Open HardwareFab Labs, die Maschinen-Bibliotheken

3-D-Drucker, CNC-Fräsen oder Lasercutter – mit solchen Maschinen sollen Bastler in Fab Labs experimentieren. Immer mehr solcher Werkstätten entstehen nun in aller Welt. von Tilman Baumgärtel

MakerBot Replicator 2

Ein MakerBot Replicator 2 auf der diesjährigen Cebit in Hannover  |  © REUTERS/Fabrizio Bensch

Der Replicator 2 sieht ein bisschen aus wie ein Bierkasten: eine schwarze, quadratische Plastikbox. Nur das in deren Mitte eine kleine Düse ihre Kreise zieht und einen dünnen Kunststoff-Faden ausspuckt. Schicht um Schicht klebt sie so langsam ein kleines, weißes Plastik-Türmchen zusammen. Es ist der Prototyp für eine Taschenlampe, das Werk einer amerikanischen Designstudentin, die mit ihren Kommilitonen für einen Monat in Berlin ist und nun im Fab Lab Berlin an ihrem Abschlussprojekt arbeitet.

Der kleine 3-D-Drucker in der Ecke des Raums ist das Herzstück des Berliner Fab Labs. Der Ausdruck ist die Abkürzung des englischen fabrication laboratory, Fabrikationslabor. Seit März 2013 gibt es auch in Berlin eines davon, in einer ehemaligen Brauerei in Prenzlauer Berg. 

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Es ist eines von vielen weltweit. Fab Labs sind lokale Produktionsstätten, in denen jeder mitmachen kann. Denn Fab Labs wollen so vielen Menschen wie möglich Werkzeuge zugänglich machen, die sonst nur in Firmen stehen, vor allem computergesteuerten Maschinen wie 3-D-Drucker, CNC-Fräsen oder Lasercutter. So wie Bibliotheken jedem den Zugang zu Büchern ermöglichen wollen, bieten Fab Labs technischen Amateuren die Chance, industrielle Produktionsverfahren zu nutzen.

"In den Fab Labs verbinden sich digitale Kultur und materielle Produktion", schreiben Julia Walter-Herrmann und Corinne Büching in ihrem gerade erschienen Buch FabLab.

Drei Fab Labs allein in Berlin

Gerade die 3-D-Drucker, über die in den vergangenen Monaten viel in der Presse berichtet wurde, stoßen auf großes Interesse. "Wir kommen kaum nach", sagt Nicolai Hertle, Werkstattmeister im Berliner Fab Lab. Kongressauftritte, Messepräsentation, Workshops – obwohl das Fab Lab in Berlin gerade mal ein halbes Jahr alt ist, gibt es bereits viele Anfragen und viele Aufträge.

Und das, obwohl das Fab Lab Berlin nicht einmal der einzige Ort in der Stadt ist, der der Definition eines Fab Labs entspricht. Auch die Open Design City oder die Raumfahrtagentur stellen Machern eine ähnliche technische Ausstattung zur Verfügung.

Je technischer die Welt wird, desto größer ist das Interesse an solchen Verfahren. "Uns geht es um Wissenstransfer", sagt Hertle. Er selbst hat eine Schreinerlehre gemacht, bevor er an der Kunsthochschule Weißensee Gestaltung studierte. Dort arbeitete er auch zum ersten Mal mit einem 3-D-Drucker, eine Erfahrung, die ihn so begeisterte, dass er nach dem Ende seines Studiums zusammen mit zwei Freunden das Fab Lab Berlin eröffnete.

Körperteile aus dem 3-D-Drucker für die Charité

Finanzieren wollen sie das Labor durch die Vermietung ihrer Geräte und durch Auftragsarbeit. Für Werbefirmen drucken sie dreidimensionale Schriftzüge und Logos, für einen Professor an der Charité Körperteile für den Einsatz in der Lehre und für sich selbst Action-Figuren. Auf einer Fensterbank stehen kleine Werkstücke zur Anschauung: ein Brillengestell, Markenzeichen, Spielsachen, alle aus buntem, hartem Plastik.

Für 60 Euro im Jahr kann man beim Fab Lab Mitglied werden, und dann zu Stundensätzen zwischen 15 und 30 Euro die Geräte nutzen. "Unsere Kunden sind Einzelkämpfer im Bereich Design, Kunst und Mode", sagt Hertle. "Und davon gibt es in Berlin eine ganze Menge. Durch unsere Maschinen können sie Ideen schneller zu Realität werden lassen und Fehler umgehend korrigieren."

