TelekomDemo gegen "Drosselkom" in Köln geplant

Am 16. Mai ist in Köln die Aktionärsversammlung der Telekom. Kritiker wollen dort gegen die Pläne des Unternehmens demonstrieren, die Internet-Flatrates zu drosseln. von Achim Sawall

Demoaufruf: "Lass Dich nicht erdrosseln"

Demoaufruf: "Lass Dich nicht erdrosseln"  |  © Facebook-Aufruf zur Demo gegen die Telekom

Am 16. Mai 2013 soll es in Köln eine Demonstration gegen die Drosselungspläne der Deutschen Telekom geben. Zur Jahreshauptversammlung der Aktionäre ruft das Bündnis für Netzneutralität und gegen digitale Diskriminierung um 16 Uhr vor der Lanxess Arena am Willi-Brandt-Platz 2 zu Protesten auf. Bereits ab 8.30 Uhr ist geplant, eine Mahnwache abzuhalten.

Zu den Unterstützern der Aktion unter dem Titel Lass Dich nicht erdrosseln gehören Anonymous-Aktivisten, der Bundesverband Initiative gegen digitale Spaltung (geteilt.de), der Chaos Computer Club Düsseldorf, die Digitale Gesellschaft, der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung Ortsgruppe Köln/Bonn, Netzpolitik.org und die Piratenpartei Deutschland.

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Die Telekom hatte am 22. April 2013 angekündigt, dass sie ihre Flatrate-Produkte für Neukunden nicht mehr wie bisher anbieten werde und dass sie ab 2016 die Bandbreite der Flatrates drosseln wird. Später wurde bekannt, dass die Beschränkung auch Bestandskunden betrifft, wenn sie ihren Vertrag ändern.

So will das Unternehmen bei Anschlüssen mit einer Bandbreite von 16 Megabit pro Sekunde nur noch 75 Gigabyte Daten mit der hohen Geschwindigkeit durchleiten. Sind diese erreicht, soll der Zugang stark gedrosselt werden.

175.000 haben Petition unterschrieben

In dem Demoaufruf bei Facebook heißt es über den gedrosselten DSL-Anschluss mit 384 Kilobit pro Sekunde: "Der Aufbau von telekom.de dauert dann beispielsweise fast zwei Minuten. Die Drossel macht dann auch das Betrachten von YouTube- oder anderen Videos nahezu unmöglich."

Gleichzeitig will das Unternehmen diese Drosselung aber nicht für alle Inhalte gelten lassen. Eigene Dienste wie beispielsweise das Fernsehangebot Entertain sollen davon nicht betroffen sein. Das verstößt gegen die sogenannte Netzneutralität – ein Gebot, das fordert, dass Netzanbieter alle Inhalte gleich behandeln müssen und keinen diskriminieren dürfen.

Seit der Ankündigung haben mehr als 175.000 Menschen eine Petition dagegen unterzeichnet.

Später erklärte Telekom-Chef René Obermann, der Konzern würde auf die massive Kritik reagieren und "auch in Zukunft Flatrates" anbieten. Diese Flatrates für sogenannte Intensivnutzer, die ein unbegrenztes Datenvolumen beinhalten, würden "dann aber auch ein paar Euro teurer sein – aus heutiger Sicht zwischen 10 und 20 Euro im Monat."

Der Text erscheint bei golem.de.

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Leserkommentare
  1. Ich finde es sehr wichtig und richtig, dass sich der Protest nicht nur im Netz äußert, sondern auch - für alle sichtbar - nach außen getragen und artikuliert wird. Einerseits wird damit deutlich, dass es hier nicht bei einem "Sturm im Wasserglas" bleiben soll, zum anderen können so auch Menschen auf das Thema aufmerksam gemacht werden, die entsprechende Pläne ggf. nicht in ihrer Tragweite mitbekommen haben.
    Ich kann mir auch vorstellen, dass die Politik durch einen öffentlichen Protest mehr beeindruckt wird, als durch eine Petition im Netz, die ja schon öfter eher belächelt wurde(n).

    Ich glaube jedenfallss, dass man der Telekom (und der Politik) entsprechend Druck machen muss, damit sich etwas ändert.

    3 Leserempfehlungen
  2. Wenn ich hier eine ehemalige Bhörde so verspotten würde ...

    Dann sollen sie doch drosseln. Wer viel surft soll auch dafür bezahlen, hoffentlich wird es dann für die Wenignutzer auch entsprechend billiger.

    Man muß doch nicht den ganzen Tag YouTube Filmchen anschauen.

    Über meine Stromrechnung darf ich Google + Co. noch ein zweites mal subventionieren, weil die inzwischen die größten Stromverbarucher sind.

