Es gibt zwei Sascha Lobos. Mindestens. Der eine ist der Typ, der von sich selbst sagt, er habe "eine gut gehende Frisur" und der bei jeder Gelegenheit lustig das Internet erklären kann. Den kennen die meisten.

Ihn hatten bei der re:publica alle erwartet. Schließlich war sein Auftritt am Montagabend entsprechend selbstironisch mit "Überraschungsvortrag" angekündigt. Doch es kam der andere Sascha Lobo.

Der ist nicht so lustig, sondern ein ernster, nachdenklicher und zutiefst politischer Mensch. Dieser Lobo ist seit 2007 im Online-Beirat der SPD und bemüht sich seit Jahren in den Hinterzimmern der deutschen Politik, ein besseres Verständnis des Internets zu vermitteln.

Der Vortrag begann gewohnt humorig, mit Hundefotos und spaßigen Anspielungen. So schleppte Lobo einen leeren Stuhl auf die Bühne, wie einst Clint Eastwood beim Kongress der Republikaner. Der Stuhl spielte dann aber kaum eine Rolle. Denn eigentlich war Lobo ziemlich sauer und ziemlich frustriert.

Sauer war er auf die Telekom, "die das Netz kaputt macht", wie überhaupt auf die Provider. Lobo vermutete, sie würden sich bei Vorhaben wie der jetzt von der Telekom angekündigten Bandbreitendrosselung absprechen.

Sauer war er auf die Piratenpartei. Sie hätte sich bemüht, beim Thema Netzpolitik eine treibende Kraft zu sein, sagte er. Illustrierte das dann aber mit dem Bild eines Hundes, dessen Kopf in einem Eimer steckte und das klarmachte, dass die Piratenpartei in Lobos Augen ganz offensichtlich versagt hat.

Sauer war er auch auf sich selbst und auf all die im Saal Versammelten, weil es nicht gelungen sei, die eigenen Vorstellungen vom Internet in die Politik zu tragen. Lobo nannte es den Kampf der "selbsternannten Hobbylobby für das freie, offene und sichere Internet in den Grenzen von 1999". Das sollte die gewohnte Lustigkeit demonstrieren.

Doch Lobo war offensichtlich nicht nach lustig zumute. Er klang vor allem resigniert. Keine der eigenen Forderungen habe man durchsetzen können, politische Erfolge könne die Netzgemeinde kaum vorweisen, dafür umso mehr Niederlagen: Leistungsschutzrecht, Bestandsdatenauskunft, Vorratsdatenspeicherung, Funkzellenabfrage, Bundestrojaner, Bandbreitenblamage. Weil zu viel geredet und getwittert werde, aber zu wenig tatsächlich gemacht.