Roboter-Ethik : Brauchen wir Roboterschutz-Gesetze?

Die Wissenschaftlerin Kate Darling erforscht, warum Menschen Mitleid mit Robotern haben. Eines ihrer Ergebnisse: Wir sollten Roboter schützen, wie wir es mit Tieren tun.
Roboterforscherin Kate Darling bei re:publica 2013

Ein Minenroboter ist eine Maschine, die Minen sprengt, im Zweifel indem er darauf tritt. Das ist die effektivste Art, eine Mine zu entschärfen. Aus Sicht des Roboters ist es kein Problem, wenn er dabei kaputt geht, Maschinen können ersetzt werden. Doch Menschen sind nicht rational, Menschen fühlen.

Vor einigen Jahren führten Forscher auf dem Yuma-Testgelände in Arizona der amerikanischen Armee einen neuen Minensuchroboter vor. Insektengleich stakste er mit seinen sechs Beinen über den Boden. Immer, wenn er auf eine Mine trat, löste er sie aus. Dass er dabei nach und nach seine Gliedmaßen verlor, war die Idee. Der Wissenschaftler, Mark Tilden, war begeistert, dass seine Maschine sogar funktionierte, als sie nur noch ein Bein hatte. Ein Oberst der US-Army stoppte den Test jedoch entrüstet. Er konnte den Anblick des verbeulten Roboters, der sich auf einem Bein durch die Landschaft zog, nicht ertragen. Der Test sei unmenschlich, sagte er. Er hatte Mitleid.

Kate Darling ist Wissenschaftlerin am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und hat in einem Vortrag bei der Konferenz re:publica das Beispiel des Minensuchroboters erzählt. Sie versucht die Frage zu beantworten, unter welchen Umständen Roboter derlei Gefühle auslösen. Ihr Arbeitsfeld nennt sie Roboter-Ethik.

Darling hat dazu ein Experiment entwickelt. Sie ließ ihre Probanden eine Stunde lang mit einem süßen Dino-Roboter spielen. Anschließend gab sie ihnen die Anweisung, den Roboter zu zerstören. Die meisten weigerten sich. "Eine Teilnehmerin umklammerte den Dino und entfernte die Batterie. Als ich fragte, warum sie das tue, erklärte sie, dem Roboter sollten Schmerzen erspart bleiben", sagt Darling.

Eine Studie der Universität Duisburg kam vor einigen Wochen zu einem ähnlichen Ergebnis. Auch dort war es ein Pleo, ein Spielzeug-Dino, der gequält wurde; auch dort zeigten die Probanden Gefühle für den Roboter.

Der Begriff zu diesem Phänomen heißt Anthropomorphismus und meint, dass wir Gegenständen und Tieren menschliche Eigenschaften zuschreiben. Deutlich zeigt sich das in Kinderbüchern. Dort sind Bären, Hasen und Füchse oft mit menschlichen Zügen dargestellt. Sie laufen aufrecht, tragen Hosen und ahmen menschliche Mimik nach.

Wir tun das, bei Tieren genau wie bei den Robotern, eben weil wir Menschen sind und menschlich bleiben wollen, glaubt Darling.

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Kommentare

72 Kommentare Seite 1 von 13 Kommentieren

Anders sieht es aus, wenn ihre Kaffeemaschine ein Gesicht hätte…

…am besten im Kindchenschema mit Fell und gliedmaßen. :)

Dass wir emotional reagieren und dies zum Glück auch irrational sein kann, ist ein Mechanismus, der absolut notwendig ist. Da das Ökosystem "humanoider Körper" trotz seiner überdurchschnittlich entwickelten Hirnareale weiterhin zu 100 Prozent ein Naturprodukt bleibt, sind Mitleid, selbstlose Hilfe und ähnliches notwendige Mechanismen für selbstorganisierende Systeme. Diese Syteme funktionieren auch bei uns Menschen am effektivsten von allen (durchschnittlich etwa um den Faktor 60 so schnell und wirtschaftlich, wie bestehende politische Systeme) doch wir trauen sie uns nicht zu, auch da viele Teilnehmer Kontrollverlust und Machtverlust durch das auflösen bestehender Strukturen befürchten.

Um den Bogen zurück zu den Maschinen zu schlagen: Ein solches System funktioniert wie unser Ökosystem auch und ist damit auf die Teilnahme aller Mitglieder angewiesen. Daher liegt es nahe, dass man - sofern man keine Bedrohung erkennt - einem Akteur dieses Systems mitfühlend gegenüber eingestellt ist. Ob es sich um Tiere, Roboter oder in der kindlichen Testphase um Kuscheltiere handelt, spielt keine Rolle für dieses Bedürfnis.