    2 Leserempfehlungen
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    "... Wer viel surft soll auch dafür bezahlen, hoffentlich wird es dann für die Wenignutzer auch entsprechend billiger..."

    Ich Zahle meinen Monatlichen Beitrag für den Internetzugang. In anbetracht der sehr günstigen Traffickosten pro GB zahle ich mehr als genug um auch einen Ausbau der Infrastruktur mitfinanzieren zu können.

    "...Man muß doch nicht den ganzen Tag YouTube Filmchen anschauen..."

    Und Maxdome, Lovefilm, Onlinegames und Sicherheitsupdates verbrauchen natürlich keinen Traffic... nicht wahr?

    "...Über meine Stromrechnung darf ich Google + Co. noch ein zweites mal subventionieren, weil die inzwischen die größten Stromverbarucher sind."

    Wenn man in der Schule nur Singen und Klatschen hatte, ist es nicht verwunderlich dass man Wirtschaftliche Zusammenhänge offensichtlich nicht erkennen kann...

    • bnt
    • 12. Mai 2013 14:51 Uhr

    "hoffentlich wird es dann für die Wenignutzer auch entsprechend billiger."

    Haha. Der aktuelle Protest hat durchaus auch damit zu tun, dass eben genau das nicht der Fall ist. Im Gegenteil, gerade der unbedarfte Wenignutzer, der sich keine Gedanken über seinen Traffic macht weil er oder sie vielfach auch gar nicht weiß, was das ist, wird in wneigen Jahren auch seine 75gb haben wenn die techn. Entwicklung so weitergeht. Halten sie sich ruhig für einen Unbeteiligten, in wenigen Jahren werden sie dafür sprichwörtlich die Rechnung erhalten.

    Möchte man meinen.
    Aber Emails benutzt jeder - Traffic. Was ist z.B. mit der weitverbreiteten Dropbox? Die von vielen Berufszweigen zum Datenaustausch genutzt wird, ganz zu schweigen von den Studenten und Schülern - Traffic. Oder eine einfache halbstündige Recherche bei Google mit Wikipedia-Benutzung? - Traffic. Ein bisschen Online-Shopping - Traffic. Das nächste Urlaubsziel. Wie man ein Dokument exportiert. Wie man die Firmware eines Gerätes updated. Ein Treiberdownload. Eine Handbuch-PDF.

    Sie wären erstaunt, was da für Datenmengen aufkommen und was alles Traffic verursacht - nämlich alles, auch der Post hier im Kommentarbereich.
    -
    Ich habe daheim gerade einmal DSL2000. Seit sechs Jahren. Netzausbau? Fehlanzeige. Und jetzt soll ich noch mehr bezahlen?

    Ich weiß schon gar nicht mehr, ob ich lachen oder weinen soll.

  3. 3. Frage

    Frage: Wird die (Er)Drosslung der Leitungen bei der Telekom auch Kunden von anderen Anbietern betreffen, wie 1&1, O2, et cetera?

    Wenn es allerdings nur die Kunden der Telekom betrifft, ist eine Kündigung und Wechsel zu einem anderen (ungedrosselten) Anbieter sicherlich das bessere Mittel, um ein deutliches Zeichen an die Führungsetage der Telekom zu senden, statt einer Demonstration.

  4. Obermann wird zur Belastung für die Telekom.
    Er ist davon überzeugt, eine richtige Entscheidung getroffen zu haben und zeigt sich uneinsichtig.
    Soviel Ignoranz und ergeizige Hybris gegenüber der Politik und der öffentlichen Meinung schadet nur dem Ansehen des Unternehmens.
    Er sollte dann so konsequent sein, seine Funktion von der Durchsetzungsfähigkeit seiner Drosselungspläne abhängig zu machen, da er sich seiner Sache doch so sicher ist.
    Das bedeutet: wenn er seine Entscheidung zurück ziehen muss, sollte er auch selbst gehen.
    Oder anderenfalls vom Aufsichtsrat entlassen werden.

    Eine Leserempfehlung
  5. "... Wer viel surft soll auch dafür bezahlen, hoffentlich wird es dann für die Wenignutzer auch entsprechend billiger..."

    Ich Zahle meinen Monatlichen Beitrag für den Internetzugang. In anbetracht der sehr günstigen Traffickosten pro GB zahle ich mehr als genug um auch einen Ausbau der Infrastruktur mitfinanzieren zu können.

    "...Man muß doch nicht den ganzen Tag YouTube Filmchen anschauen..."

    Und Maxdome, Lovefilm, Onlinegames und Sicherheitsupdates verbrauchen natürlich keinen Traffic... nicht wahr?

    "...Über meine Stromrechnung darf ich Google + Co. noch ein zweites mal subventionieren, weil die inzwischen die größten Stromverbarucher sind."

