Medienpreis : Grimme Online Award für den "Postillon" und #aufschrei

Acht herausragende Web-Angebote prämierte das Grimme Institut in diesem Jahr. Zu den Preisträgern gehören erstmals auch ein Podcast und eine Twitter-Kampagne.

Politik, Satire und Frauenrechte sind die Gewinnerthemen der diesjährigen Grimme Online Awards. Seit 2001 zeichnet das Grimme Institut jährlich herausragende Angebote im deutschen Internet aus. In diesem Jahr hatte die Nominierungskommission zunächst 28 Angebote aus 1.600 Vorschlägen ausgewählt. Eine siebenköpfige Jury  hat nun acht Preisträger in insgesamt vier Kategorien im Rahmen einer Gala in Köln gekürt.

Grimme-Institut-Chef  Uwe Kammann eröffnete die Preisverleihung mit den Worten "Willkommen im Haus Neuland" und spielte damit auf die jüngsten Äußerungen Angela Merkels an. Kammann bemerkte, dass das Internet zwar für viele Menschen schon seit Langem zum Alltag gehöre, es gleichzeitig aber noch viel unerschlossenes Gebiet gäbe, etwa im Urheberrecht. Das sogenannte Neuland sollte man deshalb immer auch als Chance verstehen. Die Nominierten des Grimme Online Awards zeigten, sagte Kammann, wie man neue publizistische Wege einschlagen könne.

Webdokus und Podcasts

In der Kategorie Wissen und Bildung gab es insgesamt drei Preise. Einer davon ging an die Volontäre der Deutschen Welle für ihr Projekt Plan B. Für die multimediale Website reisten die jungen Journalisten in fünf europäische Krisenländer, um den Lebensentwürfen der Menschen dort auf die Spur zu kommen. In Interviews, Reportagen und Videoporträts suchte das Team nach Antworten auf die Krise, ohne die von der Jury gelobte emotionale Tiefe vermissen zu lassen.

Der zweite Preis ging an die interaktive Webdoku Alma des TV-Senders Arte. In vierzig Minuten erzählt Alma die Geschichte einer jungen Frau, die mit 15 Jahren einer der gefürchtetsten Gangs Guatemalas beitritt und fünf Jahre lang in einem Alltag der Gewalt verbringt. Heute sitzt Alma deshalb im Rollstuhl. Nicht nur erzählerisch, sondern auch technisch überzeugt das Projekt: Es war etwa die erste deutschsprachige Webdoku, die für Tablets optimiert ist, wie Alexander Knetig von Arte in einem Interview auf webdoku.deerklärt.

Für eine Premiere sorgten die dritten Preisträger der Kategorie: Mit Soziopod gewann erstmals ein Podcast den Grimme Online Award. Die beiden Macher Patrick Breitenbach und Nils Köbel diskutieren in bislang 27 Folgen soziologische und philosophische Fragen, die von Rechtsextremismus bis zur Papstwahl ein breites Themenspektrum abdecken. "Das war höchste Zeit für Podcasts", sagte Breitenbach in der Laudatio und lobte gleichzeitig die lebendige deutsche Podcast-Szene.

Informations- und Publikumspreis für den "Postillon"

Ein echter Dauergast bei Preisverleihungen ist mittlerweile Stefan Sichermann. Der Kopf hinter der Satireseite Der Postillon war erst vor wenigen Wochen beim Deutschen Webvideopreis mit seiner YouTube-Sendung erfolgreich. Nun wurde die Mutterseite mit dem Grimme Online Award in der Kategorie Information ausgezeichnet. Mit mehr als fünf Millionen Aufrufen im Monat gehört Der Postillon mittlerweile zu den erfolgreichsten deutschen Webangeboten. Dabei wusste Sichermann nach eigenen Angaben bis vor fünf Jahren noch gar nichts mit dem Internet anzufangen. Erst ein Kollege bekehrte ihn zum Bloggen. Knapp 1.900 Beiträge später erreicht Sichermann mit seinen Pseudo-Nachrichten mehr Menschen als die meisten Tageszeitungen.

Es war nicht der einzige Preis für den Postillon an diesem Abend. Sichermann heimste zum Abschluss auch noch den Publikumspreis ein. Zuletzt gelang dieses Kunststück dem Projekt Ehrensenf 2006. Diesen Erfolg wissen auch die anderen Nominierten der Kategorie zu schätzen: "Höggscht verdient", twitterte der Journalist Daniel Drepper in Anspielung auf Sichermanns fränkische Heimat. Drepper war mit dem Projekt fussballdoping.de ebenfalls nominiert.

Keine Satire gibt es beim zweiten Preisträger der Kategorie Information. Das Schweizer Angebot Politnetz ist mit 20.000 registrierten Nutzern die größte politische Meinungsplattform der Schweiz. Die Seite ermöglicht den Austausch zwischen Bürgern und Politikern und analysiert die politische Landschaft auf Facebook.

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