BitcoinDie Chronisten der Bitcoins

Bitcoin-Mining steht im Ruf, modernes Goldgräbertum zu sein. Dabei sichern Miner die digitale Währung gegen Missbrauch und Inflation, Bitcoins sind nur der Lohn dafür. von 

Es gibt Menschen, die warten drei Tage vor einem Apple Store, um ein iPad kaufen zu können. Verrückt? Oliver Flaskämper hat ein Jahr lang auf einen Rechner gewartet, auf dem noch nicht einmal Tetris läuft.

Flaskämper ist Bitcoin-Miner, er will Teile dieser digitalen Währung erzeugen und nicht Tetris spielen. Dazu hat er sich einen Asic-Rechner bestellt. Die Chips dieser Rechner sind speziell für das Lösen der Rechenaufgaben optimiert, die es zum Bitcoin-Mining braucht.

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Miner wie Flaskämper, der auch das Portal bitcoin.de betreibt, errechnen aber nicht nur neue Bitcoins. Sie leisten im Netzwerk der digitalen Währung die Chronisten-Arbeit, ohne die das gesamte System nicht funktionieren würde. Sie verifizieren jede Bewegung der Bitcoins, jede Überweisung von A nach B und später C.

Jede Transaktion schreiben sie in einen sogenannten Block und reihen ihn in die Block Chain, eine stetig wachsende Kette aus Daten. In dieser sind sämtliche Transaktionsdaten aller Bitcoin-Nutzer gespeichert. Jeder, der genügend Rechenpower zur Verfügung hat, kann daran mitrechnen und jeder kann diese Block Chain einsehen. Transparenz ist Teil des Sicherheitskonzeptes.

Da diese Arbeit bei der hohen Anzahl von Transaktionen viel Rechenkraft kostet, werden die Miner dafür entlohnt, mit Bitcoins. Zur Zeit erhalten sie pro gelöstem Block 25 Bitcoins, nach derzeitigem Kurs also etwa 2.000 Euro. Miner überall auf der Welt liefern sich mit ihren Rechnern ein Wettrennen um jeden dieser Blöcke.

Die Rechner werden dazu mit einer kniffligen Rechenaufgabe beschäftigt: Sie müssen einen Hash-Wert errechnen. Damit es nicht zu einfach wird, muss das Ergebnis mit einer bestimmten Ziffernfolge an Nullen beginnen. Das heißt, Miner müssen unglaublich viele Zufallsziffern mit anderen Werten kombinieren, bis am Ende das Ergebnis, der neue Hash-Wert, steht.

Normale Rechner sind chancenlos

Um eine Inflation zu vermeiden, dürfen Miner aber nur alle zehn Minuten einen Block lösen. Der Schwierigkeitsgrad der Aufgabe ist dabei immer so hoch, dass die Miner mit ihrer Rechenkraft durchschnittlich alle zehn Minuten mit der Berechnung eines Blocks fertig werden. Als Orientierung dienen die Lösungszeiten der vorangegangenen 2.016 Blöcke.

Wer bei diesem Rennen mitmachen will, braucht längst spezialisierte Maschinen. Deswegen sind die Asic-Rechner von Firmen wie Butterfly Labs und Avalon Asics so begehrt. Sie sind im Lösen dieser Aufgabe besonders schnell. Allerdings sind sie auch dementsprechend begehrt und teuer. Noch dazu steigen die Anforderungen der Rechenaufgaben stetig. Wer mithalten und auch noch ein halbes Jahr später Bitcoins ernten will, muss ständig aufrüsten.

Normale Homecomputer sind viel zu matt, um dabei eine Chance zu haben. Sie bräuchten Jahre für die Berechnung eines einzelnen Hash-Wertes. Einzelne Miner haben sich daher zu Rechenpools zusammengeschlossen. Flaskämper ist bei dem Pool deepbit dabei.

Leserkommentare
    • brazzy
    • 24. Mai 2013 12:11 Uhr

    Der erste, den ich in einer Mainstreampublikation gelesen habe der die wesentlichen Aspekte richtig und ohne entstellende Vereinfachung beschreibt.

    5 Leserempfehlungen
  1. Der große Vorteil von Bitcoin für Normalbürger ist einfach, dass für das handeln mit Bitcoins fast keine Gebühren anfallen, weil der Markt nicht von Banken und Regierungen beherrscht wird.

    Wenn man als einfach Bürger an Börse und Co. Geld machen will, dann muss man so exorbitante Renditen erwirtschaften, weil die Gebühren auf Transaktionen so hoch sind, dass es sich meist nur für die Bank oder den Börsenbetreiber rechnet.

    4 Leserempfehlungen
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    • tobmat
    • 24. Mai 2013 14:55 Uhr

    "Der große Vorteil von Bitcoin für Normalbürger ist einfach, dass für das handeln mit Bitcoins fast keine Gebühren anfallen, weil der Markt nicht von Banken und Regierungen beherrscht wird."

    Was nur daran liegt das der Markt noch unbedeutend ist. Aber bereits jetzt mehren sich die anzeichen für eine bevorstehende Regulierung durch den Staat.

    • tobmat
    • 24. Mai 2013 14:53 Uhr

    "Dabei wird oft vergessen, dass auch die Infrastruktur einer normalen Währung Energie verbraucht. Druck, Prägung, Sicherheit, Automaten und Lagerplatz bedeuten einen zumindest ebenbürtigen Energieverbrauch."

