Google vs. Verlage : Der Streit ums Leistungsschutzrecht kurz erklärt

Worum geht es beim Leistungsschutzrecht, wer streitet da und warum überhaupt? Hier die wichtigsten Antworten zu dem neuen Gesetz, das im August in Kraft tritt

Am 1. August tritt nun das sogenannte Leistungsschutzrecht für Presseverleger in Kraft. Vier Jahre dauerte der Streit darum. Aber nur, weil es jetzt ein Gesetz gibt, heißt das noch lange nicht, dass er damit beendet wäre.

Worum geht es dabei eigentlich? Kurz und knapp gesagt, geht es um Geld. Google verdient Milliarden damit, auf seinen eigenen Seiten Werbeplätze zu verkaufen und sein Wissen zu nutzen, um auf anderen Websites Werbeplätze zu bespielen. Die wichtigste Seite dazu ist die Google-Suche. In der Argumentation um das Leistungsschutzrecht geht es aber um einen eher kleinen Dienst: um Google News.

News ist ein sogenannter Aggregator. Google sammelt automatisch Links zu Nachrichten, zu neuen Artikeln und Videos und zeigt die Links samt einer kurzen Erklärung auf der eigenen Seite. Es gibt noch weitere solcher Aggregatoren, die deutsche Seite Rivva ist zum Beispiel einer. Das eigentliche Ziel der Debatte aber ist Google – eben weil das Unternehmen so viel Geld mit Werbung verdient.

Wichtig zu wissen: Inhalte zu produzieren, damit auf den entsprechenden Seiten Werbung verkauft werden kann, ist das eigentliche Geschäftsmodell von Zeitungen und Zeitschriften. Sie haben damit jahrzehntelang sehr viel Geld verdient, die Gewinnspannen waren zweistellig. Im Internet aber entstanden aufgrund neuer technischer Möglichkeiten neue Geschäftsmodelle, beispielsweise eben Suchmaschinen und Aggregatoren.

Wer streitet mit wem? Deutsche Zeitungsverleger – nicht alle, aber viele – streiten sich mit Google. Verlage argumentieren, Google zeige fremde Inhalte, die es nicht selbst produziert und bezahlt habe. Es seien die Inhalte von den Websites der Medien, mit denen Google Geld verdiene.

Google argumentiert, die Verlage würden davon profitieren, da die Leser von Google News ja auf die Links klicken und so zu den originalen Seiten kommen. Man bringe also Nutzer zu den Medienseiten.

Es seien aber nicht genug Nutzer, sagen die Verlage, da es vielen genügen würde, Google News zu lesen und eben nicht zu klicken. Wie viele genau den Dienst nutzen und wie viele davon zu den Websites der Verlage weiterklicken, ist unklar. Google veröffentlicht keine Zahlen dazu.

Grundsätzlich sind es aber wohl eine ganze Menge, die dank Google zu den Verlagsangeboten kommen. Axel-Springer-Vorstandschef Matthias Döpfner sagte in einem Interview mal: "Wir sind Google unendlich dankbar, dass teilweise bis zu 80 Prozent unserer Leser über Google unsere Artikel finden. Wir sind dankbar dafür, dass sie mit dieser genialen Suchmaschine das Internet wirklich massenmarktfähig gemacht haben. Gleichzeitig streiten wir aber mit Google über Fragen piratenartiger Geschäftsmodelle, oder anders formuliert über eine faire Architektur beim Benutzen und Vermarkten unserer Inhalte."

Sind Aggregatoren neu? Nein, sind sie nicht. Sogenannte Pressespiegel gibt es schon sehr lange. Dort werden Artikel zu einem bestimmten Thema gesammelt, sortiert und an Nutzer verteilt. In Deutschland müssen Betreiber von Pressespiegeln dafür eine Abgabe zahlen. Die sammelt die Verwertungsgesellschaft Wort (VG Wort) ein und schüttet sie an Verlage und an die Autoren der Artikel aus.

Gibt es den Streit auch in anderen Ländern? In Frankreich hat sich Google mit der Regierung darauf verständigt, einen Fond zu gründen, um französische Nachrichten zu fördern. Google hat in diesen Topf 60 Millionen Euro eingezahlt. Damit ging das Unternehmen einem von der Regierung angedrohten Nachzahlungsbescheid in Höhe von 1,2 Milliarden Euro sowie einem Gesetz ähnlich wie dem deutschen Leistungsschutzrecht aus dem Weg.

In Belgien stritten Verleger, vertreten durch die Verwertungsgesellschaft Copiepresse, viele Jahre lang vor Gericht mit Google. Das ging so weit, dass Google alle belgischen Zeitungen komplett aus Google News entfernte. In einem Vergleich wurde inzwischen festgelegt, dass Google in Medien Werbung für seine Angebote schaltet – also Geld ausgibt. Und Verlage nutzen im Gegenzug verstärkt Googles Dienste wie YouTube et cetera. Google bezeichnet das Konzept als Gewinn für alle.

