InternetaktivistAuf dem Weg zur re:publica in Abschiebehaft

Für drei Tage wollte er zur re:publica – drei Tage saß ein afrikanischer Internetaktivist dafür in französischer Abschiebehaft. Grund: ein fehlender Buchungsausdruck.

Eine Zelle für Abschiebehäftlinge in Paris

Eine Zelle für Abschiebehäftlinge in Paris  |  © Bertrand Guay/AFP/Getty Images

Ein Internetaktivist aus Madagaskar wurde auf seiner Reise zur Internetkonferenz re:publica in Berlin drei Tage lang in französischer Abschiebehaft festgehalten. Andriankoto Harinjaka Ratozamanana konnte erst nach einer Intervention der Deutschen Botschaft in Paris und der Konferenzveranstalter weiterreisen.

Harinjaka sagte, er sei am Freitag bei der Zwischenlandung seines Air-France-Flugs in Paris festgehalten und nach Papieren und seiner Hotelreservierung gefragt worden. Obwohl er alle Dokumente bei sich führte, sei er inhaftiert worden. Ein Problem sei gewesen, dass er seine Hotelbestätigung für Berlin nur in elektronischer Form und nicht ausgedruckt bei sich gehabt habe. "Ich bin sehr enttäuscht vom Stand des E-Governments in Europa", sagte Harinjaka. "Da sind wir in Afrika vielleicht manchmal schon weiter."

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Nach der Intervention aus Deutschland wurde der Internetaktivist am Montagabend freigelassen. "Weil ich am Abend keinen Flug nach Berlin mehr bekommen habe, musste ich die Nacht auf dem Flughafen Charles de Gaulle verbringen", sagte Harinjaka. Der Flughafenpolizei warf er vor, ihn nicht korrekt behandelt zu haben. "Ich bin nach Berlin gekommen, um über meine Erfahrungen mit Technologie-Zentren in Afrika zu sprechen und zu lernen, wie Internettechnologie in Europa verwendet wird. Die Inhaftierung in Paris war eine sehr schlechte Erfahrung, auch dabei habe ich viel gelernt."

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), traf Harinjaka bei der Konferenz in Berlin. Er sei froh, dass seine Einreise noch möglich gewesen sei. "Das ist bei der Einreise dumm gelaufen."

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Leserkommentare
  1. Dumm gelaufen is wohl eher, dass er als Schwarzafrikaner nach Europa reisen wollte. Aber natürlich haben wir kein Rassismusproblem.

    Wegen nem Ausdruck von ner Hotelreservierung. Wers glaubt wird selig. Die hätten die 'netten' Jungs von der Behörde einfach ausdrucken können wenns sie so scharf drauf sind - Kosten: 0,02 Euro . Aber er wird in n Knast gesteckt. Rassismus auf Staatskosten.

    10 Leserempfehlungen
    • Dotoun
    • 08. Mai 2013 18:00 Uhr

    Seit Jahren müssen fremde Personen auf dem Pariser Flughafen auf dem Rollfeld aussortiert und kontrolliert. Proteste helfen nicht und so wird es weiter gehen, solange die Afrikaner sich als Armen verkaufen werden und die Elite würdelos nach Europa schielen wird.

    2 Leserempfehlungen
  2. 3. Nanu?!

    Man wird also in der EU in den Knast gesperrt, wenn man keine Hotelreservierung vorzeigen kann? Das habe ich nicht gewusst. Machen die das auch mit US-Amerikanern? Was ist wenn man bei Bekannten wohnt. Leben wir in einem totalitären System? Wer zahlt Herrn Ratozamanana nun eine Entschädigung für diese unwürdige Behandlung? Dass der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung mit "dumm gelaufen" kommentiert, wundert mich dann auch nicht mehr...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, tis
  • Schlagworte Bundesregierung | Reise | Madagaskar | Berlin | Paris | Afrika
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