OnlinekommunikationAuch London spionierte Internetnutzer aus

Der Geheimdienst GCHQ soll ebenso wie die US-Behörden die Nutzer großer Onlineangebote überwacht haben. Die Bundesregierung prüft nun, ob auch Deutsche angezapft wurden.

Der Hauptsitz der britischen Geheimdienstbehörde GCHQ in Cheltenham

Der Hauptsitz der britischen Geheimdienstbehörde GCHQ in Cheltenham  |  © Crown Copyright/Reuters

Der britische Geheimdienst GCHQ hat laut einem Medienbericht Nutzerdaten von Internetdiensten ausspioniert. Die Sicherheitsbehörde soll über den US-Geheimdienst NSA Zugang zu der Überwachungssoftware Prism gehabt haben, berichtet der Guardian. Die Zeitung stützt sich dabei auf interne Dokumente des GCHQ, das seit dem Jahr 2010 mehr als 100 Berichte über Überwachungsmaßnahmen angefertigt haben soll.   

Zuvor war berichtet worden, dass die NSA und die US-Bundespolizei FBI direkt die zentralen Rechner von Internet-Firmen angezapft haben sollen, darunter die von Microsoft, Yahoo, Google, Facebook, PalTalk, AOL, Skype und YouTube. Die US-Regierung bestätigte die Existenz des Programms. Apple wies sie kategorisch zurück.  

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Der britische Geheimdienst teilte mit, dass "die gesetzlichen Pflichten sehr ernst" genommen worden seien. Die Aufklärungsarbeit entspreche immer den gesetzlichen Vorgaben und werde durch das Innenministerium streng überwacht, hieß es weiter.

GCHQ befasst sich mit Fernmeldeaufklärung, Kryptographie und Datenübertragung und ist neben dem Inlandsnachrichtendienst MI5 und dem Auslandsnachrichtendienst MI6 eine der wichtigsten Sicherheitsbehörden Großbritanniens. Der Dienst benutzt hauptsächlich technische Mittel zur Aufklärung, anders als die anderen beiden Dienste.

Regierung prüft, ob deutsche Nutzer betroffen sind

Die Bundesregierung prüft, ob von der angeblichen Überwachung auch deutsche Nutzer betroffen sind. Regierungssprecher Steffen Seibert wollte nicht ausschließen, dass die Vorgänge Thema beim Treffen von Bundeskanzlerin Angela Merkel mit US-Präsident Barack Obama in der übernächsten Woche sein könnten. Derzeit werde untersucht, ob es einen "deutschen Bezug" gebe.

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) sagte, sie sehe die Internet-Unternehmen in der Pflicht. "Wenn die Vorwürfe zutreffen, wäre das ein beispielloser Vorgang. Es gibt eine Reihe kritischer Fragen, denen sich jetzt auch US-Konzerne stellen müssen", sagte Aigner Spiegel Online. "Das wichtigste Kapital der Internetunternehmen ist das Vertrauen der Nutzer. Sie haben ein Recht auf den Schutz ihrer Daten und ein Recht auf Transparenz", fügte sie hinzu.

Die bisherigen Dementis der Unternehmen reichten nicht aus. Sie wolle klare Antworten, sagte Aigner. Die Ministerin erklärte, dass Deutschland für Google, Facebook, Microsoft, Apple und Yahoo ein großer Markt sei. Die Unternehmen müssten sich deshalb an deutsches und europäisches Recht halten.

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Leserkommentare
    • Vibert
    • 07. Juni 2013 18:24 Uhr

    Mit den USA, würde ich jetzt einfach mal behaupten.
    Diese Welt ist einfach nur noch meschugge.

    8 Leserempfehlungen
  1. "Die Bundesregierung prüft nun, ob auch Deutsche angezapft wurden."

    Warum sollte man in dieser Angelegenheit denn ausgerechnet der Bundesregierung trauen? Die Überwachung, so sie denn stattfindet, ist ja wohl dann AUCH im Sinne dieser Regierung. Also bitte.

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    Vielleicht erinnern Sie noch an das in Bad Aibling stehende Echelon-System, das übrigens gemeinsam von UK und USA getrieben wird.
    Nachdem um die Jahrtausendwende herauskam, dass die Amerikaner von dort aus Wirtschaftsspionage betrieben, ua. nachweislich gegen den WKA-Hersteller Enercon, wurden entsprechende Teile der Anlage auf europäischen Druck hin geschlossen.

    Machbar ist soetwas also schon.

    Ob die Bundesregierung oder Stasi 2.0-Schäuble so etwas wünschen, steht natürlich auf einem andern Blatt und darf durchaus bezweifelt werden.

    Interessant ist nur, dass heute so ziemlich jeder verwundert tut, obwohl manche Umtriebe seit Jahren bekannt sind.

  2. Wir prüfen, und prüfen und prüfen...

    Na klar, wird doch von us-Seite behauptet, nur Ausländer würden überwacht.

    Zu dieser Aussage fällt einem nichts mehr zu ein. Alles was ich sagen könnte würde zensiert.

    Allein die Fragestellung lässt Inkompetenz vermuten. Sie lässt sicher prüfen ob es möglich ist eine Beteiligung deutscher Behörden an den Vorgängen zu verschleiern. Das ist natürlich nur eine nicht belegbare Unterstellung aber vielleicht kann ihr der Innenminister bei der Antwort helfen - es könnte ja sein, dass sie tatsächlich ahnungslos ist.