Wer ist von dem Streit noch betroffen? Seit es die Debatte gibt, fürchten Blogger, dass sie von Verlagen auch zur Kasse gebeten werden könnten, wenn sie Medieninhalte verlinken. Ob das stimmt, ist nicht geklärt, wahrscheinlich muss es irgendwann vor einem Gericht verhandelt werden. Ganz bestimmt betroffen aber ist der Dienst Rivva und andere kleine Aggregatoren. Einige Angebote haben daher auch schon angekündigt, ihre Arbeit einzustellen, wenn das Gesetz in Kraft tritt.

Was ändert sich durch das Leistungsschutzrecht für Google-Nutzer? Nutzer, die sich vorwiegend über Google News über das aktuelle Weltgeschehen informieren, werden in Zukunft möglicherweise weniger verschiedene Quellen in Google News vorfinden. Das hängt davon ab, wie viele Verlage sich künftig weigern, Google ihre Inhalte kostenlos zur Verlinkung zur Verfügung zu stellen. Allerdings werden auch in der normalen Google-Suche aktuelle Pressetexte verlinkt, wenn Nutzer die entsprechenden Suchworte eingeben. Die Google-Suchmaschine wird durch das Leistungsschutzrecht nicht eingeschränkt.


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Kommentare

3 Kommentare Kommentieren

Keine Überraschung

Fakt ist, dass Google schon immer geklaut hat oder mit kostenlosen und werbefreien Diensten die Konkurrenz platt gemacht hat und nie hat es einen interessiert. Nehmt Google Maps, Google Sketchup, die neue Bildersuche bei Google.com, das direkte Einblenden von Taschenrechner, Aktienkursen, Wetter, usw. Google macht alles, damit man Google nutzt und nicht die Websites, die Google verlinkt. Warum ist wohl Youtube die Nr. 1. Jahrelang war die Plattform werbefrei bis eben alle Mitstreiter weg vom Fenster waren. Und an dem Tag wo sich Youtube mit der Gema einigt ist MyVideo tot.

Ich frage mich z.B. schon lange warum TomTom Google nicht verklagt weil sie ihre Navigation auf dem Smartphone kostenlos anbieten. Genauso wie die ganzen Kartendienste, die es heute nicht mehr gibt. Google hat mehrere Milliarden ausgegeben für Kartenmaterial, Streetview, usw. und die Monetarisierung folgt erst wenn sie Marktführer sind. So auch die Einführung von Gebühren für Google Maps für Publisher.

Keiner scheint das ganze wirklich ernst zu nehmen.

Wikipedia wird auch ein Problem bekommen sobald die semantische Suche da ist. Dann geht keiner mehr auf Wikipedia, sondern sieht die Antwort direkt bei Google. Woher Google die Antwort hat weiß ja keiner.

Statt einem Leistungsschutzrecht brauchen wir ein Gesetz das ganz klar definiert was eine Suchmaschine darf bzw. es darf nicht sein, dass ein Softwareunternehmen einzelne Softwareprodukte mit Verlust anbieten darf.

Ach was

Google beschert den Verlagen doch eine Menge Besucher. Das sagt doch Guru Döpfner selbst. Außerdem wird nur ein Textausschnitt auf Google-News gelistet und nicht der ganze Text, wodurch eben jene 80 Prozent zusammenkommen.

Deshalb geht es Döpfner und Burda gar nicht um Google selbst. Das sagt er auch indirekt: "Gleichzeitig streiten wir aber mit Google über Fragen piratenartiger Geschäftsmodelle, oder anders formuliert über eine faire Architektur beim Benutzen und Vermarkten unserer Inhalte."

Und dabei ist nicht Google gemeint, sondern jene Pressespiegel und Blogs, die einfach zur Konkurrenz durch den damaligen Google-Algorithmus geworden sind und somit immer mehr Werbe-Einnahmen flöten gegangen sind. Burda selbst sagt es doch klar und deutlich worum es ihm geht. (siehe hier: http://www.youtube.com/wa...) Ihm ging es schlicht um die Position in der Suchmaschine Google! Er will ein Monopol in den Rankings, nichts weiter, damit die Kasse ordentlich klingelt. Es ist zudem ein Zensurapparat, um unliebsame Meinungen aus den Top-Ten der Suchmaschine zu verbannen. Diverse Updates wie Google-Panda sind schon eine Art Leistungsschutzrecht; schön verpackt als Qualitätsupdate, dient es Politik und deren Verlagen als Zensurapparat.

Diese Diskussion und der angebliche Streit zwischen Google und den Verlagen ist für mich eine inszenierte Scharade, nichts weiter.

Ich bin immer geschockt, dass kleine Gruppen ganze Gesetzgebungen beeinflussen können. Statt ein allgemein gültiges Gesetz zu schaffen, das tatsächlich alle Rechte schützt, muss der Staat Politik für ein paar kleine wirtschaftliche Verbände machen. Lächerlich!

Statt sinnvolle Gesetze für die online-Welt zu machen, werden existierende Gesetze aus dem "Real Life" in Netz gepresst- was einfach keinen Sinn macht.
Es gibt bereits wunderbare Ansätze wie das "Craeative Commons". Hier kann der Urheber genau festlegen, was unter welchen Umständen geteilt werden darf. Das könnte man in Code gießen. Anstatt das im Gesetz zu verankern muss wieder so eine hingeschusterte Lösung gesetzlich verankert werden. In wenigen Jahren werden sich alle ärgern!