    Wenn man in der Schule nur Singen und Klatschen hatte, ist es nicht verwunderlich dass man Wirtschaftliche Zusammenhänge offensichtlich nicht erkennen kann...

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Überschrift"
  6. bin gespannt wie die Geizhälse so aussehen.

    Übrigens, keiner von denen braucht mit 384kb/s. surfen, aber mehr zahlen kommt ja nicht in Frage!

  7. Maxdome und so ein Zeugs kenne ich nicht. Automatische Updates sind bei mir immer abgedreht, weil sie mir da gerne Suchmaschinen in die Startzeile reinschmuggeln.

    Auf bewegte Bildchen kann ich auch verzichten, sonst wäre ich nciht bei ZO.

    Wenn man in der Schule rechnen lente und die Stromrechnung lesen kann, dann sieht man, daß die Privatleute den Strom für die Wirtschaft subventionieren. Und Google als größter Stromverbraucher ist nun mal Wirtschaft.

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    • Snorrt
    • 12. Mai 2013 11:24 Uhr

    Laden kaum etwas, lesen nur Text und segnen die vorsinflutlichen Ideen der Telekom ab.
    Was mich tröstet: Sie zahlen dann erst recht viel zu viel für ihre Leitung und Herr Dobermann wird es Ihnen dadurch danken, dass er den Preis dafür schön stabil hält. Rechnung hierbei: Normalnutzer = Normalpreis.

    Dafür will er von den Powerusern (= Menschen, die nach den Cloud-Werbe-Orgien und Highspeed-Versprechen der Telekom es gewagt haben, dann auch ein entsprechendes Online-Verhalten des 21ten Jahrhunderts an den Tag zu legen) 20 € mehr, wofür es keinen wirtschaftlichen Zusammenhang gibt (nochmal für alle, die es der Telekom nachplappern, ohne die technischen Zusammenhänge zu begreifen: GB kosten die Telekom fast kein Geld, schon gar nicht 20 € im Monat - der Netzausbau kostet Geld, also die Tatsache, dass der Laden, deren Grundnetz komplett vom Steuerzahler finanziert wurde, auf dem Land immer noch keine MBit Verbindungen zustande bekommt, weil er lieber seine Aktionäre mit Geld beglücken will und dabei auf 50 Jahre alte Kupferadern aufsetzt anstatt neu zu verkabeln).

    Daher: Seien Sie weiterhin ein liebster Telekom-Kunde, es sei Ihnen gegönnt, viel zu viel Geld an diesen Moloch zu zahlen. Andere wie ich erdreisten sich, für das viele Geld auch die entsprechende (direkt mit diesem Jahrhundert korrelierende) Leistung abzuverlangen, gerade weil wir unser Geld auch nicht einfach auf der Straße finden.

  8. Ich glaube, sowohl Petition als auch Demos werden das Problem nicht lösen.
    Erstens verstehen zu wenig Menschen, was Netzneutralität (für sie) bedeutet(n) (sollte).
    Zweitens gibt es kaum Menschen, die sich im Klaren darüber sind, was sie tatsächlich an Traffic im Monat haben, sodass sie erst recht nicht einschätzen können, was sie 2016+ an Traffic haben könnten.
    Drittens ist jeder Smartphonenutzer (das sind in Deutschland nicht wenige) an Drosselungen von überwiegend 100 - 500 MB gewöhnt, da klingen 75 - 400 GB wie der himmlische Jungfrauensegen, geführt von Petrus' Rute auf Buddhas Schoß.
    Und viertens gibt es häufig keine Alternative zur Telekom bzw. die Telekom wird sicher nicht die einzige sein, die Drosseln wird, zumal ja viele andere Provider das Netz der Telekom auch nutzen.

    Und was, wenn sich die Politik einmischt? Ich glaube, es ist wahrscheinlicher, dass das Netz auf Steuerkosten ausgebaut wird oder das Potential der Überwachung seitens des Hauptaktionärs wahrgenommen wird, als das Flatrates neben einmal Bezahlen tatsächlich All-inclusive beinhaltet - nützt ja eh nur den Raubmordkopierern. Immerhin gibts ja Youtube, Steam, Cloud, 4k etc. gar nicht o.O

    Ich kann mich täuschen, aber ich vermute, die Telekom wird drosseln - interessant ist nur die Folge: Wie hoch sind die Anreize für den Ausbau eines Glasfasernetzes durch andere Unternehmen (Stadtwerke,Google,Microsoft,Amazon,eBay,Kommunen)? Vielleicht bekommen wir dank der Telekom dann am Ende sogar Internet des 21.Jh.

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  • Schlagworte Köln | Telekom | Chaos Computer Club | Demonstration | Diskriminierung | Euro
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