Übernahme : Yahoo verspricht, tumblr nicht zu versauen

Yahoo kauft den Blogdienst tumblr, um Werbeplätze und Reichweite zu gewinnen. Das könnte schiefgehen. Tumblr-Nutzer sind nicht begeistert, ihre Inhalte nicht jugendfrei.
Zwei Tabletcomputer zeigen die Logos von Tumblr und Yahoo © Fred Dufour/AFP/Getty Images

Der Vorstand von Yahoo hat am Sonntag zugestimmt, den Bloganbieter tumblr für den Preis von 1,1 Milliarden Dollar zu kaufen. Das teilten beide Unternehmen am Montag mit. Es ist die größte Übernahme eines sozialen Netzwerkdienstes seit Jahren – größer noch als der Kauf von Instagram durch Facebook. Und mindestens ebenso wichtig.

Yahoo ist ein Portal. Die Seite bietet verschiedene Dienste wie Suche, Mail, Chats, Nachrichten und andere an, darunter auch die Fotodatenbank flickr. In den USA ist Yahoo noch immer eine der beliebtesten Seiten überhaupt. Geld verdient der Konzern mit dem Verkauf von Werbeplätzen in seinen Diensten.

Tumblr ist eine der beliebtesten Plattformen, um ein Blog zu starten. Das Anlegen und Teilen von Inhalten darüber ist sehr einfach, die Vernetzung mit anderen Diensten wie Twitter sehr gut.

Für Yahoo ist tumblr aus zwei Gründen interessant: Einerseits geht es um die Klicks der Blog-Plattform. Tumblr ist das Heim von mehr als 100 Millionen Blogs, die pro Tag sieben bis acht Millionen Visits erzeugen. Viel Reichweite also für die Werbung von Yahoo. Yahoos Zugriffe könnten durch den Deal um ungefähr 20 Prozent wachsen, heißt es in der offiziellen Mitteilung.

Gleichzeitig nutzen mehr als die Hälfte aller Blogger die mobile App. In dem wachsenden Mobilmarkt also ist das Unternehmen gut aufgestellt.

Kai Biermann

Kai Biermann ist Redakteur im Team Investigativ/Daten bei ZEIT ONLINE. Seine Profilseite finden Sie hier.

Andererseits gilt Yahoo als alt und behäbig. Als das Unternehmen 1995 gegründet wurde, war es einer der Pioniere des Netzes. Allerdings setzte sich seine Grundidee nicht durch – sein aufwändig von Hand erstellter Suchkatalog von Internetseiten war der auf Algorithmen basierenden Suche des Konkurrenten Google unterlegen. Yahoo macht zwar mehr als 100 Millionen Dollar Gewinn pro Quartal, sucht aber seit Jahren ein funktionierendes Geschäftsmodell. Mit tumblr will das Unternehmen junge Nutzer in sein Portfolio aufnehmen, auch in der Hoffnung, dadurch selbst wieder ein etwas jüngeres Image zu bekommen.

Die Nutzer aber sind darüber gar nicht so glücklich. Bei tumblr gibt es kaum Befürworter der Übernahme, im Gegenteil: In vielen Blogs wird dagegen auf die typische Art gewettert, mit Bildern und animierten GIFs. Auch unter dem neuen tumblr-Blog von Yahoo-Chefin Marissa Mayer gibt es Kritik in den Kommentaren. 

Daher ist es nicht überraschend, dass Yahoo zusagte, tumblr als eigenständigen Dienst weiter zu betreiben, auch Gründer David Karp bleibt weiter der Chef. Um zu demonstrieren, wie groß die Eigenständigkeit bleibt, soll nicht einmal das Logo von Yahoo auf den tumblr-Seiten auftauchen. Und auch Karp verspricht, dass die Zukunftsplanung seines Angebotes die gleiche bleibt. Nun habe man dafür aber mehr Ressourcen.  

Hat der Umzug schon begonnen?

Trotzdem fürchten viele, dass ihre Blogs nun mit Werbung zugeklebt werden. Das aber ist eines der beiden Probleme für Yahoo bei der Übernahme. Denn tumblr ist nur eine Plattform, für die dort gehosteten Blogs übernimmt der Dienst keine Verantwortung. Die Inhalte, also die Blogs, gehören mehr oder weniger den Nutzern. In den Geschäftsbedingungen steht auch nichts davon, dass tumblr Werbung in die Blogs einspielt. Geld verdient das Unternehmen durch kostenpflichtige Angebote. Allzu viel ist es nicht. Im vergangenen Jahr machte es 13 Millionen Dollar Umsatz und noch einmal den gleichen Betrag im ersten Quartal 2013.

Wenn Yahoo diese Strategie ändert und nun in tumblr vor allem Werbeplätze sieht, riskiert das Unternehmen, dass viele Blogger mit ihren Inhalten woanders hin ziehen. Das scheint auch schon zu geschehen. Die Blog-Softwarefirma Wordpress meldete gerade, dass sehr viel mehr Inhalte also sonst üblich von tumblr zu ihr umziehen würden. Wordpress-Gründer Matt Mullenweg schreibt in einem Blogpost, am Sonntag seien in einer Stunde mehr als 72.000 Posts zu Wordpress umgezogen worden. Normalerweise seien es sonntags lediglich 400 bis 600 Postings.

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