Neben den amerikanischen Studenten ist an diesem Nachmittag auch ein Schmuckdesigner im Fab Lab. Mit einem Lasercutter lässt er sich kleine Kunststoff-Plättchen für Halsketten schneiden. Außerdem brütet ein Künstlerpaar an ihrem Laptop über der Gestaltung einer Puppe. Wenn der digitale Entwurf fertig ist, schicken sie die Daten an den 3-D-Drucker, der fängt dann an, Schicht um Schicht die Puppe zusammenzuschmelzen. Bis er damit fertig ist, kann es je nach Größe mehrere Stunden dauern.

Leserkommentare
  1. Weil irgendwer einen Hype lostreten und reiten will und meint, mit home fabs käme jetzt die postindustrielle Revolution, in der jeder daheim das Fahrrad selbst nochmal, dafür aber unprofessionell und teuer hergestellt, erfinden darf.
    Möglicherweise viele Menschen werden dazu nichts beitragen (können), weil sie besser/lieber Konsumenten bleiben.

    "Nur was man selbst bauen kann, gehört einem auch."
    Das ist eine technoligisch reichlich rückwärtsgewandte Utopie und zudem grob unsinnig. Die Ironie, dass man das nur mit hochkomplexen Geräten umsetzen kann, die sich dem Selbstbau weitgehendst verschließen, bleibt den Leuten wohl verborgen.

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    zumindest bricht sich bei dieser Variante keiner die Knochen, wie "damals" bei den eher handwerklich unbegnadeten Gestalten, die unbedingt mit langen Ärmeln an Drehbank oder Fräse stehen musten!

    Peter

    niemand wird an den 3D Drucker geprügelt. Wenn Sie lieber Konsument/in bleiben möchten, kein Problem.

    Lesen Sie den nächsten Artikel zu diesem Thema einfach nicht.

    Liebe Leser, ich freue mich über die Reaktionen auf meinen Artikel. Allerdings sollte man doch nicht übersehen, dass der Text keine unkritische Lobrede auf FabLabs ist. Dass die 3D-Drucker noch weit davon entfernt sind, für jeden benutzbar zu sein, steht drin. Allerdings sehe ich auch, wie einige der anderen Leser, hier ein interessantes Potential, sich mit der Technik, die unser Leben bestimmt, selbstbestimmt auseinanderzusetzten, und darüber sollte man auch schreiben können.

  2. zumindest bricht sich bei dieser Variante keiner die Knochen, wie "damals" bei den eher handwerklich unbegnadeten Gestalten, die unbedingt mit langen Ärmeln an Drehbank oder Fräse stehen musten!

    Peter

  3. niemand wird an den 3D Drucker geprügelt. Wenn Sie lieber Konsument/in bleiben möchten, kein Problem.

    Lesen Sie den nächsten Artikel zu diesem Thema einfach nicht.

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    Ja, genau so kommen mir manche Begeisterungsblasen in diversen communities vor.

    Vielleicht habe ich (sogar als Konsument) ja auch nur eine Vorstellung von Kosten-Nutzen-Verhältnissen und halte den Kauf professionell ausgereifter Erzeugnisse für erstrebenswerter als das Absingen eines Mantras vom "Charme des Selbergemachten".
    Rapid Prototyping ist sicher eine ganze andere Geschichte als das die Idee teuer einzelne Sachen (nach) zu machen.

    @ 4 Das lässt sich durch entsprechende Scanner etwas entschärfen. Für den Normalverbraucher und Einzelstücke aber gleichwohl insgesamt reichlich aufwendig. Aber das schreckt keinen Technikgläubigen, wenn er damit die Abhängigkeit von der Technik abstellen will.

    • smojoe
    • 14. August 2013 14:04 Uhr

    erst wenn der digitale Entwurf fertig ist kann man etwas zum 3-D-Drucker schicken.
    Damit bleibt die Zahl der Benutzer überschaubar.

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    • welll
    • 14. August 2013 14:18 Uhr

    "Aber in Wirklichkeit gibt es noch viele technische Probleme und man muss sich erst in das Gerät und in die Software einarbeiten. Das ist alles sehr arbeitsintensiv. Meistens ist es billiger, etwas neu zu kaufen."

    Das ist der limitierende Faktor für den Privatanwender, denn die Einarbeitung in Software und Technik, mit zahllosen Fehlversuchen wird sich nicht wegoptimieren lassen und den Enthusiasmus für viele in Frustration wandeln. Dazu kommen die Kosten.