    Sollten Bitcoins jemals die Dimensionen wie eine echte Währung erreichen utnerhalten wir uns darüber nochmal.

    • tobmat
    • 24. Mai 2013 14:55 Uhr

    "Der große Vorteil von Bitcoin für Normalbürger ist einfach, dass für das handeln mit Bitcoins fast keine Gebühren anfallen, weil der Markt nicht von Banken und Regierungen beherrscht wird."

    Was nur daran liegt das der Markt noch unbedeutend ist. Aber bereits jetzt mehren sich die anzeichen für eine bevorstehende Regulierung durch den Staat.

    Antwort auf "Keine Banken"
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    Wer das Geld kontrolliert, der kontrolliert die Menschen (ok, den Spruch kann man auch wahlweise mit der Sexualität des Menschen machen :P ) und daher ist es nur konsequent, dass der Staat sich da gleich wieder einmischt.
    Aber mal den Ball falch halten. Bitcoins sind momentan noch eine Randerscheinung.

  2. Wer das Geld kontrolliert, der kontrolliert die Menschen (ok, den Spruch kann man auch wahlweise mit der Sexualität des Menschen machen :P ) und daher ist es nur konsequent, dass der Staat sich da gleich wieder einmischt.
    Aber mal den Ball falch halten. Bitcoins sind momentan noch eine Randerscheinung.

    Antwort auf "............."
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    • tobmat
    • 24. Mai 2013 16:14 Uhr

    Sie sind bereits groß genug, das es Untersuchungen staatlicher Behörden in den USA und Europa gab, was zur Schließung mehrerer Börsen führte.

  3. > Dabei sichern Miner die digitale Währung gegen Missbrauch und Inflation ...

    Aehem, Inflation? Soweit ich gelesen habe (http://krugman.blogs.nyti... ) ist massive Deflation und nicht Inflation ein Problem von Bitcoins.

    Eine Leserempfehlung
    • tobmat
    • 24. Mai 2013 16:14 Uhr

    Sie sind bereits groß genug, das es Untersuchungen staatlicher Behörden in den USA und Europa gab, was zur Schließung mehrerer Börsen führte.

    Antwort auf "Natürlich"
    • Snear
    • 24. Mai 2013 16:18 Uhr

    Das Problem von Bitcoins ist deren ungleiche Verteilung. Eine Währung schwindet immer dann in der Akzeptanz, wenn sich sehr viel Vermögen auf sehr wenige konzentriert. Das ist die berühmte Schere zwischen arm und reich, die systembedingt immer weiter auseinander geht. Bei Bitcoins ist diese Verteilung noch viel extremer. Die drei mengenmäßig reichsten Bitcoin-Besitzer haben allein 6% der Bitcoins in ihrem Besitz. Auf unser normales Geld übertragen hieße dies, dass die reichsten drei Menschen auf ein Vermögen von 3000 Mrd. Euro kommen würden (bei geschätzten 50 Mrd. € "Weltvermögen"). Das ist völlig indiskutable. Falls Bitcoins mal Euro oder Dollar ablösen, hätten diese drei Menschen (zwei sind namentlich bekannt) nicht weniger als die Weltherrschaft, denn sie könnten mit dem Vermögen ganze Länder kaufen.

    Man schätzt, dass sich 80% der Bitcoins auf weniger als 1% der Bitcoin-Besitzer konzentriert. Wenn dieses eine Prozent aussteigt und ihr Geld zu Euro/Dollar macht, fällt der Kurs ins bodenlose und 99% haben ihre Investion verloren.

    Das Prinzip Bitcoin ist genial: schnell, absolut sicher, nicht manipulierbar und sehr durchdacht. So verdient man später nicht mehr durch Mining Geld, sondern einfach nur durch das Bestätigen von Transaktionen. Aber das System liegt in den Händen von ganz wenigen, die es jede Sekunde zum Einsturz bringen könnten. Bei der einzigen ernstzunehmenden Alternativwährung "Litecoin" hat man von Beginn an für eine faire Verteilung gesorgt.

    Eine Leserempfehlung
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    • Snear
    • 24. Mai 2013 16:21 Uhr

    Natürlich sind 50 Billionen (= 50.000 Milliarden) Euro Weltvermögen gemeint.

    @Snear - aus Ihrem Kommentar "Bei der einzigen ernstzunehmenden Alternativwährung "Litecoin" hat man von Beginn an für eine faire Verteilung gesorgt."

    Inwieweit ist bei dieser vermeintlichen Alternative auch dauerhaft ein Verteilungsgerechtigkeit gegeben? Gut, die "Litecoins" können schneller und einfacher erzeugt werden und die Endmenge ist höher, das wirkt einer möglichen Deflation entgegen. Aber wenn "Litecoins" lt. deren Internetseite schneller und in höherem Volumen als Bitcoins gehandelt werden können scheint mir das Spekulieren damit doch noch einfacher!

    Entscheidend ist doch, ob man diese virtuellen Währungen zum günstigen Kurs kaufen, bunkern und später teurer verkaufen kann - und da scheint es keinen Unterschied zu geben.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Apple | Energieverbrauch | Währung | iPad | Bitcoin | Energie
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