Institutionalisiert übernommen haben wir das in politischen wie religiösen Systemen. So gibt es von Nächstenliebe bei Erlöserreligionen bis hin zu Karma bei diesseitigen Heilsversprechen auch politische Vorkehrungen, wie z.B. demokratisch legitimierte Gesetze, Moralvorstellungen und allgemeine Ethik.

Ohne Strom geht auch beim Menschen nichts

Metalle und Plastik ermöglichen vielen das Kauen und anderen als Hüftgelenk das Gehen. Setzen aber die elektrischen Impulse in den Nervenbahnen aus (und ich meine nicht mal die im Hirn) ist es schnell Essig mit dem Leben. Die Materialien sind also nicht, was Mensch und Maschine unterscheidet. Bleiben elektrische Impulse. Die durchlaufen auch das Gerät, mit dem Sie diese Nachricht schrieben. Ist dieses Gerät intelligent (was der Hersteller zwar sicherlich meint, doch diese "Intelligenz" meine ich nicht), empfindungs- und entscheidungsfähig? Sicher nicht. Noch nicht. Könnt es aber mittelfristig werden.

jaja.. ;-)

Man muss wohl zugeben, dass in der mangelnden Trennschärfe zwischen Sinn und Schwachsinn ein Problem besteht... Genau deswegen ist aber der Ansatz für mich nicht so abwegig, wie ihn nun manche darstellen.

Ob ich einen Teddybären misshandle oder einen lebendigen Hund, spielt zum Beispiel für das Kind, dem der Teddybär gehört, emotional im gleichen Stadion. Niemand sagt, man dürfe aus Puppen nicht die Luft rausnehmen, weil die Puppe dann beleidigt sei. Es geht um die Menschen und was sie dabei empfinden.

In einer Weltgemeinschaft, in der zum Beispiel religiöse Gefühle einen sehr hohen Stellenwert und ein Recht auf Schutz einnehmen, darf man sich solche Fragen stellen. Es ist doch so: Liebe zu einem Teddybären gilt als etwas für Kinder. Ein Erwachsener, der weint, weil sein Teddy verbrannt wird, ist ein Spinner. Und wenn ich Mohammedkarrikaturen zeichne, Kreuze verbrenne oder amerikanische Flaggen? Kann man sich nicht besser in einem Roboter wiedererkennen als in einem imaginären Gott, und ist Gott denn leidensfähiger als ein Teddybär? In dieser Welt ist mir keine Studie zu albern.

einer aufblasbaren barbara gehört es zur existenz

luft eingeblasen und entnommen zu bekommen. wie es einem menschen gehört schreien zu duerfen. es geht eher darum wie einer aufblasbaren barbara die luft entnommen wird. trampelt der besitzer irrsinnig währenddessen auf ihr herum, sagt es wohl mehr ueber den besitzer aus wie ueber die puppe. und man könnte meinen, wer ist wohl der nächste.

in japan verabschieden sich manche besitzer von ihren dingen, aus dankbarkeit fuer treuen dienst. der umgang mit anderem, ist auch ein spiegelbild ueber den einzelnen selbst

Und sie sind es doch

Naja. Oder wir müssen uns einfach daran gewöhnen, dass man Roboter anders behandelt.. ich meine der Großteil der Menschen isst ja auch Tiere und auf weiten Teilen der Erde und auch bei uns bis vor gar nicht allzu langer Zeit war das Schlachten, Ausnehmen,,... ja auch mitten in der Gesellschaft.
Auch Sklavenhaltung ist ja etwas, was immer da war und was auch von vielen getragen wurde..
Der Punkt, dass die Sklaverei heutzutage in Bangladesh & co. und die Schlachterei bei Wiesenhof & co. weit draußen passiert, lässt dies weniger präsent sein, sodass Menschen dies nicht mehr so präsent ist und sie dann ggf. geschockt sind.

Die Menschheit an sich hat es aber immer ziemlich gut geschafft eine Mehr- Klassen- Gesellschaft (in diesem Fall Menschen - Roboter) auszuhalten

in dem text geht es nicht

um roboterschutzgesetze an sich, sondern um mögliche auswirkungen von roboterquälerei für die menschliche psyche, da es den menschen ja nicht unberührt zu lassen scheint. in pc-spielen sieht man die "zu killenden tiere oder wesen" häufig verfremdet, um diesem problem aus dem weg zu gehen. krokilisten haben 6 beine, u.ä. in der tat bin ich mitspielern begegnet, die bestimmte quests ausgelassen haben, weil sie das betreffende tier nicht töten wollten.
ob das sinnig ist oder nicht, ist eine sache.
aber es empfiehlt sich doch, von einem artikel mehr als die überschrift zu lesen, bevor man seinen ´kommentar abdrückt.