Felix Schwenzel bei der re:publica 2013

Felix Schwenzel beginnt seine Vorträge über das Internet und das Leben darin gern so, als sei ihm alles, was er gleich erzählen wird, eben erst auf dem Klo eingefallen. Bei anderen Fachkonferenzen würde er dafür Buhrufe hören oder zumindest vielfach verwirrtes Kopfschütteln sehen. Bei der re:publica ist die Antwort lautes, freundliches Lachen.

Das liegt an Schwenzel, aber es liegt auch an der re:publica. Die Konferenz, die inzwischen von Microsoft und Daimler Benz gesponsert wird und zu der mehr als 5.000 Leute kommen, um mehr als 300 Vorträge zu sehen, war bei ihrer Gründung 2007 vor allem ein Bloggertreffen: Menschen, die sonst allein vor sich hin ins Internet schrieben, wollten sich endlich mal sehen, um sich kennenzulernen und ein Bier miteinander zu trinken.

Das Ganze passte noch in sehr viel kleinere Räume und die Vorträge waren eher Gespräche. Es ging auch damals schon um Urheberrecht, Datenschutz oder die Zukunft sozialer Netzwerke. Aber es war ein Austausch unter Gleichgesinnten, die sonst keinen fanden, mit dem sie über ihre Leidenschaft reden konnten. Blogger galten noch nicht als Aufklärer und Erneuerer der Mediendemokratie, sondern als Spinner mit zu viel Geltungsdrang.

Schwenzel reizen solche Vorurteile. Es macht ihm Spaß, sie zu übersteigern und so zu karikieren. Blogs sind chaotischer Kram, der doch eigentlich niemanden interessiert? Er nennt seines wirres.net mit dem Zusatz "Fachblog für Irrelevanz" und wählt sich einen kackenden Hund zum Logo. Blogger sind verpeilte Typen, die keinen wertvollen Gedanken äußern können? Schwenzel überschreibt seinen Vortrag mit den Worten "13 Gründe, warum das Internet Scheiße ist" oder "10 Vorschläge um die Welt zu verbessern".

"Ich wollte als Kind immer Clown werden", sagt er über sich. Und dass er unter Witzelsucht leide. Aber das ist nur Fassade. Oder besser, es ist seine Art, seine Botschaft zu transportieren.

Denn er will durchaus etwas sagen, und Vorträge wie der zur Weltverbesserung sind ernst gemeint und enden wirklich mit Vorschlägen wie: Streitet Euch, aber sucht im anderen nicht die Fehler, sondern das Gute. Oder: Seid wütend, aber argumentiert mit Fakten und Daten, nicht mit Emotionen.

Damit es nicht bei Worten bleibt, programmiert er auch. Zusammen mit Sascha Lobo hat einer eine Plattform entworfen, mit der jeder die Kontrolle über seine sozialen Aktivitäten behalten kann. Unter reclaim.fm lässt sich auf einer eigenen Website all das bündeln, sortieren und speichern, was man im digitalen Alltag so an Orten wie Facebook, Twitter oder Google+ verstreut.

Herr Wirres oder Diplix, wie er sich selbst nennt, versteckt solches Engagement allerdings lieber ein wenig. Er macht Witze, gern über andere, vor allem aber über sich selbst und verpackt darin seine Botschaft: Seid nett zueinander, macht irgendwas, was euch Freude macht, dann wird die Welt ein wenig besser. Das klingt banal, ist es aber nicht gemeint. "Das Internet besteht aus Menschen, wir können es nicht als reine Technologie sehen, es ist ein menschlicher Lebensraum. Deswegen sollte man die Menschen darin anständig behandeln", sagt Schwenzel.