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  3. "Die Bundesregierung prüft, ob von der angeblichen Überwachung auch deutsche Nutzer betroffen sind."

    Dazu fallen mir nur Dinge ein, die dann von der Redaktion wahrscheinlich gelöscht werden würden.

    14 Leserempfehlungen
  4. sind auch betroffen.

    http://rt.com/news/nsa-co...

    was den Datenaustausch anbelangt.

    Das sagt aber nichts darüber aus, aus welchen Ländern Daten ausspioniert worden sind. Ich glaube, es gibt niemanden in Deutschland der glaubt, dass deutsche Daten unberührt geblieben sind. Was alles ausspioniert wurde

    Throughout PRISM’s seven-year existence, operatives at the NSA and FBI have collected email, video and voice chat, videos, photos, voice-over-IP (Skype) chats, file transfers and social networking details, with the ostensible purpose of thwarting terror attacks.

    2 Leserempfehlungen
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    • Evolux
    • 07. Juni 2013 19:32 Uhr

    "EU-Datenschutzreform: PRISM wird auch in Brüssel verhandelt"
    https://netzpolitik.org/2...

  5. Das nenn ich mal Obrigkeitsstaat vom Feinsten. Die Schweizer setzen die Amis wegen dem autom. Informationsaustausch unter Druck und von uns Deutschen werden also Daten gespeichert (was das Bundesverfassungsgericht der deutschen Regierung im Übrigen verboten hat).

    Wieso sollte das ausgerechnet für eine ausländische Behörde nicht gelten?

    Ich erwarte eine harte Gangart von Brüssel in diesem Fall, für was haben wir den Laden denn sonst?

    14 Leserempfehlungen
  6. Daten stellen wie Gold einen Wert dar. Im einzelnen einen persönlichen, in ihrer Summe einen wirtschaftlichen und auch politischen.

    Daten werden - wie Gold - angehäuft und gesammelt, privat von einzelnen oder, in der Summe von einzelnen, bei, die Sicherheit und Vertraulichkeit zusagenden, Datenspeicherungs-Dienstleistern.

    Bei Gold kann sich jeder mal überlegen, ob ihm, als einzelnem, das Gold real - erst mal niemandem bekannt unter der Matratze - sicherer erscheinen würde, als ein Zertifikat, wie es viele andere auch erhalten, über eine Hinterlegung dieses Goldes in Fort Knox.

    Hat man seine realen Daten, wie sein reales Gold, abgegeben, hat man, allen papiernen Zusicherungen und Anspruchszertifikaten zu Trotz, die Herrschaft darüber abgegeben und verloren.

    Ein Unterschied bleibt. Real kann ich das Gold vielleicht wieder für mich zurückerhalten, von den Daten bleibt aber immer eine Kopie in anderen Händen bestehen.

    • Evolux
    • 07. Juni 2013 19:30 Uhr

    Die Facebooker und Twitterer halten sich verschreckt bedeckt?
    Vor Jahren wurden wir als Spinner und Verschwörungstheoretiker verschrien und heute haben wir recht.Wie mit allem anderen auch!
    Anlegen von exakten Profilen von jedermann?
    Na klar doch!

    Kampg gegen den Terror?
    Kampf gegen die Menschheit,die Freiheit und die Rechte!

    "Und schließlich: Wie so nach und nach alle schönen Verschwörungstheorien, für die Leute über Jahrzehnte als paranoide Spinner verunglimpft wurden, sich als wahr herausstellen. Die Existenz der NSA war jahrelang eine Verschwörungstheorie, dann Echelon, dann dass sie auch Amis abhören. Das Nato-Stay-Behind-Netzwerk war Verschwörungstheorie. Dass die Polizei Undercover-Cops als Provokateure einsetzt, um einen Vorwand zu schaffen, Demonstranten plattzuprügeln, war lange Jahre eine Verschwörungstheorie. Dass auch der Westen unsere Post gelesen hat, nicht nur der Osten, war jahrelang Verschwörungstheorie. Dass die CDU sich über Schwarzgeld finanziert. Dass Atomkraftwerke gefährlich sind und in die Luft fliegen können.
    So langsam werden die Theorien knapp, die sich noch nicht als wahr herausgestellt haben."
    http://blog.fefe.de/?ts=a...

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    Da sich nun der Protest immer mehr Europa nähert und/oder in teilen schon angekommen ist, die USA nun mit Occupy auch die Auswirkungen ihrer Klientelpolitik zu spüren bekommen, werden Projekte wie INDECT natürlich befeuert wie noch nie, man könnte schon fast davon ausgehen das der ganze War on Terror nur zu dem Zweck gedient hat, einen Überwachungsstaat zu installieren, wenn man nun die Terroristen, vor den man vorgab unsere "demokratie" zu beschützen, in Syrien auf ein neues Bewaffnen will.

    Aber das ist alles selbstverständlich nur eine Verschwörungstheorie,
    biss nächste Woche vielleicht.

    http://www.stopp-indect.i...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, zz
  • Schlagworte Bundesregierung | Google | Ilse Aigner | Microsoft | Barack Obama | CSU
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