    Für Kleinbetriebe, Modellbauer, Designer oder Künstler wird der 3D-Drucker aber sich bald Selbstverständlichkeit sein.
    Auch die Idee diese Geräte zu mieten ist eine gute, wird sich aber mit fortschreitender Entwicklung wieder tot laufen, wenn ausgereifte, erschwingliche Drucker zur Verfügung stehen.

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    die genau diese Fehlversuche vermeiden helfen soll, indem fertige Dateien für Produkte zum Download angeboten werden. Es wird nicht lange dauern, und die Geräte werden in Copy-Shops stehen.

    Dann ist es nicht mehr weit zur Home-Anwendung.

    Wer sich jetzt damit beschäftigt investiert in die Zukunft. in 10 Jahren sind das die Gurus der Branche.

  4. Ja, genau so kommen mir manche Begeisterungsblasen in diversen communities vor.

    Vielleicht habe ich (sogar als Konsument) ja auch nur eine Vorstellung von Kosten-Nutzen-Verhältnissen und halte den Kauf professionell ausgereifter Erzeugnisse für erstrebenswerter als das Absingen eines Mantras vom "Charme des Selbergemachten".
    Rapid Prototyping ist sicher eine ganze andere Geschichte als das die Idee teuer einzelne Sachen (nach) zu machen.

    @ 4 Das lässt sich durch entsprechende Scanner etwas entschärfen. Für den Normalverbraucher und Einzelstücke aber gleichwohl insgesamt reichlich aufwendig. Aber das schreckt keinen Technikgläubigen, wenn er damit die Abhängigkeit von der Technik abstellen will.

    Antwort auf "keine Angst"
    • Ra-lf
    • 14. August 2013 15:06 Uhr

    Ich finde das Konzept gut. Viel zu wenige beschäftigen sich mit neuen Möglichkeiten und Chancen. Auch wenn noch alles absehbar ist, würde es unserer Gesellschaft doch gut tun sich mehr mit neuen Dingen und möglichen Chancen zu beschäftigen. Von daher sollte man solche Konzepte meiner Meinung nach ruhig erweitern und verbreitern, es fördert unabhängig vom wirtschaftlichen Erfolg zumindest den Geist und die Kreativität.

  5. Es geht bei einem Fab-Lab nur am Rande darum, dass dort irgendwelche 3D-Drucker rumstehen. Es geht prinzipiell um einen einfachen Zugriff auf Technologie und darum einen kreativen Raum zu schaffen, in dem es möglich ist alleine oder mit Menschen zusammen Dinge in die Realität umzusetzen. Es geht wie im Artikel erwähnt um einen Wissens- und Technologietransfer der in den Fablabs theoretisch und praktisch funktioniert. Wenn ich persönlich nicht so ohne weiters an Wissen oder Technologie herankomme, gibt es auch keine Möglichkeit etwas neues zu schaffen, sei es die Verbesserung von etwas Alten, das Reengineering von bestehenden Lösungen oder etwas komplettes. Es geht eher in die Richtung von Open Access für Technologie parallel zu Open Access für wissenschaftliche Abhandlungen. Die Fab-Lab-Szene ist da sehr heterogen aufgestellt. Und das ist auch gut so !

    Viele Grüsse an die Berliner

    FabLab Potsdam

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    Seid ihr das: http://www.wissenschaftsl... ?

    Kann man bei euch drucken? Und wenn ja, mit welcher Linux Software kann man 3D-Objekte designen? Und zwar mglst nicht von google.

    • welll
    • 14. August 2013 19:51 Uhr

    und funktionierte wirtschaftlich bisher nur temporär oder im Kleinen.

    Beispiele wären vermietete Brennöfen für Töpferei, tageweise anmietbare Schreinerwerkstätten und Fotolabore.

    Der Hobbyist verliert ob der Kosten und des Einarbeitungsaufwands alsbald das Interesse.

    Der ausdauernde Hobbyist tendiert, auch ob der Mietkosten, alsbald zur Anschaffung eigener Geräte, was mit Preisverfall und steigender Marktreife der Geräte immer attraktiver wird.

    Der Semiprofessinelle oder Profi wird es nicht anders halten, bzw. sucht sich gleich einen Spezialisten, der ohne viel Trail and Error und Einarbeitung den gewünschten Prototyp liefert.

    Die Idee an sich ist nicht schlecht, Zweifel an der Wirtschaftlichkeit habe ich allerdings.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Hardware | MIT | Afghanistan | Berlin | Kolumbien | Senegal
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