recht bekäme wie soll Youtube den überhaupt wissen wer woran Rechte besitzt?

    Ich meine hiermit die Zwischenfälle nicht komplette Kinofilme sondern jemand filmt sein Wohnzimmer und im Hintergrund läuft der Fernseher mit einem Film?

    Klingt konstruiert? Ist es villeicht auch aber wenn Youtube dafür verantwortlich wäre herauszufinden ob und wer daran Rechte hat ist Youtube und alles ähnliche tot.
    Irgendwelche Anwälte würden das sicher ausnutzen auch wenn es noch so bescheuert klingt.

    Ist doch eigentlich auch das normalste der Welt, ich habe Rechte an etwas, dagegen wird verstossen, ich beschwere mich und der Verstoss wird behoben. Aber es gibt eben zuviele unterbeschäftigte Anwälte.

  3. YouTube macht massig Werbekohle mit Urheberrechtsverletzenden Videos. Sie bieten illegaler Aktivität wissentlich eine Plattform und verdienen mit daran. YouTube hat also verständlicherweise wenig Interesse daran, von sich aus gegen die Urheberrechtsverletzungen vorzugehen. Die schiere Masse an Videos kann keine Entschuldigung sein - Wenn sie es nicht schaffen, die Videos zu überprüfen, dürfen sie sie eben gar nicht veröffentlichen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie wollen also das Youtube deswegen am besten verboten wird? Gehts noch? Youtube hat der Menschheit viel Freude gebracht. Viele kleine Künstler können sich in Youtube präsentieren, haben eine kostenlose Werbeplattform für sich, womit sie Geld verdienen können und Aufmerksamkeit kriegen, was sie bei den großen Plattenfirmen und Verlegern niemals gekriegt haben. Ihre Forderung ist also nicht nur ein Schlag ins Gesicht für Milliarden von Videokonsumenten, sondern auch für viele Millionen kleinere Künstler und Produzenten. Damit kündigen sie nahezu jede Form von nicht-industrieller Kreativität den Kampf an. Warum? Weil sich ein paar Millionäre darüber beschweren und nun weniger Geld verdienen soll der Großteil der Menschheit darunter leiden?
    Ihre Forderungen sind Plutokratie schlimmsten Ausmaßes!

    • Burts
    • 19. April 2013 15:38 Uhr

    Was für einen Verkauf duldet Youtube.

    Aber mal ganz praktisch, wenn Viacom hier recht bekäme wie soll Youtube den überhaupt wissen wer woran Rechte besitzt?

    Ich meine hiermit die Zwischenfälle nicht komplette Kinofilme sondern jemand filmt sein Wohnzimmer und im Hintergrund läuft der Fernseher mit einem Film?

    Klingt konstruiert? Ist es villeicht auch aber wenn Youtube dafür verantwortlich wäre herauszufinden ob und wer daran Rechte hat ist Youtube und alles ähnliche tot.
    Irgendwelche Anwälte würden das sicher ausnutzen auch wenn es noch so bescheuert klingt.

    Ist doch eigentlich auch das normalste der Welt, ich habe Rechte an etwas, dagegen wird verstossen, ich beschwere mich und der Verstoss wird behoben. Aber es gibt eben zuviele unterbeschäftigte Anwälte.

    Antwort auf "Vergleich"
  4. Sie wollen also das Youtube deswegen am besten verboten wird? Gehts noch? Youtube hat der Menschheit viel Freude gebracht. Viele kleine Künstler können sich in Youtube präsentieren, haben eine kostenlose Werbeplattform für sich, womit sie Geld verdienen können und Aufmerksamkeit kriegen, was sie bei den großen Plattenfirmen und Verlegern niemals gekriegt haben. Ihre Forderung ist also nicht nur ein Schlag ins Gesicht für Milliarden von Videokonsumenten, sondern auch für viele Millionen kleinere Künstler und Produzenten. Damit kündigen sie nahezu jede Form von nicht-industrieller Kreativität den Kampf an. Warum? Weil sich ein paar Millionäre darüber beschweren und nun weniger Geld verdienen soll der Großteil der Menschheit darunter leiden?
    Ihre Forderungen sind Plutokratie schlimmsten Ausmaßes!

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Google | MTV | Copyright | Jon Stewart | Musiksender | Video
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