"Keine Drosselung! Rettet das Netz!", steht auf einem riesigen Banner, das Aktivisten an einem Parkhaus in Köln-Deutz befestigt haben. Auf der darunter hängenden Leuchtreklame heißt die Telekom ihre Aktionäre zur Hauptversammlung willkommen.

Während drinnen, in der LANXESS-Arena, am Donnerstag etwa 5.000 Aktionäre erwartet werden, hat sich vor dem Gebäude ein kleines Häuflein Demonstranten versammelt: dreißig, vielleicht vierzig Aktivisten sind zu einer Mahnwache gekommen, um gegen die Pläne der Telekom zu protestieren, ihre Festnetz-Flatrates zu begrenzen. Am Nachmittag soll es noch eine Demonstration geben, zu der mehr Menschen erwartet werden. Aber so viele wie die Aktionäre werden es kaum.

Dabei ist das Thema wichtig und größer als die Flatrates der Telekom. "Unser Adressat ist die Bundesregierung", sagt Markus Beckedahl, Gründer des Vereins Digitale Gesellschaft und einer derjenigen, die zu der Demo aufgerufen haben.

Dass sich Kulturstaatsminister Bernd Neumann am Dienstag bei einer Veranstaltung in Berlin gegen die Telekom-Pläne ausgesprochen und sich für Netzneutralität eingesetzt hat, reicht ihm nicht mehr. Auch nicht, dass das Bundeskartellamt angekündigt hat, die Pläne kritisch zu prüfen, will die Telekom doch nicht nur ihren Kunden die Bandbreite kürzen, sondern eigene Dienste davon ausnehmen – und so die Konkurrenz benachteiligen. "Die Telekom schafft gerade das Zwei-Klassen-Internet und die Politik muss jetzt handeln", sagt Beckedahl.

Der Grünen-Politiker Malte Spitz schreibt dazu in seinem Blog: "Der Plan der Telekom drosselt nicht nur die Geschwindigkeit der Internetzugänge, er drosselt auch die Entwicklung eines freien Internets und des freien Meinungsaustausches und ist damit auch eine Gefahr für unsere Demokratie."

Telekom reagiert

Auch wenn es am Donnerstag nur wenige Demonstranten sind: Im Netz und in Medien wird das Unternehmen zahlreich kritisiert. Die Telekom sieht sich zumindest genötigt, sich zu rechtfertigen. Auf der Startseite heißt es in einem langen Statement: Von den Drosselungen seien nur wenige Nutzer betroffen und auch die könnten zu geringen Mehrkosten weiter ohne Drosselung online gehen. Ohnehin würde die "bedarfsgerechte Anpassung" des Tarifsystems erst ab 2016 wirksam werden. Und auch auf der Hauptversammlung versuchte der scheidende Telekom-Chef René Obermann, die Position in nette Worte zu kleiden: "Für alle schneller, für wenige teurer."

Doch die Gegner wehren sich dagegen, in die Ecke der Vielnutzer geschoben zu werden, deren ungewöhnlicher Konsum von anderen mitfinanziert werden muss und die Netzausbau fordern, ohne dafür bezahlen zu wollen – so zumindest argumentiert die Telekom.

"Wir befürchten, dass die Telekom hier eine Salami-Taktik verfolgt", sagt jemand, der sich Sam nennt und Mitglied des Chaos Computer Clubs ist, der die Proteste in Köln mit organisiert hat. Es sei zu befürchten, dass die Telekom mit der Bevorzugung eigener Dienste die Gleichbehandlung im Netz abschafft und damit die gesamte Struktur des Netzes gefährdet.